Laos: Travellerhorrorszenario auf der Motorradtour

Nach den Erzählungen von Wandern rund um Phongsali und Muang Noi Neua, komme ich nun zum Teil 2 meiner Reisegeschichte und auch zum Ende meines 6,5 Monate dauernden Asienabenteuers (hier alles im Überblick).

Im Mittelpunkt steht das buddhistische Neujahrsfest Pi Mai, der Verlust all meiner Wertgegenstände auf dem Weg mit einem Motorrad in den Süden von Laos und der mühsame, bürokratische Hürdenlauf von Laos nach Thailand für meine Heimreise.

 

PI MAI – WASSERFEST IN VIENTIANE

Von Muang Noi fuhr ich über Nong Khiaw und Luang Prabang direkt bis Vientiane.

Für den Beginn des buddhistischen Neujahrsfest Pi Mai hatte ich in Vientiane einen Stopp geplant.

Das Pi Mai Festival dauert offiziell drei Tage. Der erste Tag ist der letzte Tag des alten Jahres. Es ist der Tag der Erneuerung. Tempel, Buddha Bildnisse und Häuser werden gewaschen. Der zweite Tag ist der ¨day of no day¨. Er gehört weder zum alten noch zum neuen Jahr. Der dritte Tag ist der Beginn des neuen Jahres. Obwohl das Festival offiziell nur drei Tage dauert sind viele Geschäfte und Lokale eine Woche geschlossen, denn die Pi Mai Woche ist eine Ferienwoche, in der die meisten LaotInnen heim zu ihren Familien fahren.

Wichtigster Bestandteil des gesamten Festivals ist das Wasser!

Es dient als Reinigung und Segnung zugleich. Traditionell wird das Wasser gegenseitig mit einem Glückwunsch zum Neujahr über Hände oder Schultern gegossen. In Realität wird das Pi Mai auf der Straße zu einer mega crazy Wasserschlacht!!! Es ist wie eine riesige Open-air Party, bei der auch nicht zu wenig getrunken wird.
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Von Jung bis Alt stehen die Menschen am Straßenrand bewaffnet mit Gartenschläuchen und Kübeln. Überall wird laut Musik gespielt. Alle vorbeikommenden PassantInnen und motorisierten Fahrzeuge, vor allem MotorradfahrerInnen werden mit Wasser übergossen. Durch die Hauptstraßen kurven Fahrzeuge mit einer Ladefläche voll mit Menschen, die ebenso tanzend und mit Freude ihre Wasserkübeln über alle erreichbaren Personen gießen.

Deshalb ist man immer klatschnass!

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SPONTANES MOTORRAD-ABENTEUER

Wie es der Zufall wollte lernte ich beim Herumspazieren durch die Stadt Severin und Laura kennen. Laura war gerade auf dem Weg nach Luang Prabang. Severin wollte so wie ich in den Süden.
IMG_20150527_170637Er überlegte gerade ein Motorrad von einem Amerikaner zu kaufen.

„Perfekt“, meinte ich. „Wenn du das Motorrad kaufst, fahr ich mit dir mit!, scherzte ich.

Wobei es eigentlich kein Scherz war, sondern ich es insgeheim total ernst meinte. Noch am Abend willigte er ein mich mitzunehmen. Am nächsten Morgen kaufte er das Motorrad, eine Honda Win aus Vietnam, um 150$. Ich besorgte einen Motorradhelm.

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DAS MOTORRADABENTEUER BEGINNT

Von Vientiane fuhren wir gemütlich bis Paksan. Am Weg machten wir zahlreiche Pausen und ich lernte Motorradfahren. Das Pi Mai Festival war in Paksan noch in vollem Gange. Wir feierten mit der Familie des Hostels bis es dunkel war.

Von Paksan führte unserer Weg nach Nakham, wo wir Mittagspause machten, und weiter nach Konglor. Inzwischen waren wir am sogenannten Tha Khek Loop unterwegs. In Konglor steuerten wir die berühmte, 8 km lange Tham Ko Lo Höhle an, welche mit einem Boot besichtigt werden kann.

Während des gesamten Tages fuhren wir abwechselnd. Einfache, gerade Strecken lenkte ich. Schwierigere, kurvige Passagen fuhr Severin.

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PASS WEG, GELD WEG: DAS TRAVELLERHORRORSZENARIO

Da passierte es. In Konglor angekommen, stellte ich fest, dass mein Rucksack fehlte. Er war irgendwo zwischen Nakham und Konglor vom Motorrad gefallen. Mein kleiner Rucksack mit allen (!!!) wichtigen Utensilien wie Pass, Kredit- und Bankomatkarte, Handy, Speicherkarten, Kamera,…. und meinem gesamten Geld.

Ein halbes Jahr hatte ich diese Dinge quasi an meinem Körper angeklebt gehabt. Aufgrund der ausufernden Wasserschlachten von Pi Mai war ich jedoch die letzten Tage mehr um die Trockenheit als über das Abhandenkommen besorgt gewesen und hatte alles in tausend Plastiksäcke eingepackt in meinem Rucksack verstaut.

Ich war verzweifelt. Wir drehten sofort um und suchten den gesamten Weg ab. Leider erfolglos! Jemand hatte schon den Rucksack an sich genommen.

Die nächsten Tagen waren geprägt von Besuchen der Polizeistation, deren äußerst motivierten Mitarbeiter jedoch nicht mal mit der Wimper zuckten, wenn sie ihren Blick kurz vom Fernseher abwendeten, den sie relaxt in der Hängematte liegend anstarrten, Besuchen der TouristInneninformation, wo allerdings nur einmal jemand anzutreffen war und dem intensiven Suchen nach meinem Rucksack.

Mit einer Zeichnung des Geschehenen sowie einer Übersetzung meiner Geschichte in Lao blieben wir in jedem Dorf auf der gesamten Strecke von Nakham bis Konglor bei jedem Shop stehen und fragten nach meinem Rucksack. Wir stoppten auch bei jedem Haus, wo sich nur ein bisschen mehr Menschen befanden. Leider ohne Erfolg!

Ich tat mir schwer aufzugeben! Ich wollte nicht glauben, dass die Menschen nicht ehrlich waren!

Mit schwerem Herzen sperrte ich am Abend meine SIM und Bankkarten. Einen weiteren Tag bat ich Severin zu warten. Zudem fehlte noch die Anzeige bei der örtlichen Polizei.

Beim Frühstück in einem nahegelegenen Hostel erklärte sich der Sohn des Besitzers mit guten Englischkenntnissen bereit mit mir zur Polizei zu gehen und  zu dolmetschen. Ich bekam meinen Bericht. Einem Aufbruch am nächsten Tag zurück nach Vientiane stand nichts mehr im Wege. Severin hatte mich während des ganzen Desasters relaxt und geduldig unterstützt. Ohne ihn wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen!

Zudem erklärte er sich nicht nur dazu bereit mit mir nach Vientiane umzukehren, sondern borgte mir auch bereitwillig Geld. Tausend Dank!

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BÜROKRATISCHER HÜRDENLAUF

Mit einem Zwischenstopp erreichten wir am übernächsten Tag Vientiane. Wir fuhren sofort zum österreichischen Konsulat, dass mir laut Internet einen neuen Pass ausstellen sollte (tat es aber nicht). Das österreichische Konsulat schickte mich stattdessen zur deutschen Botschaft.
Da diese geschlossen war, suchten wir eine Unterkunft.IMG_20150530_212130

Der weitere Verlauf war kurz zusammengefasst folgender:

  1. Die deutsche Botschaft meinte nichts für mich tun zu können. Sie gab mir aber wenigstens einen weiteren Handlungsplan.
    Denn ich  müsse…
  2. zur Immigration Office gehen, um eine Verlustbestätigung für meinen Reisepass zu erhalten
  3. mit der Verlustanzeige zur einer Abteilung des Ministry of Foreign Affairs gehen, um mir bestätigen zu lassen, dass ich nicht illegal im Land war und mir eine Ausreiseerlaubnis geben zu lassen
  4. mit den Bescheinigungen von Punkt 2 und 3 zur Thailand Immigration Office gehen, um eine Einreiseerlaubnis zu erhalten bzw. ein Visa im Vorfeld zu lösen um die österreichische Botschaft in Bangkok aufsuchen zu können

Zusätzlich wollte ich noch zur Tourist Police gehen, um mir eine weitere offizielle Bestätigung für den Verlust meiner Wertgegenstände ausstellen zu lassen.

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Gesagt getan. Es waren mühsame Wege, da jeder für jeden Zettel mindestens einen Arbeitstag Zeit haben wollte und nur manchmal mit viel Überredungskunst seine Arbeit beschleunigte. Kam man zudem kurz vor Mittag, wurde man auf dem Nachmittag vertröstet. Zu Mittag wird nämlich nicht gearbeitet, da geht die gesamte Belegschaft gleichzeitig auf Mittagspause. Kam man in der Mitte des Nachmittags wurde einem erklärt, dass es schon recht spät war und die Arbeit an dem Tag auf keinem Fall erledigt werden konnte. Es war zum Verzweifeln!

Nachdem ich endlich alle meine nötigen Papiere zusammen hatte oder wusste, dass ich mein Visa für Thailand am nächsten Tag bekommen würde, buchte ich einen Transport nach Bangkok.

Am Freitag Nachmittag fuhr ich von Vientiane los, am Samstag um 6 Uhr früh erreichte ich Bangkok. Es war Wochenende. Ich machte eine Pause. Am Sonntag schlenderte ich durch Bangkok.

Am Montag Morgen fuhr ich zur österreichischen Botschaft und erhielt innerhalb von 2 Stunden meinen wunderschönen, weißen Notfallpass.

IMG_20150527_211824Mit diesem brach ich abschließend zum letzten Behördengang auf: zur Bangkok Immigration Division.

Diese musste mir noch den Einreisestempel in meinen neuen Pass übertragen, damit mir mit Sicherheit die Ausreise am Flughafen gewährt wird.

Ich wartete ewig. Hätte ich mich als Alien registriert, wäre ich sofort drangekommen…

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Erledigt von allen Ereignissen fuhr ich mit einem der letzten Züge zum Flughafen. Mein Direktflug von Bangkok nach Wien startete um 4 Uhr früh. Ich hatte diesen Flug schon vor zwei Monaten gebucht. Die Zeit bis dahin spazierte ich herum, aß und trank Kaffee. Wäre alles nur einen Tag später passiert oder wäre mein Rückflug nicht von Bangkok gewesen, ich hätte meinen Flug verpasst. Nach diesem langen Tag und der Tortur der letzten 10 Tage war ich heilfroh, als ich endlich im Flugzeug saß. Die Erleichterung trat sofort ein.

Meine Schwester und eine meiner Cousinen holten mich vom Flughafen ab. Die Freude meine Familie und FreundInnen bald zu sehen war schon riesengroß!

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WAS ICH ALLES AUF MEINER ASIENREISE ERLEBT HABE

Nun bin ich am Ende meiner Erzählung angekommen. Unglaublich viel durfte ich erleben:

Ich bin zurück und vermisse bereits die täglichen Abenteuer, alle lieben Menschen, die ich kennenlernen durfte, Chai, Sticky Rice, Dhal Baat, das Neue, das Ungewohnte, die Leichtigkeit, das Freiheitsgefühl und vor allem die Herausforderungen in der Ferne.

Aber ich bin sicher: Das war nicht mein letztes Reiseabenteuer. Das Nächste kommt bestimmt. Irgendwann.

Vielen Dank fürs Lesen, Mitfiebern und die vielen Rückmeldungen während und nach meiner Reise! In dem Sinn: Bis ganz bald!

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