Stop Littering: Der Dreck kommt ins Gepäck, bitte!

Littering ist in aller Munde. Das Modewort, das aus dem Englischen vom Wort „to litter“ kommt und übersetzt schlicht „wegwerfen“ heißt, ist neuerdings Thema einiger nationaler und internationaler Umweltkampagnen. Egal ob aus dem Autofenster geschmissener Müll neben der Straße oder zurückgelassene Abfälle am Berg: Please, stop littering! Wirf deinen Dreck nicht einfach weg, bitte!

 

Stop Littering: Der Dreck kommt ins Gepäck, bitte!

 

Was ist Littering?

Littering bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfällen in der Natur. Zu den Abfällen zählen jegliche Form von Müll: angefangen von Alu-Dosen, Plastikflaschen, Zigarettenstummeln über Taschentücher – ja sogar Obstschalen oder die verrichtete Notdurft.

Ortsspezifisch ist die Verwendung des Wortes Littering nicht. Parks, Straßengräben, Wälder, das Meer oder Berge, von der Vermüllung betroffen kann jedes Gebiet sein.

Einige Fachbegriffe haben sich in diesem Zusammenhang bereits herausgebildet: Terrestrisches Littering ist die Vermüllung am Land, maritimes Littering ist die Vermüllung des Meeres und alpines Littering meint die Vermüllung bergiger Regionen.

Littering ist ein Weltphänomen und ein weltweites Problem.

Achtlos Weggeworfen wird leider überall, sogar im Weltall fliegt bereits unser Schrott herum. Dies miteinbezogen müsste man eigentlich schon von intergalaktischen Littering-Problemen sprechen.

Europa räume ich in der Behebung weltlicher Littering Thematiken trotzdem eine VorreiterInnenrolle ein. Denn wer einmal die Müllentsorgung in verschiedenen asiatischen Ländern erlebt hat, wo der Müll sorglos aus den Bus- oder Zugfenstern geschleudert wird, bekommt wahrlich den Eindruck, dass in Europa so einiges richtig abläuft – besser geht natürlich immer!

 

Ansatzpunkte zur Müllvermeidung

Nichts achtlos in der Natur wegwerfen, mehrmals Verwenden, Recyceln oder gänzlich auf die Produktion von Müll zu verzichten: die Ansatzpunkte für ein umweltschonendes Leben sind vielseitig, die Umsetzbarkeit von leicht bis schwer.

Wiederverwendbare Stofftragetaschen, das bald EU weit geltende Verbot von kostenlosen Plastiksackerl (-tüten für meine deutschen LeserInnen), vorgeschriebene Recyclingquoten, Mülltrennung, Dosenpfand (leider nur in Deutschland), moderne, modische, wiederbefüllbare Trinkflaschen, Kleidertauschzirkel, Versuche plastikfrei oder gar Zero Waste zu leben sind nur einige (teils private) Initiativen, um die weitere Vermüllung der Welt einzudämmen.

 

Der Dreck kommt ins Gepäck, bitte!

Mit meinen vorangegangenen Ausschweifungen komme ich nun endlich zu dem Punkt, über den ich im Zusammenhang mit Littering schreiben wollte: der Vermüllung von Bergen beim Trekken, Wandern und Bergsteigen.

Während leicht erreichbare Regionen im Flachland durch gemeinsame Müllsammelprojekte, sogenannte Flurreinigungsaktionen in regelmäßigen Abständen gezielt gesäubert werden, sind diese Kampagnen in abgelegenen Gebieten oft schwer realisierbar und kostenaufwendig.

Dabei sind die meisten wandernden und naturliebhabenden Personen in Europa schon so „advanced“ sozialisiert, dass Plastiksackerl und Co beinahe schon selbstverständlich vom Berg mit ins Tal genommen werden. Nur entlang leicht zugänglicher und einfacher Routen und nahe beliebter Ausflugshütten mangelt es noch an der Umsetzung.

Ein Dorn im Auge bleiben jedoch die immer noch gern zurückgelassenen organischen Abfälle wie Eier-, Bananen-, Mandarinen oder Orangenschalen sowie die von mir am meisten gehassten Taschentücher.

Thank you very much, denke ich mir jedesmal. Gern hätte ich den Weg mit Hilfe einer Landkarte gefunden statt einfach nur weißen Brotkrümeln folgen zu müssen.

 

Die Haltbarkeit von Taschentüchern, Obst & Co

Nein, Taschentücher lösen sich nicht beim nächsten Regenguss in Luft auf. Leider. Das würde höchstens mit dünnem Toilettenpapier passieren (Lösungsvorschlag?!)! Taschentücher, die zu 90% einen vollständigen Schleudergang in der Waschmaschine überleben, sind am Weg noch lange sichtbar.

Fünf unendlich lange Jahre benötigt ein Taschentuch, um vollständig zu verrotten.

Dagegen sind Essensreste wie Obstschalen beinahe schnell verschwunden: sie benötigen nur 2 Jahre. Klein, aber gar nicht fein, sind Zigarettenstummel, die sich 7 Jahre hartnäckig halten und dabei etwa 50 Liter Grundwasser verunreinigen können, wie in den derzeit laufenden Informationskampagnen der Alpenvereine hingewiesen wird.

Informationstafel am Pragser Wildsee in Südtirol zu den Verrottungszeiten von Papier, Taschentücher, Bananenschalen, Zigaretten, Plastiksackerl, Dosen etc.
Informationstafel zu Stop Littering am Pragser Wildsee in Südtirol zu den Verrottungszeiten von Papier, Taschentücher, Bananenschalen, Zigaretten, Plastiksackerl, Dosen etc.

 

Plastiksackerl (120 Jahre), Aluminiumdosen (500 Jahre), Plastikflaschen (100-1000 Jahre) und Glasflaschen (4000 Jahre) bleiben mehreren Generationen erhalten. Ob sich zukünftige NaturentdeckerInnen über diese Fundstücke freuen, wage ich zu bezweifeln.

Oberhalb der Baumgrenze oder auch in sehr kalten Gegenden, wo die kostbare Humusschicht gering ist oder fehlt, benötigen Verrottungsprozesse deutlich länger Zeit. So kann selbst die zurückgelassene Notdurft zum Problem werden und sollte genau genommen mit und in ein Sackerl.

Eine gängige Methode umweltbewusster Expeditionsunternehmen ist der Einsatz großer verschließbarer Toilettentonnen, die in Basislagern in den Boden gegraben werden. Die mobile Version sind kleine Minitonnen mit tauschbaren Plastikbeuteln, sogenannte „Clean Mountain Cans“, als tragbare Variante für die Hochlager.

 

Das Umweltbewusstsein nicht daheim vergessen

Noch schwieriger wird es in Asien oder Südamerika, wo Müllsammlung, -verwertung, -trennung und Recycling nicht den europäischen Standards entsprechen. Dort wird in abgelegenen und bergigen Regionen der Müll aus Alternativlosigkeit meistens verbrannt. Auf einen Hubschrauber zum Abtransport wartet man vergeblich. Getrennt wird klarerweise nicht – alles landet im Feuer: von der Plastikflasche, über die Dose und der Batterie.

Aber wer kann es den Menschen verübeln? Den Müll bringen hauptsächlich die Touristinnen und Touristen mit.

Nepal, Sehnsuchtsort vieler wanderbegeisterter Personen, AbenteuerInnen, BergsteigerInnen, AlpinistInnen und ExtremsportlerInnen, ist dafür mein liebstes Beispiel.

Das Wasser ist in Nepal nur in aufbereiteter oder abgefüllter Form trinkbar. Statt dieses Abzukochen oder das Angebot der umweltschonenden und kostengünstigeren Wiederbefüllung in Anspruch zu nehmen (in fast jedem Hostel ist die Wiederbefüllung möglich, auch Restaurant und Shops bieten dieses Service an! Ich gebe zu: leider oft nur auf Nachfrage!) wird oft eine Plastikflasche nach der nächsten gekauft.

Meine fiktive Rechnung dazu: Ich trinke ungefähr 3 Liter Wasser pro Tag, d.h. ich hätte täglich entweder zwei 1,5 Liter Flaschen oder sechs 0,5 Liter Flaschen Müll in Nepal erzeugt. Nun war ich in Nepal nicht nur einen Tag, sondern gute 2,5 Monate (ich runde auf 75 Tage). Hätte ich nicht regelmäßig wiederbefüllt, hätte ich allein hundertfünfzig 1,5 Liter oder vierhundertfünfzig 0,5 Liter Plastikflaschen Abfall hinterlassen. Zur besseren Veranschaulichung: hundertfünfzig 1,5 Liter Flaschen entsprächen 25 6er-Tragerl.

Bei Expeditionen bleiben jedoch auch andere Utensilien zurück: Dosen, Gaskartuschen, Zeltreste, Sauerstoffflaschen sind nur die anschaulichsten Beispiele. Den entstandenen Müll bis in die nächste größere Stadt abzutransportieren, ist nicht einmal für alle Expeditionsunternehmen selbstverständlich, kann Berichten, vor allem über den Mount Everest, entnommen werden.

Ein Taschentuch erscheint dabei als Kleinigkeit. Stimmt! Aber schöner wäre es ohne!

 


Schon einmal habe ich einen Beitrag mit Tipps zum umweltbewussten Wandern und Trekken geschrieben. Das Wort Littering war mir damals ein Fremdwort. Obwohl ich das Wort nicht kannte, war dort schon ein Aufruf zum „Stop Littering“ enthalten.

Vom Leben lernen

Einige Problematiken waren mir lange selbst nicht bewusst – klar, habe ich früher nicht jedes Taschentuch akribisch in meinen Rucksack gepackt und habe Bananenschalen in der Natur entsorgt. Inzwischen mache ich es besser. Die unangenehme Toilettenproblematik beschäftigt mich weiterhin – zum Glück ist sie in erschlossenen Regionen mit vielen Hütten momentan kein dringliches Thema.

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4 Comments

  • Wahnsinn! Dass ich meinen Müll nicht irgendwo liegen lasse, ist eigentlich klar. Aber Bananenschalen und Apfelputz habe ich ehrlicherweise nie als Müll angesehen. Das werde ich dank deines Artikels nun besser machen…

    • Ein Apfelputz ist auch nicht das Problem, da er süß ist und schnell von Insekten vernichtet wird, sowie auch schneller verrottet als die tropische Bananenschale. Den Apfelputz schmeißen auch noch die alteingesessenen Alpenverein-Umweltschützer ins Gebüsch. 😉
      Aber grundsätzlich: Ja, auch diesen Rest kann man wieder mit ins Tal nehmen!

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