Donauradweg von Passau nach Wien | Mein Erfahrungsbericht

Den Donauradweg von Passau nach Wien einmal in meinem Leben fahren zu wollen, davon redete ich schon seit meinen Teenagerjahren. Geschätzte 15 Jahre dauerte es bis ich meine damalige Idee in die Tat umsetzte. Dazwischen hatte ich das Vorhaben schon längst beiseite gelegt. Als jedoch ein Patient (ich arbeitete damals in der Medizinischen Trainingstherapie) von seinen zahlreichen Befahrungen dieser Strecke in jungen Jahren erzählte, flammte mein Traum wieder auf. Nur 3 Tage dauere es, hatte er mir ins Ohr gesetzt. Drei, oder vier Tage, das lässt sich doch leicht umsetzten, dachte ich. Weitere zwei Jahre vergingen.

Wegen einer möglichen Kooperation mit einer griechischen Insel hatte ich mir freigenommen. Die Kooperation, die wurde nichts, meine freien Tage blieben. Das Wetter war halbwegs gut angesagt. Ich beschloss meinen Träumen nachzujagen.

Life is like riding a bicycle, to keep your balance, you must keep moving.

AutorIn unbekannt

Die benötigten Utensilien warteten schon auf ihren Einsatz: mein Rad war ausreichend serviciert (das hoffte, ich zumindest), einen montierbaren Gepäckträger hatte ich mir schon letztes Jahr besorgt und alte Radtaschen für den Fall schon vor Jahren Daheim „ausgeborgt“.

Ich war ungewöhnlich nervös als ich mein Zugticket von Wien nach Passau kaufte. Dabei hatte ich schon scheinbar schwierigere Dinge in Angriff genommen. Trotzdem war ich beunruhigt. Eine Freundin meinte, „es ist, weil du daheim bist und nicht irgendwo“.

 

Donauradweg von Passau nach Wien

 

Tag 1 am Donauradweg

Anreise & von Passau bis Ottensheim (circa 88 km)

Wien – Passau – Pilzstadt – Erlau – Obernzell – Niederranna – Schlögen – Aschach – Wilhering – Ottensheim

Auf der Strecke zwischen Passau und Ottensheim

Meine erwähnte Aufregung verflog erst als ich mit den Zug Passau erreichte und die ersten 40km bis Schlögen – quasi ohne Pausen – gefahren war. Ein Mittagessen und ein Kurzbesuch des Aussichtspunkts mit Blick auf die Schlögener Schlinge folgte. Danach fuhr ich gemütlich weiter bis Ottensheim, wo ich mit der Fähre die Donau querte. Am Campingplatz in Ottensheim beendete ich meine Tagesetappe.

Streckenbeschreibung auf einen Blick:

  • Anreise von Wien nach Passau mit dem Zug (7:30 – 10:23) mit Umsteigen in Linz (Alternativ: Radtramper vom Franz-Josef-Bahnhof fährt direkt, ist aber langsamer)
  • Passau bis Niederranna am Nordufer, von Niederranna bis Schlögen am Südufer (meine Empfehlung: unbedingt am Nordufer bleiben – auch wenn es anders angeschrieben steht – und erst mit der Fähre direkt am gegenüberliegenden Ufer von Schlögen vom Nordufer auf das Südufer queren; also in Niederranna nicht über die Brücke fahren!)
  • Schlögen bis Ottensheim am Südufer mit Fährfahrt nach Ottensheim (mögliche Alternative: Querung von Süd auf Nordufer schon beim Kraftwerk Ottensheim – Wilhering)
  • Übernachtung am Campingplatz in Ottensheim

 

Tag 2 am Donauradweg

Ottensheim – Wallsee – Abstecher ins Mostviertel (circa 77 km)

Ottensheim – Linz – Styregg – St. Georgen an der Gusen – Mauthausen – Au an der Donau – Wallsee – Amstetten

Donauradweg_Faehre_Ottensheim
Bei Fährüberfahrt nach Ottensheim

Ich schlief halbwegs gut. Der richtig tiefe Schlaf kam aber erst in den Morgenstunden. Den Wecker hörte ich nicht, das Packen des tropfnassen Zelts dauerte länger als gedacht. Spät setzte ich daher meinen Weg fort.

Auf ein Frühstück verzichtete ich. Ein paar Brotscheiben, die ich noch von Daheim mit hatte, verzehrte ich bei kurzen Pausen am Weg. Einen Kaffee gönnte ich mir erst in Mauthausen. Beim Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen querte ich die Donau und verließ kurz darauf den Donauradweg. Am Vorabend hatte ich noch einen Abstecher ins Mostviertel, um meine Oma zu besuchen, vereinbart.

Wie angenehm es am Donauradweg zu fahren ist, bemerkte ich, als es ab jetzt mühsam bergauf ging. Es war weder schattig, noch wehte die angenehme, kühle Prise, die es entlang der Donau stetig gegeben hatte. Die nächste Stunde bestand aus ein paar Meter fahren, stehenbleiben, trinken, Luft holen und weiterfahren. Den Ablauf wiederholte ich mehrmals.

Ein leckeres Mittagessen erwartete mich bei der Oma. Spontan beschloss ich zu bleiben und meinen Weg erst am nächsten Tag fortzusetzen. Mein Zelt trocknete ich in der Nachmittagssonne.

Streckenbeschreibung Tag 2:

  • Ottensheim bis Linz am Nordufer (rund 10km)
  • Linz bis Kraftwerk Wallsee-Mitterkrichen am Nordufer (rund 40km)
  • Kraftwerk Wallsee – Mitterkirchen bis kurz nach Wallsee am Südufer
  • Abstecher in das Mostviertel (rund 17 km)
  • Übernachtung bei Oma

 

Tag 3 am Donauradweg

Von meinem Abstecher im Mostviertel bis nach Wien
(rund 170 km)

Amstetten – Willersbach – Persenbeug – Gottsdorf – Marbach – Klein-Pöchlarn – Emmersdorf an der Donau – Aggsbach – Spitz – Weißenkirchen in der Wachau – Dürnstein – Krems an der Donau – Altenwörth – Zwentendorf an der Donau – Kleinschönbichl – Pischelsdorf – Langenschönbichl – Tulln an der Donau – Korneuburg – Wien

Donauradweg2
Auf der Strecke von Persenbeug nach Krems

Um halb acht startete ich wieder los. In Willersdorf erreichte ich den Donauradweg. Es tröpfelte leicht als ich bis Persenbeug radelte, wo ich wieder auf das Nordufer wechselte. Ab hier flogen die Kilometer nur so dahin. Das Fahren fiel mir leicht. Meiner Meinung nach ging es bis Krems fühlbar bergab.

Zu Mittag erreichte ich Krems. Ein Gewitter bahnte sich an, als ich nach einem deftigen Mittagessen und noch ein bisschen durch Krems irrend (die Beschilderung in der Stadt ließ meiner Meinung nach zu wünschen übrig), endlich wieder auf Kurs kam. Ein beständiges Donnern und die schwarzen Wolken in der Ferne motivierten mich zu Höchstleistungen bis Altenwörth.

Der Gedanke noch an diesem Tag bis Wien zu fahren, war schon eine zeitlang durch meinen Kopf gewandert. Denn ich wusste von Krems nach Wien ist es eigentlich an einem Tag zu schaffen. Zumindest kannte ich einige Leute, die das schon öfters getan hatten.

„Believe you can and you are already halfway there.“

AutorIn unbekannt

Von einem anderem Standpunkt aus betrachtet, war es die „Unfähigkeit aufzuhören“. Statt mir einzugestehen, dass meine Entscheidung bis Wien zu fahren eigentlich schon in Krems gefallen war, setzte ich mir im Kopf Zwischenziele, bei denen ich mir einredete je nach Uhrzeit, Kraft und Wetter mir die Möglichkeit zu geben, die Radtour zu beenden.

Vom Kraftwerk in Altenwörth war Zwentendorf schnell erreicht. Ab Zwentendorf wurde ich deutlich langsamer. Statt wie bisher Radgruppen schnell zu überholen, fuhr ich einfach hinter einer her. Die netten Herren integrierten mich gleich in ihre Fahrradgruppe. Als sie den Donauradweg in Richtung ihrer Heimatdörfer verließen, gaben sie mir noch ein Kommando korrekt abzubiegen. Danach fühlte ich mich fast ein wenig einsam. In Tulln konnte ich mir selbst nichts mehr vormachen: es war endgültig klar, dass ich bis Wien fahren würde. Die Ankunftszeit spielte keine Rolle – mir war es egal, ob ich für die letzten Kilometer eine, zwei, drei oder vier Stunden brauchen würde. In Tulln aß ich die Reste meiner Jause und fuhr über Korneuburg – inzwischen wie eine Schnecke –  bis nach Wien.

Streckenbeschreibung Tag 3:

  • von meinem Abstecher im Mostviertel bis Willersbach (rund 15 km) und weiter bis Persenbeug am Südufer (rund 9km)
  • Persenbeug bis Krems am Südufer (rund 59 km)
  • Krems bis Tulln am Nordufer bzw. ab Altenwörth am Südufer (rund 42 km)
  • Tulln bis Wien Nordbrücke – bis zum Kraftwerk Greifenstein am Südufer, dann weiter über Korneuburg am Nordufer bis Einlaufbauwerk Langenzersdorf, dann weiter auf Donauinsel bis Nordbrücke (rund 34 km)
  • von Nordbrücke nach Hause (rund 11 km)

 

Donauradweg – meine Anmerkungen

Donauradweg_ZwSchloegenUntermuehl
Irgendwo zwischen Schlögen und Untermühl

Die schönsten Wegstücke

Wer überlegt nur einen Teil des Donauradwegs zu fahren, die meiner Meinung nach schönsten Wegstücke waren:

  • Die Strecke von Schlögen bis Ottensheim am Südufer, besonders den Abschnitt zwischen Schlögen und Ober-/Untermühl und den Abschnitt kurz vor Ottensheim fand ich besonders schön.
  • Den Weg durch die Wachau am Nordufer von Emmersdorf nach Krems an der Donau. Dabei gefiel mir der Abschnitt zwischen Spitz und Weißenkirchen am besten.

Für wen ist der Donauradweg geeignet?

Der Donauradweg ist geeignet für alle Altersklassen von 0-100+. Aufgrund der vielen Unterkünfte am Weg und der dadurch möglichen flexiblen Etappenplanung kann ich mir eine Befahrung mit Kindern oder von Menschen mit wenig Kondition sehr gut vorstellen. Der Donauradweg wäre eine perfekte EinsteigerInnenroute – natürlich besser abwärts, d.h. von Passau nach Wien, als aufwärts.

Der Donauradweg ist durchgehend asphaltiert. Es gibt kaum Steigungen (wenn dann nur wenige hundert Meter). Falls der Weg auf einer Bundesstraße verläuft, ist meist ein eigener Radstreifen vorhanden. Sehr oft ist dieser dann auch baulich von der Fahrbahn getrennt.

Erfreulich ist, dass der Donauradweg scheinbar eine barrierefrei gestaltete Radwegstrecke ist. Hand-Bikes und Rollstuhl-Tandem-Räder sind mir auch am Weg begegnet. Bei der Unterkunftssuche könnte Barrierefreiheit in den Kategorien eingeschränkt rollstuhltauglich/rollstuhltauglich/absolut rollstuhltauglich (was auch immer das nun genau heißen mag) berücksichtigt werden.

Wie viel Zeit wird für das Befahren des Donauradwegs benötigt?

Wenn du Orte und Sehenswürdigkeiten am Weg besichtigen willst, benötigst du auf alle Fälle mehr als 3 Tage, außer du bist ein/e ambitionierte/r RennradfahrerIn. Beworben wird der Donauradweg von Passau nach Wien in 7 Etappen.

Wo erhalte ich Informationen zum Donauradweg?

Als grobe Orientierung hatte ich mir im Vorfeld die Routenbeschreibung von Alfredo „Donauradweg Passau-Wien“ auf Bergfex und die passenden Wegbeschreibungen dazu (Nord/Südufer) auf Donauradweg.at ausgedruckt. Ein besonderes Augenmerk richtete ich auf die Orte, wo es Campingplätze gab, da ich im Zelt schlafen wollte. Am Weg bei einer Fährstation nahm ich mir noch eine Donauradweg-Broschüre mit, wo die einzelnen Abschnitte als Karte sowie Informationen zu den einzelnen Dörfern enthalten waren (in der Broschüre gibt es meinen Eindruck nach mehr Informationen zu Unterkünften/Gasthäusern/Campingplätzen etc. als im Internet oder der App!).

Die kostenlos angebotene Donauradweg App ist leider für RadfahrerInnen gar nicht brauchbar. Ich hatte gehofft, individuelle Streckenabschnitte zusammenstellen zu können, jedoch finden sich nur Informationen zu Wanderausflügen am Donauradweg. Wer keine Wanderungen machen will, braucht sich die App nicht downloaden (außer natürlich sie wird nochmal überarbeitet).

 

Tipps für das Rad fahren

Donauradweg_Kraftwerk_Greifenstein

  • Radhandschuhe verwenden – ich hatte keine dabei und befürchtete schon nach dem ersten halben Tag Blasen auf den Handflächen zu bekommen (bekam übrigens dann doch keine)
  • viel und regelmäßig Trinken – so wie bei allen sportlichen Aktivitäten
  • eine Jause einpacken – schadet nie
  • Reifendruck mindestens 1x/Tag kontrollieren –  dann tritt es sich einfacher
  • Schrauben (vom Gepäcksträger) nachziehen, falls diese beim Fahren locker geworden sind
  • Radtaschen benutzen – mit Rucksack schwitzt du nur am Rücken
  • Sonnencreme verwenden – natürlich überall, aber im Speziellen auf den Oberschenkeln nachcremen
  • Sonnenbrille tragen & Mund geschlossen halten – es gibt viele Mücken
  • keine Unterhosen in Radlerhosen tragen – mein grober AnfängerInnenfehler, die wetzt leider im Schritt auf

 

Hast du noch Tipps? … für die Wegstrecke/Sehenswürdigkeiten oder für das Fahrradfahren?

Mega. Dann schreib sie doch in die Kommentare. Danke!

 


Eine Übernachtung inklusiv Mittagessen/Abendessen & Frühstück gesponsert von Oma. Vielen Dank dafür! Der Rest war 100% eigenfinanziert! 

Merken

Merken

Merken

Merken

Written By
More from Theresa

Berlin: So ist ein Kurzbesuch am Berliner Fernsehturm

Wer jemals in Berlin war, hat ihn gesehen: den Berliner Fernsehturm, wahrscheinlich...
Read More

12 Comments

  • Hallo ich möchte gern mit meiner tochter 12 Jahre von der schweiz bis nach Amberg in der oberpfalz zu meinem vater fahren. wir sind in den ersten zwei Maiwochen unterwegs und sind von Sigmaringen bis Regensburg auf dem donauradweg. eigentlich möchte ich am liebsten keine Übernachtung buchen weil ich nicht weiss wieviel wir am tag schaffen so sind wir freier. meine frage: ist es schwer im Mai eine einfache Übernachtung (wir fahren ohne zelt) zu finden?

    • Hallo Margert, laut Auskunft des Tourismusbeauftragten ist Mai der fahrradstärkste Monat im Jahr am Donauradweg und eine Vorbuchung sehr empfehlenswert. Genaue Antwort hab ich dir per Mail geschickt! Ich wünsche euch eine super Fahrt!!! lg Theresa

  • Hallo alle zusammen, fahre demnächst mit dem Rad Passau – Wien – Budapest. Hat jemand Erfahrung mit dem Ungarn-Radweg???

  • Hallo, wie cool ist das den BITTE! Wie lange träume ich davon schon. Allerdings träume ich schon lange davon Linz – Wien zu machen bzw noch weiter nach Budapest oder noch weiter bis ans Meer zu fahren, da wo die Donau reinfließt. Ganz ganz toller Bericht. Danke für die tolle Inspiration. LG Doris

  • Ich bin mit Freundinnen ab Linz gefahren, geplant haben wir nichts, es ist dann eine Übernachtung in Grein geworden und in Weißenkirchen haben wir uns in den Zug gesetzt, die Weinverkostung war einfach zu gut….

  • Liebe Theresa!
    Das macht ja richtig Lust auf eine Radltour! Wie wäre es mit der steirischen Variante? Den Murradweg bin ich als Kind schonmal geradelt und es war einfach super 🙂 Vielleicht passts ja bald einmal!

    xxx Viki

    • Immer gern. Von Wien nach Graz wollte ich schon letztes Jahr fahren. Aber ich habs dann nie umgesetzt, weil das Wetter so schlecht war. Wenn ich komm, fahren wir dann gemeinsam am Murradweg weiter, ok?

  • Danke für den Bericht. Mich würde noch interessieren, wie sich der Fahrrad-Transport mit der ÖBB gestaltet hat (der stresst mich immer sehr mit den Radtaschen und extra Abteil und so) und wie der Campingplatz der ersten Nacht war.

    Danke für die Tipps, die Schlögen Etappe soll echt super sein – ich glaube, ich quetsch mal eine 2 Tages Etappe in meinen Sommer! lg Angelika

    • Liebe Angelika! Vielen Dank! 😀
      Ich hab die schnellere Verbindung nach Passau mit der ÖBB gewählt. Im ersten Zug waren die Räder direkt im Abteil (da die Räder auf ihren Vorderreifen hängen, hab ich die Radtaschen wegen des Gewichts trotzdem abmontiert). Im zweiten Zug war es ähnlich, nur, dass die Räder einen eigenen abgetrennten Bereich im Waggon hatten. Wichtige Dinge trug ich daher in einem Rucksack bei mir. Die Radtasche und das Zelt lagerte ich unter meinem Rad. Ein bisschen Vertrauen muss man haben.
      In Ottensheim schlief ich am Campingplatz „Hofmühle“, der ist klein, aber fein. Scheinbar hauptsächlich Dauercamper – ich war das einzige Zelt. Die Sanitäranlagen waren sauber. Es gibt eine sehr einfache Hütte, wo man sich aufhalten kann und auch Steckdosen sind. Das dazugehörige Gasthaus ist gleich gegenüber vom Campingplatz und ist voll ok.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.