Weitwandern auf Mallorca: Meine Erfahrungen am GR 221 von Sant Elm bis Port de Soller

Die Trockenmauerroute GR 221 ist ein rund 140 km langer Weitwanderweg auf der balearischen Insel Mallorca. „La Ruta de Piedra en Sec“ wie der Fernwanderweg lokal genannt wird, verläuft im Nordwesten von Mallorca durch die Berglandschaft Serra Tramuntana. Je nach körperlicher Fitness können die Etappen von Port d’Andratx bis nach Pollença in 7-9 Tagen durchwandert werden.

Idyllische Landschaften, traumhafte Ausblicke, ruhige Dörfer – das Mallorca auch Ballermann sein kann erscheint am Trockenmauerweg wie ein UFO am Strand – unvorstellbar.

Sechs Tage war ich insgesamt (inklusive An- & Abreise) allein mit Nächtigungen im Zelt und in Herbergen am GR 221 auf Mallorca unterwegs. Von Sant Elm wanderte ich über Estellencs, Banyalbufar, Esporles, Valldemossa und Deià bis Port de Sóller. Aus Zeitgründen blieb der Trockenmauerweg leider unvollendet. Für die ganze Story meines Wanderabenteuers und meinen Erfahrungen beim Wandern: weiterlesen! Alle Infos & Tipps zum Wandern am GR 221 für einen guten Überblick gibt es in einem eigenen Beitrag.

 

MEINE STORY & ERFAHRUNGEN AM GR 221 VON SANT ELM BIS PORT DE SOLLER

Eine typische Trockensteinmauer auf Mallorca
Trockensteinmauer auf Mallorca

Ein kribbelndes Gefühl löste der Gedanke an mein bald startendes Wanderabenteuer aus. Ich würde wieder allein unterwegs sein: ich und mein Zelt. In Israel bei meiner kurzen Wanderung durch die Wüste Negev im Jänner hatte ich unverhofft Begleitung bekommen. Und Begleitung zu haben war sehr schön gewesen. Nun war ich wieder allein unterwegs – das erste Mal mit voller Montur, d.h. ohne Campingausrüstung, Wasser und Proviant auf zwei Personen aufzuteilen. Es kribbelte.

Wie bei den meisten anderen, die ich am Weg traf, war die Entscheidung am Trockenmauerweg weitzuwandern sehr kurzfristig gefallen. Mallorca ist (relativ) nah, ist im März schon ausreichend warm und befindet sich zu der Jahreszeit noch vor dem großen TouristInnenanstrom, den es ab April mit Höhepunkt im August gibt. Ab April so nahm ich an würde sich die Anzahl an RadfahrerInnen und wandernden Menschen auf Mallorca verdoppeln oder verdreifachen. Den Luxus „spontan zu sein“ würde es nur im März in der ausklingenden Nebensaison geben. Und Wandern im Hochsommer kam nach meinen Erfahrungen am Rota Vicentina in Portugal eher weniger in Frage.

Um meinen Slambeitrag zu variieren: Geld am Konto, Flug gebucht – Malle ist schon ausgesucht.

 

Tag 1: Anreise nach Palma, Gaskartuschen-Kauf-Odyssee & Weiterfahrt bis Sant Elm

Sonnenuntergang bei Sant Elm auf Mallorca
Wandern am GR 221: Sonnenuntergang bei Sant Elm am Weg nach La Tapa auf Mallorca

An einem Donnerstag Vormittag ging es los. Mein Plan: Landen, in die Stadt fahren, eine Gaskartusche kaufen und den nächsten Bus bis Port d’Andratx oder weiter bis Sant Elm nehmen. La Trapa hatte ich als Zielort meines ersten Tages ausgewählt. Wenn möglich wollte ich den ersten Abschnitt des Trockenmauerwegs (Port d’Andratx bis Sant Elm) gehen, würde die Zeit knapp werden, würde ich den Bus direkt bis Sant Elm nehmen. Sonnenuntergang war um sieben herum, die letzte Busverbindung von Palma nach Sant Elm war um kurz nach vier. Die Eckdaten waren durchdacht.

Meine erwartete Ankunft im schönen Palma de Mallorca 13:40. Mit dem nächsten Bus (Linie 1/5€) ging es vom Flughafen in rund 20 Minuten ins Stadtzentrum. Mein erstes Ziel: das spanische Sportgeschäft Decathlon, wo ich das letzte und wichtigte Detail meiner Campingausrüstung besorgen wollte: die Gaskartusche.

Ich lag gut in der Zeit. Das Sportgeschäft hatte ich schnell gefunden. Innerlich klopfte ich mir zufrieden auf die Schulter als ich die Türen passierte. Was folgte? – Die Ernüchterung: „Bombonas de gas? – Haben wir nicht!“

„Sch…..“ – das schöne S-Wort durchkreuzte meine Gedanken. Meine Augen purzelten vor Schreck beinahe auf den Boden. Eine andere Einkaufsoption für Gaskartuschen hatte ich nicht notiert. Der El Corte Inglès nebenan wurde empfohlen. Und schon sprintete ich los – fünf Stockwerke hoch und wieder – inzwischen ausgestattet mit einer Stadtkarte – hinunter. Zwar gab es keine Gaskartuschen in dieser Filiale, aber in einer anderen.

Komplett durchgeschwitzt, erreichte ich nach einem Lauf quer durch das Stadtzentrum zum anderen El Corte Inglés,  den Busbahnhof. Noch schnell Wasserflaschen gekauft und schon saß ich im Bus Richtung Port d’Andratx. Es war der letzte Bus an diesem Tag, der mir eine Weiterfahrt nach Sant Elm erlauben würde. Für einen Wanderstart in Port d’Andratx war es zu spät (wäre sich nur ausgegangen, wenn ich einen deutlich früheren Bus erwischt hätte).

Beim Umsteigen lernte ich den mallorquinischen Bergfuchs Miguel kennen, ein Glück wie ich feststellte. Denn in Sant Elm geleitete er mich bis zum Startpunkt des Wanderweges, den ich ohne ihn vielleicht nicht so schnell gefunden hätte. Die Zeit drängte. Der Bus hatte Verspätung, die Sonne war bald am untergehen. In Eiltempo startete ich los. Mit dem letzten Dämmerlicht erreichte ich La Trapa.

Im Dunkeln suchte ich mir einen Schlafplatz. Einen guten Platz für mein Zelt (Zelten (noch) geduldet, aber offiziell nicht erlaubt) hatte mir Miguel beschrieben. Bei Tee und Nudelsuppe genoß ich den schemenhaften Blick auf das Meer und La Trapa. Ich war nicht allein: ein paar Jugendliche hatten La Trapa als Treffpunkt ausgewählt. Ein weiteres Zelt stand in einiger Entfernung. Erst als es ganz ruhig wurde, verkroch ich mich in meinen Schlafsack und schlief ein bis…  jemand mit einem Scheinwerfer auf mein Zelt leuchtete!

Ich saß in Millisekunden aufrecht. Schon zur Verteidigung gewappnet, schielte ich durch den Türschlitz des Zeltes und erkannte: es war der prall gefüllte, hell leuchtende Mond, der aufgegangen war. Nach dem Abklingen des kurzfristigen Adrenalinausstoßes, fiel ich wieder in einen, diesmal nur mehr leichten Schlaf.

Blick auf LaTrapa & die Insel Dragonera am GR221 bei Sonnenaufgang
Blick auf LaTrapa & die Insel Dragonera am GR221 bei Sonnenaufgang

 

Tag 2: La Trapa über Refugio des Ses Fontanelles bis kurz vor Estellencs (Boal des ses Serveres)

Teufelsbalkon beim Aussichtspunkt Mirador d'en Josep Sastre bei La Trapa
Teufelsbalkon beim Aussichtspunkt Mirador d’en Josep Sastre bei La Trapa am Trockenmauerweg

Viel zu früh hatte ich mir den Wecker gestellt. Es war noch stockdunkel. Zwar hatte ich den Sonnenuntergang bei meinen Planungen beachtet, den Sonnenaufgang hatte ich dabei allerdings vergessen. Noch ein bisschen liegen bleiben. Und noch ein bisschen. Ein bisschen länger geht noch. Eine halbe Stunde drückte ich den Wecker weiter bevor ich mich ans Zusammenpacken machte. Wie als wäre ich nie hier gewesen, brach ich auf.

Es war magisch. Nach und nach breiteten sich die ersten Sonnenstrahlen über das Meer, die Hügel und die Insel Dragonera aus, die wie ein Rückenpanzer eines im Meer liegenden Draches erscheint. Ein kurzer Abstecher zum Aussichtsbalkon Mirador d’en Josep Sastre, der aufgrund der dort steil abfallenden Felsküste auch Teufelskanzel genannt wird, ist auf diesem Wegabschnitt äußerst empfehlenswert.

Einem deutlichen Pfad folgend verlief der Weg entlang der Felsküste. Bevor sich der Weg von der Küste abwendete, beschloss ich zu frühstücken. Mein Magen grummelte schon und ich wollte den Ausblick in Ruhe genießen.

Richtung Coll de Sa Gramola ging es weiter bis der gleichnamige Parkplatz an der Hauptstraße Ma-10 erreicht war. Entlang der Hauptstraße führte der Weg bis zur Abzweigung des wunderschönen Refugio Ses Fontanelles. Wasserflaschen und Erfrischungsgetränke werden dort zum Verkauf angeboten. Ich trank einen Kaffee (ich hatte das Glück den Herbergsbesitzer zu treffen) und setzte bald meinen Weg fort. Rund 11 km lagen noch vor mir.

Gute 1,5 Stunde ging es aufwärts mit Blick Richtung dem Berg S’Esclop, den ich heute noch besteigen würde. Vor einem Überstieg machte ich eine längere Mittagspause.

Zaunüberstieg mitten in der Landschaft; im Hintergrund der Berg S’Esclop mit seinem flachen Gipfelplateau

Vom Herbergsbesitzer wusste ich, dass nur zwei Personen, die in der Herberge geschlafen hatten, vor mir am Weg waren. Ob noch jemand hinter mir war, wusste ich nicht. Beim anderen Zelt in La Trapa hatte sich in der Früh noch niemand bewegt. Trotz längerer Pause blieb ich allein.

Nur ein Stier begegnete mir am Weg. Er bewachte wie ein Hirtenhund den ausgetretenen Pfad und ließ mich kurzerhand durchs Gebüsch meinen Weg fortsetzen. Denn mein zuerst vorsichtiges Näherkommen hatten ihn ziemlich unbeeindruckt gelassen. Entgegen der blöckenden Schafe war er keinen Millimeter zur Seite gewichen, sondern hatte mich nur mit großen Augen angestarrt. Ein leichter Schweifschwung und ein hörbares Ausatmen und schon hatte ich einen weiten Bogen um ihn gemacht.

Danach wurde das Gelände unwegsamer. Wie ich später erfuhr war die Gegend rund drei Jahre davor abgebrannt, was die vielen verkohlten und umgefallenen Baumstümpfe erklärte, die über und durchklettert werden mussten.

Ausblick Richtung Süden der Insel am Weg vom Refugio Ses Fontanelles nach Estellencs
Ausblick Richtung Süden der Insel am Weg vom Refugio Ses Fontanelles nach Estellencs

Es ging aufwärts, mal waren Steinmännchen zu sehen, mal nicht. Wie der ungefähre Wegverlauf sein müsste, war jedoch eindeutig. Mit dem Erklimmen des Gipfelplateaus des S`Esclop, der auch umgangen werden könnte, war der letzte Aufstieg des Tages geschafft.

Wandern am GR-221: Noch nicht am Gipfel des S’Esclop, aber kurz vor dem letzten Aufstieg

Ab dann ging es nur noch bergab. Langsam. Das Gewicht meines Rucksacks machte sich bemerkbar. Enger und enger schnallte ich den Hüftgurt. Ich hatte mit meinen Wasserreserven, die ich mittrug, maßlos übertrieben und der Abstieg gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Als ein Wegweiser noch weitere 2 Stunden und 30 Minuten anzeigte, stellte ich fest, dass ich die Etappenlänge unterschätzt hatte. Wo hatte ich am Weg nur so viel Zeit vertrödelt? Ich hatte eine frühere Ankunft erwartet.

Weiteren 1,5 h später kam ich an meinem eigentlichen Ziel an: den im Wald gelegenen Picknickplatz Boal de ses Serveres (in der Nähe von Estellencs). Dieser liegt ein wenig abseits des offiziellen GR 221 Weges. Dort wollte ich die Nacht verbringen – in der zugänglichen Steinhütte oder im Zelt. Es wurde die bequemere Variante.

 

Tag 3: Estellencs (Boal de des Serveres) über Banyalbufar nach Esporles

Kleines Häuschen mit Meerblick in Banyalbufar am GR221

Ein gemütlicher Aufbruch am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Ohne Umweg ging es die Hauptstraße Ma-10 entlang bis Estellencs zu einem leckeren Frühstück in ein kleines Kaffeehaus am Weg. Kurzweilig und wunderschön erlebte ich den erst letztes Jahr wieder eröffnenten Weg von Estellencs nach Banyalbufar.

Letztes Jahr (2016) war der Gerichtsstreit nach 12 Jahren zwischen den BesitzerInnen der Finca Es Rafal, welche die Benutzung des öffentlichen Weges, der über das Grundstück der Finca verläuft, 2004 gesperrt hatten, und der Gemeinde Banyalbufar zu Ende gegangen. Per Gerichtsentscheid darf das schöne Grundstück nun wieder auf der ursprünglichen Route des Trockenmauerwegs passiert werden. Danach geht es steil bergab zwischen zwei Trockensteinmauern nach Banyalbufar.

Um elf kam ich an. Mindestens drei unterschiedliche Rennradgruppen machten gerade Pause auf den sonnenbeschienen Bänken auf der Durchfahrtsstraße. Alle aßen. Der kleine Shop mit Bäckerei, in dem sich alle Durchkommenden versorgten, blieb auch von mir nicht unbesucht. Zwei Empanadas und ein Weckerl aß ich sofort, eine Süßspeise nahm ich für später mit. Neben der Kirche führte der Weg steil bergauf bis zu einem Picknickplatz und danach in einen Steineichenwald. Ein kerzengerader Karrenweg mitten im Wald begeisterte mich. Beim Gehen rätselte ich über dessen Sinn.

Am Weg von Banyalbufar nach Esporles am Trockenmauerweg: der besagte kerzengerade Karrenweg

Köhlerplätze wurden die ganze Zeit in meiner Wanderkarte erwähnt. Ob der Weg was mit den Köhlerplätzen zu tun hatte? Nachdem ich bereits eine Unmenge an Köhlerplätzen gesehen hatte, wusste ich wie sie aussehen: kreisrunde, flache Steinplateaus, die oft mit Moos bewachsen waren. Aber was sie sind, wusste ich nicht. Der Ausdruck Köhler war mir ein Fremdwort.

Inzwischen habe ich gelernt: ein Köhler ist jemand der beruflich Holzkohle herstellt bzw. hergestellt hat. Dazu wird Holz in einem Kohlemeiler auf einem Köhlerplatz geschwelt. Das Brennmaterial wurde auf den Köhlerplätzen aufgeschichtet und danach mit Lehm abgedichtet. Im Inneren wurde so unter hohen Temperaturen und mit wenig Sauerstoff die chemische Umwandlung von Holz in Kohle erwirkt. Die logische Erklärung: Kohle – Köhler – Köhlerplatz – hätte mir auch selbst einfallen können.

Koehlerplatz auf Mallorca
Köhlerplatz auf Mallorca

Die ganze Zeit über ging es nur unmerklich bergauf. Eine Schulgruppe und einige Spaziergänger mit Hund waren unterwegs. Die beschriebene Aussichtsplattform oder erwähnten Sattelpunke in meiner Wanderkarte gingen spurlos an mir vorüber. Wo ich genau war? Ich wusste es nicht, aber es war auch egal. Verlaufen konnte ich mich nicht. Die Beschilderung war großartig. Schon ging es bergab. Um halb drei erreichte ich das Refugi de Son Trias in Esporles. Ich hatte einen Zeltplatz reserviert. Die Betten im Schlafsaal waren schon ausgebucht gewesen.

Duschen, Essen, Internet surfen – es wurde ein gemütlicher Nachmittag und Abend. Da ich die Nacht davor etwas gefroren hatte, borgte ich mir noch eine Decke aus. Und das war eine verdammt gute Idee wie ich später feststellte!

 

Tag 4: Von Esporles nach Valldemossa & über den Höhenweg Cami S’Arxiduc nach Deià

Ein Baum und eine schöne Aussicht am Weg von Esporles nach Valldemossa
Am Weg von Esporles nach Valldemossa

Ich hatte mich tief in den Schlafsack und unter eine Jacke vergraben. Mit der zusätzlichen Decke war die Nacht im Zelt ok gewesen. Als ich durch mein Wecker läuten erwachte, stellte ich fest: das Zelt war naß, innen und außen – Morgentau und Kondenswasser. Ich hatte es schon wegen der Kälte befürchtet.

Aus Mangel an Alternativen packte ich das naße Zeug einfach zusammen. Ich wollte nicht zu spät los. Rund 20 Kilometer lagen vor mir. Ein bescheidenes Frühstück im Ort und schon war ich unterwegs. Der Weg führte zuerst entlang einer kleinen Straße und ging anschließend beim Coll de Sa Basseta in einen Pfad durch einen Steineichenwald über. Aufmerksam folgte ich den Steinmännchen und roten Punkten. Der Streckenabschnitt war mega toll (!!!) nur das letzte Drittel vor Valldemosssa war extrem schlecht markiert. (Es ging nicht nur mir so, sondern auch andere erzählten von ähnlichen Wegverlusten.)

Viermal folgte ich den falschen Steinmännchen. Während ich die ersten beiden Male als gegeben hinnahm, war beim dritten Mal meine Laune war den Bach hinunter und beim vierten Mal war ich der Überzeugung, dass Valldemossa wandernde Personen hasste. Der Verdacht erhärtete sich, als ich später feststellte, dass es zwar eine dezente Beschilderung in Valldemossa (Wegmarkierung auf den Straßenlaternen!) zum Caraits Tal gab, aber ein Auffinden des Startpunkts des Cami S’Arxiduc ohne Plan unauffindbar wäre. Am Weg dorthin bog ich zum fünften Mal falsch ab (aber diesmal, weil ich der falschen Wegbeschreibung auf meine Wanderkarte folgte).

Es war zum Verzweifeln. Ich hatte gehofft, dass die Mittagspause in Valldemossa alles wieder gut machen würde. Sie schien zu kurz gewesen zu sein. Als ich dann noch feststellte, dass die extra eingeholte Genehmigung, um durch das Schutzgebiet Muntanya del Voltor zu spazieren, völlig unnötig war, da daneben ein Alternativweg geschaffen wurde, der nach nur 30-45 min wieder mit diesem zusammenkam, konnte ich nur mehr den Kopf schütteln. Vielleicht war es kürzer gewesen, aber einen großen Unterschied gab es bestimmt nicht.

Ebenso war ich dem Irrtum unterlegen, dass der Höhenweg S’Arxiduc Teil des Schutzgebiets ist. Dem ist nicht so.

Nach einem steileren Aufstieg war endlich jeglicher Ärger verraucht und ich genoß die Ausblicke und den Höhenweg. Wie abenteuerlich der Abstieg war, überraschte mich. Ausrutschen war an einigen Stellen nicht drinnen.

Der Pfad am Höhenweg nach Deià
Hoehenweg S’Arxiduc von Valldemossa nach Deià

Als ich abschließend noch größere Gruppen rüstiger und eher nicht ganz so fit aussehender SeniorInnen überholte, staunte ich nicht schlecht. Wie diese manche Passagen beim Abstieg nach Deià gemeistert hatten, war mir ein Rätsel. Ich hatte größten Respekt. Meinen Omas hätte ich von einer Begehung abgeraten.

Noch am Vortag telefonisch reserviert hatte ich mir ein Bett im Refugi Can Boi. Ich liebe die Nebensaion, wo so etwas möglich ist.

 

Tag 5: Deià bis Refugi Muleta (Port de Sóller)

Ausblick Richtung Port de Soller auf Mallorca
Ausblick Richtung Port de Soller auf Mallorca

Erst gegen 10 Uhr brach ich langsam vom Refugi Can Boi auf. Ich hatte keine Eile. Statt wie einige andere den Küstenweg zu nehmen, blieb ich (nach einem unbeachsichtigten Abstecher in eine Sackgasse) auf der offiziellen Route. Einfach zu gehen, verlief der Weg mit Meeresblick gut gekennzeichnet immer wieder zwischen zwei Trockensteinmauern. Nachdem ich mich kurz mit zwei, jungen Frauen am Weg unterhalten hatte, ging ich allein weiter. Doch das Wort allein war hier eher relativ zu sehen: Schulklassen & Horden von Wandergruppen begegneten mir am Weg. Die Finca Son Mico, die ich mir fälschlicherweise als kleine, bescheidene Raststation vorgestellt hatte, war ein normales Café/Restaurant bevölkert von TouristInnen.

Nach Tagen voll ruhiger Ausblicke und Abgeschiedenheit war ich enttäuscht. Der GR 221 Abschnitt zwischen Deià und Port de Sóller bzw. Soller erschien mir persönlich wie eine Ameisenstraße. Zur Herberge Refugi Muleta hin (gleich neben dem Leuchtturm bei Port de Sóller) wurde es ruhiger. Beim nächsten Mal wird es der Küstenweg. Dort war nach Erzählungen viel weniger los. Und Baden konnte man auch.

Nach exakt drei Stunden hatte ich das Refugi Muleta, das ich wieder erst am Vortag telefonisch reserviert hatte, erreicht. Pure Absicht lag dahinter: mein Zelt und meine Campingutensilien tropften noch von vorgestern vor Näße. In der Nachmittagssonne wollte ich endlich alles trocknen.

In einem abgelegenen Winkel machte ich es mir gemütlich: Zelt, Schlafmatte, Jacken – alles was naß war, breitete ich aus. Daneben kochte ich mir ein Mittagessen.

Sonnenuntergang in der Nähe vom Refugi de Muleta auf Mallorca
Sonnenuntergang in der Nähe vom Refugi de Muleta auf Mallorca

Nach einem Kurzausflug nach Port de Sóller, um Abend zu essen und um den Ort der Bushaltestelle herauszufinden (beim 2. Kreisverkehr – in der Strandpromenade bei der Diskothek Altamar abbiegen und immer geradeaus) und natürlich um kurz ins Meer zu springen, war ich rechtzeitig zum Sonnenuntergang mit bester Aussicht zurück beim Refugi.

Schon um neun waren alle Menschen, die in einem einzigen großen Schlafsaal zusammenschliefen, in ihren Betten.

 

Tag 6: Refugi Muleta (Port de Sóller) nach Palma & Abreise

Ein geplanter früher Aufbruch wurde zu einem späten. Ich hatte noch gefrühstückt, gepackt, getrascht und meine noch halbvolle Gaskartusche verschenkt. Im Grunde wollte ich auch gar nicht los, zumindestens nicht zum Flughafen. Nur drei weitere Etappen trennten mich vom offiziellen Ende in Pollença. Gern wäre ich mit den netten Menschen, die ich am Weg kennengelernt hatte, weitergezogen.

Mit dem stündlich abfahrenden Bus von Port de Sóller nach Palma verließ ich schweren Herzens unvollendet den Weitwanderweg GR-221 durch die Serra Tramuntana.

 

NOCH MEHR ÜBER MALLORCA LESEN

 

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Meine private Wanderreise auf Mallorca fand vom 16. März bis 21. März 2017 statt.
Blogbeitrag zuletzt aktualisiert: Dezember 2017

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6 Comments

  • Hallo Theresa!

    Danke für deinen Bericht. Ich werde ebenfalls ein paar Etappen nächste Woche begehen. Ich hab noch ein paar offene Fragen, bei denen ich über deine Antwort dankbar wäre:

    1.) Gibt es in Escellencs eine Herberge? 2.) Findet man den Einstieg zu den Etappen leicht, z.B. den in Port d’Andratx? 3.) Weißt du zufällig, ob es einen Bus/ein Shuttle gibt, das in der Nacht von Palma zum Flughafen fährt?
    4.) Gibt es genügend Supermärkte und/oder Restaurants unterwegs zwecks Versorgung oder gar Quellen/Wasserleitungen?
    5.) Welche Karte(n) hattest du dabei?
    6.) Sprichst du Spanisch oder bist mit Deutsch/Englisch gut zurecht gekommen, was z.B. Busse finden angeht.

    Danke für deine Tipps im Voraus!

    LG Barbara

    • Hallo Barbara,
      Hier sind meine Antworten: :-)
      1) In Estellencs gibt es keine Herberge, sondern nur einige Hotels.
      2) Die Einstiege in den Orten am Weg findet man relativ leicht. Dort gibt sehr viele Beschilderungen. Zugegebenermaßen war es in Port d’Andratx nicht ganz so leicht. Dort habe ich kurz Google zur Orientierung um Rat gefragt.
      3) Die Linie 1 ist die Hauptverbindung zwischen dem Flughafen und Palma. Laut Fahrplanabfrage hat diese eine Pause zwischen halb 3 und halb 7. Schau mal hier: https://www.tib.org/de/web/ctm/inici (oben links ist die Fahrplanabfrage; ich gebe immer die Estacion Intermodal ein, den Hauptbahnhof und Aeropuerto)
      4) Auf den Abschnitten zwischendurch gibt es genügend Versorgungsmöglichkeiten. Rar sind sie zwischen Sant Elm und Estellencs (Wasser beim Refugio Seis Fontanelles) und Soller bis Lluc (gibt Quellen).
      5) Ich hatte die Mallorca GR-221 Karte von map.solutions. Das ist eine einfache Faltkarte mit einem Etappenplan und Infos, klein, leicht und handlich. Ich war zufrieden damit.
      6) Ja, ich kann Spanisch, zumindestens so rudimentär, dass ich alles ohne Probleme herausfinden kann. Tatsächlich können sehr, sehr viele Menschen auf Mallorca auch Deutsch oder Englisch.
      Noch Fragen? :-)
      Ansonsten wünsch ich dir eine schöne Wanderung. Ich hoffe, meine Antworten kommen nicht zu spät. Liebe Grüße, Theresa

      • Liebe Theresa, vielen Dank fuer deine rasche und ausfuehrliche Antwort! Und ja, sie hat mich rechtzeitig erreicht. Es ist herrlich hier und ich geniesse die Wanderungen sehr! Hab in einem anderen Beitrag von dir die meisten meiner Fragen bereits beantwortet gefunden, aber da hatte ich dann meine Anfrage schon abgeschickt. Danke dir also fuers nochmalige Ausfuehren der Details ;) ! LG Barbara

  • Hallo Theresa,
    toller Reisebericht über Mallorca mit vielen nützlichen Informationen :-)
    Welche Strecke hat Dir denn am besten gefallen? Ich möchte im April 5 Tage auf dem GR221 wandern und bin noch etwas unentschlossen, ob es eher der südliche oder der nördliche Teil werden soll.
    LG
    Melanie

    • Hallo Melanie, ich war beim ersten Mal genauso unentschlossen. Südlich ist es eher flach und mit weniger Menschen, nördlich ist es bergig mit mehr Menschen. Nun, wo ich alles gesehen habe, würde ich mich eher für die Berge entscheiden, weil mir dort mehrere Streckenabschnitte extrem gut gefallen haben (vor allem der Abschnitt zwischen Port de Soller bis Lluc). Generell bin ich wohl eher ein „Bergmensch“. :-D LG Theresa

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