Happy and still alive – mein Istanbul Reisebericht

Es ist zum ersten Mal, dass ich nicht sagen kann, mein Besuch wäre zu kurz gewesen. Mein Istanbul Besuch war genau richtig. Aber nur deshalb, weil ich zufällig am Vortag eines Selbstmordattentats am Sultanahmet-Platz im touristischten Viertel von Istanbul nach Hause gereist bin. Das Attentat passierte auf einem Platz, den ich täglich mehrmals passierte. Meine Unterkunft war nur 5 Minuten Fußweg davon entfernt. Die Geschehnisse sind tragisch. Mein Beileid ist bei den Hinterbliebenen.

Mit so einer Negativmeldung wollte ich meinen Istanbul Reisebericht gar nicht beginnen. Doch die Umstände ließen mir keine Wahl. Meinen Reisebericht wollte ich so starten lassen:

Kennst du das?

Du hast etwas über ein Land/eine Region oder eine Stadt gelesen und gesehen und dir vorgenommen genau dort auch einmal zu sein? Mit Istanbul passierte mir das vor circa 15 (!!!) Jahren durch den super mega kitschigen Film „Im Juli“ von Fatih Akin. Es ist ein verquerer Liebesfilm über eine abenteuerliche Reise zur Bosporus Brücke in Instanbul. Eine der letzten Szenen spielt auf einen Platz bei der Bosporus Brücke. Und genau dort bei der Bosporus Brücke, die zwei Kontinente miteinander verbindet, wollte ich auch einmal stehen. Die Bosporus Brücke in Istanbul war damals zu einem Sehnsuchtsort für mich geworden. Zu Fuß kann sie angeblich nur am Tag des Istanbul Eurasia Marathons gequert werden, welcher weltweit der einzige Langstreckenlauf ist, dessen Strecke über zwei Kontinente verläuft.

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Bosporus Brücke vom Schiff

Ich fand einen günstigen Flug passend zu meinem nächsten freien Zeitfenster Anfang Jänner. Eine Woche hatte ich für meinen Istanbul Besuch Zeit. Das „tiefste“ Nebensaison war, störte mich nicht. Als Person, die mehr kälte- als hitzebeständig ist und großer Fan von Zeiträumen, die eine weniger starke Frequentierung von anderen TouristInnen versprechen, fiel meine Entscheidung nach Istanbul zu Reisen unerwartet schnell.

Vielleicht auch, weil ich mir für das neue Jahr vorgenommen hatte, meine „Before I die, I want to do…“-Liste weiter abzuarbeiten. Viel zu lange hatte ich manche Vorhaben schon vor mich hergeschoben. Im Fall von Istanbul war nun mehr als ein Jahrzehnt vergangen.

Die Anreise von Wien nach Istanbul erfolgte problemlos. Mein Flug ging Mittags, sodass ich sogar Ausschlafen, Frühstücken und fertig Aufräumen konnte. Denn ich habe den Tick, die Wohnung in ordentlichen Zustand zurücklassen zu wollen. Nicht deshalb, damit es potentielle EinbrecherInnen schön haben, sondern damit ich in kein Chaos nach einem Urlaub zurückkomme.

Die zwei Stunden Flug verbrachte ich mit Lesen und Film schauen. In Istanbul angekommen, ging es mit den Öffentlichen zum Hostel. Die Wegbeschreibung, die ich vom Hostel bekommen hatte, war einwandfrei. Ich hatte mir über eine Buchungsplattform ein Bett im 10-Bett Schlafsaal im Stadtviertel Sultanahmet, eben gleich in der Nähe der Blauen Mosche und Hagia Sophia, reserviert (Agora Guesthouse & Hostel – sehr empfehlenswert, scheinbar günstiger bei Buchung über Buchungsplattformen als direkt; Cankurtaran Mah. Amiral, Tafdil Sok. No. 6, 34122 Sultanahmet, Faith, Istanbul).

Am Weg zum Hostel, erschienen mir die Menschen äußerst freundlich und hilfsbereit. Ich war im Go with the Flow, blieb stehen und unterhielt mich. Ich beging den Fehler einer frischangekommenen Person. Denn die geübten VerkäuferInnen hatten mich schon aus der Ferne als Neuankömmling und leichtes Opfer identifiziert. Das es nicht nur Höflichkeit, sondern eine „Masche“ war, um mit den vorbeikommenden Menschen ins Gespräch zu kommen und sie in ihr Lokal zu lotsen (oder etwas zu verkaufen) wurde mir erst beim zweiten Mal vorübergehen bewusst. Leider. Denn der 5 Minuten Weg von der Blauen Moschee bis zum Hostel wurden für mich die nächsten Tage zum Spießrutenlauf. Die Menschen erkannten mich wieder. Schließlich gab es zu dieser Zeit nicht viele TouristInnen. Einen Mann, der besonders hartnäckig versuchte mit mir etwas trinken zu gehen, musste ich so schroff abweisen, dass ich die nächsten Tage zur Spezialistin im Finden neuer, ruhigerer Wege wurde. Umwege nahm ich dafür gern in Kauf. Menschen aus Abwehr ignorieren zu müssen, mag ich schlichtweg nicht.

Nachdem ich in mein Hostel eingecheckt hatte, machte ich einen Rundgang in der Umgebung. Zum Abendessen ging ich in ein empfohlenes Köfte (Fleischbällchen) Restaurant.

Am darauffolgenden Tag besuchte ich die Sultan-Ahmed Moschee, besser bekannt als die Blaue Moschee. Sie trägt ihren Namen nicht, weil sie etwa blau bemalt ist, sondern wegen ihrer Menge an blau-weißen Fliesen im Innenraum. Sie ist die Hauptmoschee von Istanbul. Das Ablegen der Schuhe und das Tragen eines Kopftuches als Frau ist Pflicht. Wer kein eigenes Tuch mit hat, kann sich eines beim Besuchereingang ausborgen. Entgegen den Erzählungen anderer Reisender, dass ihre Versuche die blaue Moschee zu besuchen, aufgrund der Gebetszeit mehrfach missglückt waren, klappte es bei mir beim ersten Versuch.

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Blaue Moschee von innen
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Hagia Sofia am Abend

Nach einem kurzen Rundgang ging es weiter zur Hagia Sophia, dem Wahrzeichen von Istanbul. Innerhalb von 3 Minuten hatte ich meine Eintrittskarte (ich liebe die Nebensaison) und drin war ich.

Im Sommer müssen die interessierten BesucherInnen angeblich sehr, sehr lange anstehen. Die ursprünglich byzantinische Kirche wurde zwischenzeitlich zur Moschee und ist nun ein Museum. Die Wandlungen, denen die Hagia Sophia in ihren Jahren unterlegen ist, sind sichtbar und beeindruckend. Die Mosaike von Jesus und Maria und die hölzernen Rundschilder in arabischer Kalligraphie sind nur ein Bespiel dafür.

Der Hunger plagte mich schon als ich am späten Nachmittag die Hagia Sophia verließ. Ich versuchte dem TouristInnenviertel zu entkommen, um ein günstiges Lokal zu finden. In Kellergeschoß eines Hauses in einer wenig frequentierten Seitenstraße fand ich ein großartiges türkisches Lokal. Da kein Englisch gesprochen wurde, erfolgte die Kommunikation über Zeigen, Deuten und Schreiben. Es war sehr lecker und für insgesamt 3 Gänge bezahlte ich so viel wie ich für einen einzigen Gang in einem TouristInnenlokal bezahlt hätte. Ich war zufrieden. Am Rückweg zum Hostel besuchte ich noch die Basilica Cistern. Sie ist ein spätantiker Wasserspeicher.

 

Es war mein Geburtstag. Ich wurde erschreckende 32 Jahre alt. Ich schlief aus und besuchte zunächst den Topkapı Palast inklusive des Harems. Er war früher Regierungsitz und Wohnort der osmanischen Sultane. Danach schlenderte ich durch die Straßen zum Grand Bazar. Die Straßen rund um den Grand Bazar sind belebter als der Bazar. Im Grand Bazar selbst, spazierte ich nicht herum, sondern irrte herum. Ich verlor meine Orientierung und musste mehrmals nachfragen in welche Richtung der Ausgang lag, den ich nehmen wollte. Viele HändlerInnen sprachen Deutsch. Darüber war ich sehr verwundert. Als ich es endlich geschafft hatte den Grand Bazar zu verlassen, belohnte ich mich mit türkischem Kaffee.

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Am Gewürzmarkt

Ein Besuch beim Gewürz Markt folgte. Über die Galata Brücke lief ich bis zum Galata Turm. Am Rückweg durch viele kleine Seitenstraßen und vorbei an allen Abfahrtsstationen der Fähren (die wollte ich in den nächsten Tagen nutzen und schon informiert sein), beendete ich meinen Sightseeingtag.

Am nächsten Tag war es dann endlich soweit: ich sollte endlich die Bosporus Brücke aus der Nähe bestaunen. Meine Vorfreude machte sich schon am Vormittag bemerkbar. Mit der Straßenbahn (T1) fuhr ich bis zur Endstation Kabataş. Von dort ging ich zu Fuß, vorbei am Dolmabahçe Palast (19. Jhdt. Residenz des Sultans, dann Regierungssitz, vorübergehender Wohn- und Sterbeort von Mustafa Kemal Atatürk) und zahlreichen Museen bis zur Bosporus Brücke. Kaum angekommen begann es zu regnen. Kurz trotze ich dem schlechtem Wetter und feierte innerlich mein Erfolgserlebnis: ich hatte mein erstes „Hackerl“ im neuen Jahr auf meiner Do-To-Liste gesetzt. Am Liebsten hätte ich im Regen getanzt. Aber ich traute mich nicht.

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Yeah. I did it. Gleich bei der Bosporus Brücke.

Ich verflüchtigte mich in einen lokalen Imbiss, um günstig zu essen. Danach wechselte ich meinen Aufenthaltsort als „Internetjunkie“ in ein Restaurant mit Wifi, um türkischen Kaffee und türkischen Çay (Tee) zu trinken und klarerweise meine Social Media Kanäle zu checken. Es regnete immer heftiger. An eine Fortsetzung meines Rundgangs war nicht mehr zu denken. Als der Regen nachließ, lief ich zum Bus und kehrte naß und ausgefroren in mein Hostel zurück.

 

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Ein Lokal in Kadıköy

Am nächsten Tag fuhr ich mit der Fähre in den asiatischen Teil von Istanbul. Kadıköy war mein erstes Ziel. Kadıköy ist voll von kleinen, gemütlichen Bars und Geschäften, wenig hektisch und sehr gemütlich. Für mich war ganz eindeutig: hier war das Zuhause der jungen, hippen, kreativen Bevölkerung von Istanbul. Mit einem Umweg zur europäischen Seite, fuhr ich nach Üsküdar. Zuerst ging ich die enge und viel befahrene Straße Richtung Bosporus Brücke auf der asiatischen Seite entlang. Erst als ich feststellte, dass es auf dieser Seite nicht viel zu sehen gab, kehrte ich mit Bus zum äußerst hektischen Verkehrsknotenpunkt in Üsküdar zurück.

Die vielen Busse und Mengen an Menschen, die sich aufgeregt in Üsküdar durch die Straßen schoben, gaben mir den Rest. Es war mir zu unruhig. Ich ging in ein Süßspeisenlokal, um eine Pause zu machen und in der Hoffnung, dass ich danach wieder mehr gewillt war, mich dem Chaos auszusetzen. Es war aber nicht so. Ich nahm die Marmaray U-Bahn, die 2013 eröffnet wurde, nach Sirkeci zurück. Die U-Bahn verläuft auf einer Strecke von 1,4 Kilometern in 56m Tiefe unterhalb der Bosporus Meerenge.

Ich war schon etwas erschöpft von den Sightseeingtouren der letzten Tagen und den vielen neuen Eindrücken. Deshalb verbrachte ich einen Tag im gemütlichen Aufenthaltsraum meines Hostels und ging nur mittags mit dem Franzosen Grégoire essen (wieder das kleine Lokal in der Seitenstraße, dass ich an meinem ersten richtigen Aufenthaltstag entdeckt hatte). Erst am Abend konnte ich mich noch ein weiteres Mal aufraffen, rauszugehen. Da es Samstag war, beschloss ich eine nahegelegene Bar (Just Bar) aufzusuchen. Ich setzte mich an die Bar und unterhielt mich mit dem Barkeeper, der es tatsächlich fertig brachte, gefühlte 10 Dinge mit bester Laune gleichzeitig zu machen (Cocktails mixen, Getränke ausschenken, Liederwünsche und Bestellungen entgegennehmen, Dj sein und mich unterhalten). Am anderen Ende des Lokals erspähte ich den Mann, der mich mehrmals gefragt hatte mit ihm was trinken zu gehen. Er war mit einer anderen Touristin hier. Innerlich schmunzelte ich darüber.

Was dann geschah, war nicht vorherzusehen: denn ich feierte unerwartet meinen Geburtstag nach. Ich hatte diesen beim Reden nebenbei erwähnt.

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Unerwartete Geburtstagsfeier in der Just Bar

Mit einem Geburtstagsständchen des anwesenden Personals bekam ich einen kleinen Minikuchen mit Kerzen und einer Spritzkerze überreicht. Es war wirklich süß. Nach einer ganzen Flasche Wein auf Kosten des Hauses (der Barkeeper hatte sich wohl ein bisschen in mich verliebt – er wollte mich nichts Bezahlen lassen) torkelte ich meine 3 Minuten nach Hause und fiel um kurz vor Mitternacht ins Bett.

Einen Wecker für den nächsten Tag hatte ich mir noch gestellt. Denn ich hatte mit Grégoire vereinbart, die lange Bosphorus Schifffahrt mit einer Dauer von 6 Stunden zu machen.

Die Schifffahrt war schön. Wir teilten uns einen Audio Guide und lauschten wechselweise den interessanten Erläuterungen. Nach 1,5h erreichten wir den Ort Anadolu Kavaği, wo wir drei Stunden Zeit zur Verfügung hatten. Wir schlenderten zuerst zu der Burgruine Yoros am Hügel. Doch gab es nicht viel zu sehen: die Burgruine war geschlossen. Dass sei sie schon seit ein paar Jahren, sagte uns ein mit einem schicken Rennrad vorbeikommender, in der Türkei lebender Italiener. Die Aussicht auf die dritte, sich im Bau befindliche Bosporus Brücke war jedoch großartig.

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Im HIntergrund ist die dritte, sich im Bau befindliche Bosporus Brücke zu sehen.

Ein Mittagessen folgte und schon ging es neuerliche 1,5h zurück in die Metropole Istanbul.

Ich war vom Vorabend todmüde und verbrachte den Rest des Abends im Hostel.

Am darauffolgenden Tag reiste ich zurück. Kurz nach Mittag fuhr ich mit der Straßenbahn (T1) bis Zeytinburnu, weitere 6 Stationen mit der U-Bahn zum Flughafen Atatürk. Am Abend kam ich wieder in Wien an.

 


Der gesamte Ausflug wurde aus Eigenmittel finanziert. Es gab keinerlei Gegenleistungen für Empfehlungen oder Erwähnungen. Weder das Personal des Hostels noch der Bar wussten über meine Tätigkeit als Reisebloggerin Bescheid.


 

Warst du schon in Istanbul? Wie war dein Eindruck von der Stadt? Was mochtest du am liebsten?

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4 Comments

  • Ich war zu Silvester 2014/15 das erste Mal in Istanbul. Leider hatten wir extremes Pech mit dem Wetter, vier Tage lang Regen und Schneetreiben. Die Stadt hat mich trotzdem sehr beeindruckt vor allem die Moscheen und die Basilica Cistern haben es mir angetan.
    Liebe Grüße, Christine

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