Tipps für verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen

Früher habe ich über verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen wenig nachgedacht. Das Thema war mir auf eine unbestimmte Art und Weise fremd. Ich reiste wie ich eben reiste – ganz ohne mir Gedanken zu machen. Im Nachhinein betrachtet war jede Reise eine Lektion. Jede Reise hatte mich einen neuen Aspekt von verantwortungsvollem und nachhaltigem Reisen gelehrt:

sei es sich über seine Erwartungen im Klaren zu sein (Grönland), die Bedeutung von Sprache (Spanien, Peru), die Bekleidung (vor allem Bangladesch, Myanmar/Burma), die Armut und die Ausbeutung von Menschen (Bolivien, Nepal, Indien, Bangladesch), Sextourismus (Thailand, Laos), die Reisegeschwindigkeit (Südamerika), ökologische Auswirkungen von Tourismus auf die Natur (Nepal) und die guten und schlechten Auswirkungen von Tourismus allgemein (jedes meiner besuchten Länder).

Für mich war und ist verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen ein stetiger Lernprozess.

Denn erst die Unterschiede von den einzelnen Ländern, von anderen Reisenden und mir, furchtbare Reaktionen meinerseits, ein Haufen Fettnäpfchen, das viele Lesen von Büchern und Berichten über das Reisen sowie Gespräche und Rückmeldungen von Menschen ließen mich manches besser verstehen.

Worüber ich mir bald klar wurde, ist:

Jeder Mensch hinterlässt einen Fußabdruck.

Bei den Menschen. Bei der Kultur. Bei der Natur.DSCN9041

Darüber solltest du dir immer bewusst sein!

Wie dieser Fußabdruck aussieht, kannst nur du beeinflussen. Meine Tipps für verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen, um einen möglichst positiven Fußabdruck zu hinterlassen, habe ich nun zusammengefasst.

Die korrekten Fachbegriffe für diese Thematik sind „nachhaltig Reisen“ und „nachhaltiger Tourismus“. Ich bevorzuge eine Mischung aus „Verantwortung“ und „Nachhaltigkeit“. Denn bei Verantwortung kommt für mich der „Ich“-Bezug stärker zur Geltung, bei Nachhaltigkeit der Gedanke an die Umwelt.

 

12 Tipps für verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen


 

1. Tipp: Sammle Informationen über das Land (und was du beim Reisen als Frau alleine beachten solltest)

2. Tipp: Mache dir deine Erwartungen bewusst

3. Tipp: Lerne die wichtigsten Wörter in der Landessprache

4. Tipp: Kleide dich angemessen

5. Tipp: Handle respektvoll – Du bist Gast im Land

6. Tipp: Mache Fotos – aber bitte nicht unverschämt

7. Tipp: Sei geduldig und bleib immer freundlich

8. Tipp: Achte die Natur

9. Tipp: Wie du am besten mit Reichtum und Geld umgehst

10. Tipp: Volunteer-Tourismus – bitte gut überlegt

11. Tipp: Reise langsam – die Ökobilanz der Verkehrsmittel

12. Tipp: Lese, lese, lese – weiterführende Links

 


 

1. Tipp: Sammle Informationen über das Land (und was du beim Reisen als Frau allein beachten solltest)

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Bevor ein unbekanntes Land bereist wird, ist es sinnvoll, sich über das Land zu informieren. Dies ist nicht nur dazu, um sich über Sehenswürdigkeiten des Landes zu informieren, sondern auch dafür, um die nötigen Informationen für die Reisevorbereitung herauszufinden. Alles rund ums Thema Einreise, Visa und gesundheitliche Vorbereitung (z.B. erforderliche Impfungen) brauchen eine gewisse Vorlaufzeit.

Daneben sollten Informationen über die aktuelle politische Lage, die Bevölkerungsgruppen des Landes (mich interessiert dabei z.B. der Umgang mit Minderheiten sehr), die Sprache, die Religion und die Kultur, vor allem in Bezug auf Do & Don´ts eingeholt werden.

Wer etwas Basiswissen hat, kann Situationen besser einschätzen, sich auf Neues leichter einlassen und kulturelle Fauxpas vermeiden.

Als Frau interessiert mich natürlich die Stellung der Frau in der Gesellschaft besonders. Denn wer als Frau allein reist, kann daraus Hinweise für das eigene Handeln & Auftreten herauslesen.

Denn als Frau alleine Reisen ist anders.

Als Frau gibt es oft spezielle Verhaltens- oder Bekleidungsvorschriften zu beachten. Diese müssen nicht (immer) zwanghaft eingehalten werden, können einem aber erheblich das Leben erleichtern. Manchmal ist dieses Wissen auch nötig, um den Respekt vor der Kultur zu wahren.

Zum Beispiel dürfen in Myanmar/Burma bestimmte religiöse Plätze und Räume nur von Männern betreten werden. Oder es darf einem Mönch von einer Frau nichts direkt gereicht werden (es kommt der Umweg über die Bettelschale hinzu). Auch die Berührung eines Mönchs ist einer Frau nicht erlaubt. Was leicht auf der Straße eingehalten werden kann, führt in vollgestopften, lokalen Verkehrsmitteln zu eigenartigen Situationen (denn dann kann unter Umständen eine gewisse Sitzordnung gefordert sein).

Es gibt auch ungeschriebene „Gesetze“, mit denen man nur als Frau konfrontiert ist. Dabei kann es durchaus erforderlich sein zwischen den Zeilen zu lesen.

Zum Beispiel empfand ich es für meine engagierten Guides in Bangladesch als extrem unangenehm, wenn ICH den Bus oder das Essen für beide/alle bezahlte. Denn es ist nicht üblich, dass Frauen dies in Begleitung einer männlichen Person tun. Als Mann ist es kein Problem – egal welcher Nationalität. Um meinen Guides diese unangenehme Situation zu ersparen, gab ich ihnen beispielsweise das Geld heimlich im Vorfeld und ließ sie bezahlen.

Es macht auch einen erheblichen Unterschied, ob man als Frau allein oder mit einem Mann unterwegs ist. Allein wird man offen empfangen, neugierig beäugt, mit tausend Fragen konfrontiert, wird viel mehr beobachtet im Guten (in Form von beschützt) sowie im Schlechten (als leichtes Opfer betrachtet) und man bekommt – meiner Meinung nach – viel mehr Aufmerksamkeit.

Ist beispielsweise ein Mann dabei, ändert sich die Situation. In 90% der Situationen wird die Aufmerksamkeit auf den Mann gerichtet. Es werden einem kaum mehr Fragen gestellt.

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2. Tipp: Mache dir deine Erwartungen bewusst

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Sich die eigenen Erwartungen im Vorfeld und auch während der Reise immer wieder bewusst zu machen, ist äußerst vernünftig.

Es geht darum, adäquate Erwartungen an die Reise/den Trip/den Urlaub zu haben. Wer die wichtigsten Informationen (1. Tipp) herausgefunden hat, sollte sich ungefähr im Klaren sein, welche Umgebungsbedingungen einem im Zielland erwarten. Wer beispielsweise in ein Entwicklungsland fährt, kann nicht eine beständige Energieversorgung, Wifi und immer warmes Wasser zum Duschen erwarten. Oder ein nach europäischen Standards sauberes Zimmer – natürlich frei von Insekten und Kleintieren, eine westliche Toilette, Essen wie Daheim oder eine ausgebaute, rumpelfreie Autobahn durch das ganze Land.

Wenn man sich bewusst ist, in welche Umgebung und in welche Situationen man sich begibt, ist es einfacher mit den Vorort gegebenen, vielleicht ungewohnten Bedingungen zurechtzukommen. Abweichungen von den Erwartungen können müheloser hingenommen werden.

Mein persönliches Paradebeispiel für diese Situation ist die der langersehnten, warmen Dusche nach einem mehrtägigen/-wöchigen Trekkingausflug. Wenn ich in die „Zivilisation“ zurückkomme und es dann wider aller Erwartungen diese Dusche aufgrund von Stromausfall/Wassermangel etc. nicht gibt, war ich zuerst schwer enttäuscht und ließ mich zu unangebrachten Reaktionen hinreissen. Inzwischen bin ich zwar trotzdem enttäuscht, aber meine Reaktion ist eine andere.

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3. Tipp: Lerne die wichtigsten Wörter in der Landessprache

Schon wenige Kenntnisse in der Landessprache machen einen gewaltigen Unterschied. Sich mit der Sprache eines Landes zu beschäftigen, zeigt Interesse an den Menschen und auch an der Kultur. Die Reaktionen der Menschen verändern sich schlagartig. Beim Handeln kann dies erhebliche Vorteile mit sich bringen.

Doch auch bei der Sprache muss differenziert werden. Es gibt tausende Dialekte und Sprachen, die von Minderheiten gesprochen werden, die nicht die offizielle Landessprache sind.

In Peru beispielsweise ist die offizielle Landessprache Spanisch. Wer kein oder nur sehr wenig Spanisch spricht, ist auf alle Fälle im Nachteil die Kommunikation betreffend. Je nachdem, wo man sich befindet, ist die Sprache der Bevölkerung in Peru aber gar nicht Spanisch, sondern Quechua. Spanisch ermöglicht die basale Kommunikation, aber ein paar Worte in Quechua machen den kleinen Unterschied.

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4. Tipp: Kleide dich angemessen

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Der erste Eindruck zählt. Anhand deiner Kleidung kann schnell beurteilt werden, ob du dich mit den üblichen Bekleidungssitten eines Landes auseinandergesetzt hast. Ich war bisher in keinem Land außerhalb von Europa, wo es gern gesehen und üblich war, in Hotpants oder kurzen Shorts herumzulaufen. Auch Spaghettiträgerleibchen, ein großer Ausschnitt und Ringershirts sind weniger gern gesehen. Für mich hat es mit einem Zeichen von Respekt zu tun, sich gängigen Bekleidungsstilen anzupassen. Das heißt keinesfalls, dass die Landeskleidung 1 zu 1 kopiert werden soll, denn auch diese Vorgangsweise kann unangebracht sein. Es heißt, ein Mittelmaß zu finden zwischen respektvoller Bekleidung und eigener Kultur. Einzige Ausnahme dabei sind Länder (z.B. im Iran), in denen es gesetzlich vorgeschriebene Bekleidungsvorschriften (für Frauen) gibt.

In den meisten Ländern reicht es drei Bekleidungsrichtlinien zu beachten:

  • die Schultern bedeckt halten
  • Hosen bis über die Knie, am besten lang
  • weite Bekleidung einer Taillierung bevorzugen

Wer diese drei Richtlinien beherzigt, wird üblicherweise in keiner Form anstössig wirken. Länderspezifische Unterschiede gibt es natürlich und sollten zusätzlich beachtet werden. Beispielsweise erzählte mir eine andere Reisende, dass in einem Gebiet von China oder Japan (ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern) es nicht ausreichend war die Schultern zu bedecken, sondern dass auch die Ärmel eine bestimmte Länge haben mussten.

In Bangladesch, wo es eher wenig Reisende gibt, würde ich jeder Frau raten die Brustregion mit einem Schal bedeckt zu halten und mit einem langen Oberteil, das über das Gesäß reicht, zu reisen. Schon allein aus dem Grund, weil einem schon durch die Herkunft und helle Hautfarbe übermässige Aufmerksamkeit zukommt.

Religiöse Stätten nehmen bei der Bekleidung weltweit einen besonderen Stellenwert ein.

Unabhängig davon, ob es sich um einen Besuch von christlichen Kirchen, bhuddistischen Tempelanlagen, muslimischen Moscheen oder jüdischen Synagogen handelt, überall wird um die Beachtung (meist von den oben beschriebenen) Bekleidungsvorschriften gebeten. Nur Feinheiten wie beispielsweise das Ablegen der Schuhe oder das Bedecken des Kopfes bei Mann oder Frau machen einen weiteren Unterschied.

Je wichtiger die Religion in einem Land ist, desto mehr sollte der Aspekt angemessener Bekleidung beachtet werden.

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5. Tipp: Handle respektvoll – Du bist Gast im Land

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Wer ein anderes Land bereist und auch kennenlernen möchte, sollte zwei Dinge unbedingt mitbringen: nämlich Offenheit und die Fähigkeit Menschen, Religionen und Traditionen wertefrei gegenüberzutreten. Darunter verstehe ich eine gewisse Art von Neugier, ehrlichem Interesse und unvoreingenommenen Auftreten.

Es bedeutet nicht, dass Menschrechtsverletzungen, eine benachteiligende Stellung der Frau in der Gesellschaft oder gewisse Traditionen gut geheißen oder einfach akzeptiert werden soll. Doch wer mit Kritik und Missachtung von bestehenden Wertenormen versucht Menschen und ihre Kultur kennenzulernen, wird nicht viel in Erfahrung bringen. Denn es ist zuerst ein Aufeinanderzugehen und gegenseitigem Akzeptieren. Wer Glück hat, darf dann Fragen stellen. Oder bekommt sie vielleicht im Gegenzug gestellt, weil die Menschen selbst Herausfinden wollen, warum das bei „uns“ anders ist.

Das Wissen von kulturellen Verhaltensweisen ist ein weiterer Eckpfeiler, um sich als Gast im Land respektvoll zu verhalten. Zum Beispiel ist es in allen asiatischen Ländern verpönnt, die Fußsohlen in die Richtung einer Person zeigen zu lassen, der Kopf einer Person sollte nicht berührt werden, statt sich die Hände zur Begrüßung zu geben, reicht eine gesprochene Begrüßung, das Wort Danke wird meist spärlicher eingesetzt und die Benutzung der linken Hand sollte beim Essen, beim Überreichen oder Annehmen von Dingen weggelassen werden (denn die linke Hand dient zur Reinigung nach dem Toilettengang).

Auch Gesten haben in vielen Ländern unterschiedliche Bedeutungen. Eine falsch eingesetzte Geste kann Menschen ohne es zu wissen verärgern. Oder das eigene Verständnis ist eingeschränkt, weil man die Geste nicht versteht.

  • Beispielsweise ist es weit verbreitet, dass Kopfnicken als ein bestätigendes Ja verstanden wird. In den meisten asiatischen Länder hingegen wird für ein Ja der Kopf leicht hin- und hergewiegt.
  • Es ist unangebracht in Asien mit dem Zeigefinger auf eine Person zu zeigen, stattdessen wird die ganze Hand in die Richtung der Person geschwenkt.
  • Wer eine Person herbeiwinken möchte und dabei mit der Handfläche nach oben die Finger Richtung der Handfläche bewegt, wird in eingen Ländern das Gegenteil erreichen. Denn dort ist es möglicherweise üblich die Handfläche dabei nach unten schauen zu lassen

Mit Sorgfalt sollten auch politische oder kulturelle Fragen gestellt werden. Die eigene Meinung sollte nur mit Zurückhaltung geäußert werden.

Doch wer sich respektvoll und freundlich verhält, zudem Zeit hat und ein bisschen Glück, wird vielleicht mit den besten Erlebnissen der Reisen belohnt: Erlebnissen in Form von der Erfahrung wahrer Gastfreundschaft. Gegenseitige Erwartungen sollten dabei im Vorfeld abgeschätzt und bedacht werden.

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6. Tipp: Mache Fotos – aber bitte nicht unverschämt

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Ein besondere Thematik des respektvollen Handelns ist die des Fotografierens. Wer Menschen fotografieren will, sollte um Erlaubnis bitten. Denn es ist extrem unangenehm ohne Einverständnis abgelichtet zu werden – egal ob von der Ferne oder in Nahaufnahme.

Seit Handys mit Kamera in den meisten Ländern erhältlich sind, kommt es immer mehr zu einem ausgeglichenen Verhältnis. Vor allem in Indien kommt man inzwischen sehr häufig in den Genuß Teil eines Schnappschußes mit oder ohne Einwilligung zu werden.

Wer nicht fotografiert werden will, zeigt dies, wenn auch nicht durch Worte durch Körpersprache. Auch die wortlose Mitteilung sollte unbedingt respektiert werden.

Wissenswert ist des Weiteren, dass das Fotografieren bestimmter religiöser Stätten oder auch Zeremonien (z.B. Bestattungen in Indien) verboten oder verpönt ist. Wer sich unsicher ist, sollte im Zweifelsfall fragen.

Der Vorteil mit älterer Kamera zu reisen

Da ich bisher mit sehr günstiger und älterer Kamera reiste, gab ich in passenden Situationen Kindern meine Kamera, um Fotos zu machen. Neben Fotos vom Himmel, Hühnern, Bäumen bekam ich dadurch auch Fotos von Menschen, die ich mich nicht fotografieren getraut hätte. Die Kinder fotografierten sich selbst, ihre Onkeln und Tanten, Eltern und Großeltern, mich allein und mich mit ihnen. Jedes Mal ergab sich dadurch auch eine lustige Situation mit angenehmer Atmosphäre.

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7. Tipp: Sei geduldig und bleib immer freundlich

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Die, meiner Meinung nach, größte und schwierigste Tugend des Reisens ist die der Geduld.

In nicht allen Länder der Welt haben Menschen das gleiche Zeitgefühl wie in Mitteleuropa, wo Punktlichkeit und Schnelligkeit einen großen Stellenwert einnimmt. Bei Lokalbussen in Peru oder Bolivien kann es schon mal zwei Stunden dauern bis der Bus nach geplanter Abfahtsfahrtszeit endlich abfährt.

Doch auch das Erfragen von Informationen, die Suche nach passenden Verkehrsmitteln oder Handeln wird mit einem ehrlichen Lächeln, Geduld und Freundlichkeit erfolgsversprechender. Wer hektisch ist und keine Qualität und Preise vergleicht egal ob bei Waren oder Dienstleistungen wird sich in den meisten Fällen später ärgern. Zähigkeit zahlt sich oft aus. Dabei Ruhe zu bewahren, ist an manchen Tagen natürlich einfacher als an anderen.

Eine Reiseanektode dazu erlebte ich an der indischen/nepalesichen Grenzstation in Sunauli. Meine Wegbekanntschaften waren alle in den Bus nach Kathmandu gestiegen. Ich blieb um halb sechs Uhr morgens allein an der Grenzstation zurück. Ich wollte nach Lumbini. Dafür musste ich in den nächsten Ort, um von dort den Bus nehmen zu können. Niemand wollte mir Auskunft geben. Stattdessen war ich durchgehend umringt von einer Traube von Rikscha und Taxifahrern, die mir versicherten, dass es jetzt keinen Bus gab. Ich wartete einfach und ließ sie reden. Als dann doch ein Bus losfuhr, erbarmte sich der Busfahrer und holte mich. Das Schlimme daran: ich war die ganze Zeit neben dem richtigen Bus gestanden. Aber niemand hatte es mir gesagt. Meine Geduld und Zähigkeit hatten sich schlußendlich jedoch gelohnt.

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8. Tipp: Achte die Natur

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Das sollte zwar eine Selbstverständlichkeit – egal in welchem Land – sein. Doch es geht nicht zur darum seinen Müll mitzunehmen und vor allem keinen zu machen. Es geht auch darum in wasserarmen Gegenden sparsam mit Wasser (beim Duschen) umzugehen oder darauf zu achten wie es erwärmt wird (Holz/Gas/Strom?). Oft ist es angebracht am Nachmittag eine Dusche zu nehmen, wenn das Wasser mit Solarenergie aufgewärmt wird statt am Abend.

Es geht darum bei Wanderungen auf den Wegen zu bleiben, um keine Vegetation zu zerstören.

Oder sich Gedanken zur Müllentsorgung im jeweiligen Land zu machen. Denn es gibt nicht überall so eine großartige Versorgung des Mülls wie in Europa. Wer in manchen Ländern fragt, wo und wie Batterien entsorgt werden, wird des Öfteren mit einem Stirnrunzeln konfrontiert sein.

„Gibt es nicht“, kann unter Umständen eine Antwort sein. Deshalb sollten wenn möglich nur aufladbare Batterien bzw. Akkus verwendet werden.

Ausführlicher habe ich dieses Thema in meinen „Tipps zu umweltbewusstem Wandern und Trekken“ beschrieben.

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9. Tipp: wie du am besten mit Reichtum und Geld umgehst

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Die Thematik eines guten Umgangs mit Geld hat mehrere Facetten: seinen Reichtum nicht zur Schau stellen, angemessene Preise bezahlen, angemessenes Trinkgeld und „Spenden“ geben, Geld an verschiedenen Orten ausgeben und möglichst viel der lokalen Bevölkerung zukommen lassen. Um zu verstehen was ich damit meine, bitte weiterlesen.

Mit zwei Holländer, mit denen ich in Bolivien unterwegs war, hatte ich ein ziemlich gemeines Spiel. Wir machten am Weg TouristInnen ausfindig und amüsierten uns gemeinsam darüber „wie sie ihr Geld aus den Hosen hängen ließen“. So nannten wir es, wenn beispielsweise eine fette Brieftasche in der Gesäßtasche der Hose zu sehen war oder diese eine Kameratasche mit mindestens 5 Objektiven mit sich herumtrugen. Es waren Menschen, denen es gewollt oder ungewollt, klar anzusehen war, wo die „Kohle“ daheim ist. Wir hatten die Überzeugung, dass die „das Geld aus den Hosen hängenden TouristInnen“ viel wahrscheinlicher ausgeraubt werden würden als wir.

Gut, natürlich kann es auch ganz anders verlaufen… Ausnahmen bestätigen die Regel.

Doch um keine falschen Erwartungen zu wecken und seine eigene Sicherheit zu erhöhen, sollte der „eigene Reichtum“ möglichst wenig zur Schau gestellt werden.

Das ist auch ein Grund warum ich bis heute Reisebücher oder Straßenkarten in Papierform diversen elektronische Hilfsmitteln vorziehe. In einem armen Land empfinde ich es als extrem unangenehm mit einem modernen Smartphone, das einen durch GPS durch die Staßen lotst, herumzulaufen. Oder im Lokalbus eingequetscht zwischen Menschen, Waren und Hühnern am Laptop oder Tablet zu lesen.

In einigen Länder reicht es prinzipiell schon aus dem Westen zu kommen. Der Westen wird gleichgesetzt mit Reichtum. Egal, ob diese Person im jeweiligen Land reich ist oder nicht.

Doch um genau dieses Vorurteil nicht weiter zu strapazieren, ist auch ein angemessener Umgang mit Geld erforderlich. Es bedeutet möglichst schnell die Lokalpreise herauszufinden, um entweder diesen oder auf ein Preisniveau um 10% oder 20% mehr zu verhandeln. Denn ohne Verhandeln kann es einem ansonsten passieren den drei bis fünfachen Preis zu bezahlen. Wer diesen Preis ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt und das tun tatsächlich ein paar Menschen (vor allem jene, die sich denken, dass es ja viel günstiger als zu Hause ist) weckt klarerweise falsche Erwartungen.

Es ist aber auch wichtig, über die Preise Bescheid zu wissen in der gegenteiligen Situation. Denn manchmal kommt es auch vor, dass einem von Anfang an der Lokalpreis angeboten wird. Wer in dieser Situation dann Verhandeln will, verärgert die Menschen.

Wenn es im Land üblich ist, Trinkgeld zu geben, dann sollte man dies auch tun. Manchmal sind die Angestellten auf das Trinkgeld angewiesen!

Doch wer bei einer Rechnung von 5€ nicht 50 Cent, sondern 5€ Trinkgeld gibt, weckt falsche Erwartungen. Denn 5€ kann in manchen Ländern einem Lohn für mehrere Tage entsprechen. Das ein derartiges Herumschleudern mit Geld eine falsche Schlußfolgerung nach sich zieht, ist nicht verwunderlich.

Wo sein Geld ausgegeben wird, sollte ebenso gut überlegt sein. Wer in Hotelketten oder All-inclusive Anlagen wohnt, unterstützt mit seinem Geld größtenteils ausländische Konzeren. Von den Ausgaben profitiert die lokale Bevölkerung nicht. Deshalb ist es besser in kleinen familienbetriebenen Pensionen oder Hostels sein Geld für die Unterkunft zu lassen und in kleinen Restaurants oder Imbissen zu essen. Souvenirs sollten wenn möglich an verschiedenen Orten und in verschiedenen Geschäften gekauft werden. Verteile deine Ausgaben, so dass viele Menschen davon profitieren!

Ein weiterer wichtiger Punkt der Thematik des richtigen Umgangs mit Geld ist die der Geld- oder mitgebrachten Sachspenden. An bettelnde Kinder Geld zu geben ist ein absolutes No-Go. Ich persönlich würde auch davon abraten Süßigkeiten, Kugelschreiber oder Bleistifte zu verteilen. Denn statt die Schule zu besuchen, werden diese stattdessen lieber dem lukrativen Geschäft des Bettelns nachgehen. Meiner Meinung nach hat jede direkte Spende an Kinder – egal welcher Art – diesen negativen Effekt. An sehr touristischen Orten ist dies am deutlichsten zu sehen.

Bettelende Frauen mit Babys oder kleinen Kindern sind ein weit verbreitetes Phänomen in touristischen Zonen. Diese fragen meist zuerst nach Milch und anschließend nach Geld. Es scheint die effektivere Strategie zu sein. Wer Produkte für diese kauft, sollte bedenken, dass diese die gekauften Produkte danach üblicherweise in Geld zurücktauschen. Es wird daher empfohlen die Verpackung vor der Übergabe zu öffnen. Wer dies tut, wird deutlich anhand ihrer Reaktion ablesen können, ob diese die Waren tatsächlich benötigen. Probier es mal aus!

Wer sich nicht davon abbringen lassen will, Sachspenden mitzubringen, sollte diese an möglichst untouristischen Orten verteilen. Überlege deshalb im Vorfeld, ob du überhaupt an wenig besuchte Orte kommst. Am besten ist es natürlich Geld- oder Sachspenden direkt Hilfsorganisationen oder Schulen zukommen lassen.

In Ratgebern wird zudem empfohlen, Sachspenden wie Schulmaterialien besser vor Ort zu kaufen statt mitzubringen. Dinge aus anderen Ländern werden durch ihre Besonderheit manchmal gar nicht benutzt.

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10.Tipp: Volunteer-Tourismus – bitte gut überlegt

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Ich bin mal ein paar Tage die Welt retten, weil lang hab ich keine Zeit. – Klar, es ist eine gute Sache sich freiwillig engagieren zu wollen. Doch der Grat zwischen gut und gut gemeint ist schmal.

Eine Unterscheidung, die sich in den letzten Jahr etabliert hat ist die Unterscheidung zwischen Volunteering und Voluntourismus. Volunteering findet meist in einem Zeitraum von 6 bis 12 Monaten statt. Der Fokus liegt dabei auf der Unterstützung eines bestimmten Hilfsprojekts für die Dauer eines bestimmten Zeitraums. Voluntourismus-Programme verbinden soziales Engagement in einem Hilfsprojekt mit inkludierten Ausflugsangeboten. Der Zeitraum ist meist kürzer und sie können im All-Inklusiv-Paket wie eine Pauschalreise gebucht werden.

Doch auch als IndividualtouristIn ist die kurzfristige Mithilfe in Projekten vor Ort möglich und oft leicht organisierbar. In Asien habe ich viele Menschen getroffen, die in Waisenhäusern oder Altersheimen – alles in Eigenregie organisiert – mitgearbeitet haben. Im Mother House in Kolkata in Indien ist eine Mitarbeit sogar nur einen einzigen Tag möglich. Voraussetzung dafür ist eine Registrierung am Vortag direkt im Mother House.

Doch im ganzen Enthusiasmus sollte die Entscheidung wo und wie man sich sozial engagiert immer gut überlegt sein. Die Auswahl einer geeigneten Tätigkeit, ein angemessener Hilfszeitraum und ein kritisches Hinterfragen der Organsiation sollten bei den Überlegungen zur Freiwilligenarbeit immer miteinbezogen werden.

Denn Nachfrage erzeugt Angebote.

Und zwar in mehrere Richtungen: neben der Kommerzialisierung von Volunteering durch ReiseanbieterInnen und der Entstehung einer eigenen Volunteer-Reiseliteratur entstanden in einigen Ländern parallel Angebote, um der Masse an Freiwilligen überhaupt einen Ort zum engagieren zu geben.

Orphan tourism – Waisentourismus ist das Negativschlagwort und Paradebeispiel dazu. Waisenhäuser, in denen Kinder leben, die sehr wohl Angehörige haben und künstlich erzeugt sind.

Waisenhäuser sind keine TouristInnenattraktion und nicht der richtige Ort für eine schnelle Aushilfe. Nicht ohne Grund werden von seriösen AnbieterInnen keine Freiwilligeneinsätze mehr in Waisenhäusern angeboten. Wer mit Kindern arbeiten will, sollte sich Zeit nehmen und nicht „vorbeireisen“.

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11. Tipp: Reise langsam – die Ökobilanz der Verkehrsmittel

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Der Anteil von Tourismus an den weltweiten Treibhausgasemmisionen liegt bei circa 5%. Rund drei Viertel davon wird durch die Verkehrsmittel bei der An- und Abreise verursacht. Damit trägt Tourismus erheblich zur globalen Erderwärmung bei. (vgl. WWF). Hauptklimakiller ist das Flugzeug. In absteigender Reihenfolge folgt das Auto, der Bus und die Bahn.

Der beste Klimabeitrag wäre es, gänzlich auf Fliegen zu verzichten.

Ehrlich gesagt – für mich eine unvorstellbare Vorstellung. Viel zu sehr zieht es mich in die weite Welt.

Was also tun?

  • möglichst wenig fliegen und möglichst lange bleiben
  • Kurzstreckenflüge vermeiden und stattdessen den Bus oder die Bahn nehmen
  • sich mit Klimaschutzbeiträgen zur Kompensation von Treibhausgasen beteiligen (z.B. bei atmosfair)

Außerdem:

  • möglichst viele regionale Produkte kaufen und essen

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12. Tipp: Lese, lese, lese – weiterführende Links

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  • Wer über mehrere Themen, die ich angesprochen habe, noch detailliertere Informationen erhalten will, dem empfehle ich auf der Homepage der Naturfreunde Internationale in der Kategorie „Nachhaltiger Tourismus“ nachzulesen. Dort werden die unterschiedlichsten Aspekte aufgegriffen: vom barrierefreien Reisen, Frauen im Tourismus, „grüne“ Outdoorkleidung, eine Erklärung der Gütesiegel Kennzeichnung im nachhaltigen Tourismus Sektor und vieles, vieles mehr. Besonders lesenswert finde ich die Broschüre „Reisen mit Respect„, die kostenlos im Downloadbereich zur Verfügung gestellt wird.
  • Super Tipps und Hinweise zu Umweltthemen, vor allem in Bezug auf Wandern und Trekken gibt es beim Kathmandu Environmental Projekt Education Project.
  • Unterhaltsam und interessant hat Tourism Transparency Verhaltenshinweise für TouristInnen für den Besuch von Myanmar/Burma aufgearbeitet. In Comicform sind die Dos & Donts for Tourists erklärt. Die Hinweise sind mit wenigen Ausnahmen weltweit einsetzbar!

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Hast du noch Tipps für verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen?

Oder vielleicht ein besonderes Erlebnis zu dem Thema, das du gern erzählen würdest?

Ich freu mich über alle Geschichten, Tipps und Rückmeldungen in den Kommentaren!

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