Richtiges Verhalten bei Gewitter in den Bergen

Richtiges Verhalten bei Gewitter in den Bergen kann überlebenswichtig sein. Plötzliche Wetterumschwünge zählen zu den gefährlichsten Situationen bei einer Bergtour. Das Wissen um die akutelle Wetterlage vor Tourenbeginn ist unabdingbar. Aus Erfahrung kann ich nun leider sagen: Es kann trotzdem passieren. Überraschend und schnell. Was zu tun ist, wenn dich ein Gewitter überrascht, solltest du daher in jedem Fall wissen, egal ob kurze Tageswanderung, Klettersteigtour oder mehrtägige Wanderung.

 

Richtiges Verhalten bei Gewitter in den Bergen

Ausblick Pfannspitze am Karnischen Höhenweg
Ausblick Pfannspitze am Karnischen Höhenweg

 

1. Wettervorhersage beachten & in Tourenplanung miteinbeziehen

Den Wetterbericht zu checken, sollte an erster Stelle einer jeden Bergtour stehen. Gibt es vielleicht Schönwetter bis zum späten Nachmittag und werden erst dann Wärmegewitter erwartet? – Einer Tagestour, bei der wieder früh ins Tal zurückgekehrt oder zeitgerecht die nächste Hütte am Berg erreicht wird, stünde nichts im Wege. Wird eine Kaltfront erwartet? – Dann ist es vielleicht besser zu Hause zu bleiben.

Während die Entscheidung bei einer Tageswanderung über tun oder nicht tun relativ leicht zu treffen ist, so schwierig ist die Entscheidung über die Fortsetzung des Weges bei einer Weitwanderung. Die Wetterprognose sollte daher integraler Bestandteil der Etappenplanung, nicht nur für denselben Tag, sondern auch für die kommenden Tage sein.

Von Mitte Mai bis Anfang/Mitte September gilt die Gefahr von Gewittern in den Bergen als besonders groß.

Schuhe eines Blitzopfers (Silianer Hütte am Karnischen Höhenweg)
Schuhe eines Blitzopfers (Silianer Hütte am Karnischen Höhenweg)

 

2. Wolken beobachten – Wärmegewitter oder Frontgewitter?

Gewitterwolken hinter dem Berggrat am Karnischen Höhenweg
Aufziehende Gewitterwolken hinter dem Berggrat am Karnischen Höhenweg

Wärmegewitter

Ein regelmäßiger, prüfender Blick in den Himmel und rundherum schadet nicht. Ein Wärmegewitter kündigt sich meist durch Haufen- bzw. Quellwolken an. Sie entstehen bei Schönwetterlagen am Nachmittag oder Abend. Dabei wachsen diese zu großen, bauschigen Wolkentürmen an, sogenannten Cumulonimbus-Wolken, deren Oberseite wie ein Amboss aussieht. Diese können bis zu 13.000 Meter in die Höhe reichen.

Frontgewitter

Frontgewitter kündigen eine Kaltfront an und gehen mit einer Wetterverschlechterung einher. In hohen Lagen kann es sogar im Hochsommer schneien. Frontgewitter sind schwer zu erkennen, da es davor oft besonders schön und wolkenlos ist. Eine Wetterverschlechterung sollte allerdings bereits in der Wetterprognose angekündigt sein! Daher unbedingt den Wetterbericht beachten!

 

Die Entfernung des Gewitters berechnen – die 10-Sekunden-Regel

21, 22, 23,… – Die Entfernung eines Gewitters lässt sich einfach berechnen: dazu werden die Sekunden gezählt die zwischen Blitz und Donner vergehen. Diese werden danach durch 3 geteilt. Das Ergebnis gibt den ungefähren Abstand zwischen dir und dem Gewitter an. Die 10-Sekunden-Regel ist die leichte Anwendungsvariante dazu: Vergehen zwischen Blitz und Donner 10 Sekunden, ist das Gewitter circa 3 km entfernt.

Wird die Rechnung regelmäßig wiederholt, kann abgeschätzt werden, ob sich das Gewitter auf einen zu oder weg bewegt.

Nur zu Infos: Warum ist das eigentlich so? – Obwohl Blitz und Donner gleichzeitg entstehen, bewegt sich Licht schneller durch die Luft als Schall. Daher sehen wir den Blitz bevor es donnert!

 

3. Schutz suchen bei Gewitter am Berg – Was es dabei zu beachten gibt

Berggrat am Karnischen Höhenweg
Berggrat am Karnischen Höhenweg

Ist das Gewitter gefährlich nahe, sollte ehestmöglich Schutz gesucht werden. Den besten Schutz vor Gewitter in den Bergen bieten Schutzhütten mit Blitzableitern. Besteht keine Möglichkeit mehr die nächste Schutzhütte zu erreichen, sollten folgende Tipps zum richtigen Verhalten bei Gewitter in den Bergen beachtet werden:

  • Exponierte und ausgesetzte Stellen wie Gipfel oder Berggrate sollten sofort verlassen werden
  • den Aufenthalt in wasserführenden Rinnen vermeiden bzw. diese ehestmöglich verlassen
  • frühzeitig Klettersteige oder stahlseilführende Wanderwege verlassen (falls das nicht möglich ist, wird empfohlen sich einen Absatz zu suchen und wegen der Absturzgefahr das Sicherungsseil keinesfalls zu lösen, sondern gegebenfalls über den Boden zu führen und/oder die Sicherung an einer Eisenklammer statt am Drahtseil festzumachen)
  • frei stehende Bäume, kleine Baumgruppen oder Felsvorsprünge vermeiden (mindestens 3 m Abstand zu möglichen Einschlagobjekten halten)
  • Abstand halten zu senkrechten Felswänden
  • nicht an Zäune lehnen & weg von Metallzäunen
  • bei Schutzsuche in Höhlen sollte mindestens eine Körperlänge zum Höhleneingang und eine halbe Körperlänge zu allen Felswänden bestehen (Vorsicht vor möglicher Flutung der Höhle!)
  • bei der Schutzsuche im Wald nicht am Waldrand, sondern eher im Waldesinneren Schutz suchen (Vorsicht: auch dabei sollten herausragende Baumgruppen vermieden werden)
  • bevorzugt in Mulden, auf Hohlwegen oder ebenen Flächen hinhocken
  • in Gruppen nicht zusammenkauern, sondern Abstand von mehreren Metern zwischen den Personen einhalten
  • nicht laufen
  • alle metallenen Ausrüstungsgegenstände in sicherer Entfernung ablegen

 

4. klein machen und in die Hocke gehen – die Körperposition bei Gewitter in den Bergen

Ist die Situation inzwischen unausweichlich und du bist mitten im Gewitter, kannst du nur die oben genannten Tipps zum richtigen Verhalten bei Gewitter in den Bergen beachten und dich mit geschlossenen Beinen niederkauern. In dieser Situation darfst du keinesfalls weiterlaufen oder dich auf den Boden legen! Der Grund dafür sind die zwei Arten von Blitzeinschlägen:

1) direkter Blitzschlag: Unter direkten Blitzeinschlag wird die elektrische Entladung in der Atmosphäre verstanden, die unmittelbar in ein Objekt einschlägt. Würdest du dich weiter fortbewegen, wärst du – als ein herausragendes Objekt – ein stärker gefährteter Einschlagpunkt für den Blitz.

2) indirekter Blitzschlag: Indirekter Blitzschlag kommt in Form einer Überspannung zustande. D.h. der Blitz hat woanders eingeschlagen, die abfließenden elektrischen Bodenströme erzeugen jedoch eine Spannung längs der Strombahn. Läufst du bei einem Gewitter und der Blitz schlägt in unmittelbarer Nähe ein, kann sich die Spannung in Form von Schrittspannung zwischen deinen Beinen aufbauen. Je größer die Kontaktfläche oder der Abstand der Kontaktpunkte, desto größer ist die Spannung. Liegen (= große Kontaktfläche) oder breite Schrittstellung/Stehen (= hohe Schrittspannung) sind daher unbedingt zu unterlassen!

Mit geschlossenen Beinen tief in die Hocke zu gehen, ohne jedoch das Gesäß am Boden aufzusetzen, ist daher die empfohlene Körperposition bei Gewitter in den Bergen. Ein zusammengerolltes Kletterseil oder eine Campingmatte kann als isolierende Unterlage dienen.

Alternativ wird empfohlen sich mit geschlossenen Beinen auf den Rucksack zu setzen (darin enthaltene metallene Gegenstände sollten allerdings davor entfernt werden).

Anzeichen für eine unmittelbare Blitzschlaggefahr sind:

  • Kribbeln oder Spannung auf der Kopfhaut
  • aufstehende Haare
  • Elmsfeuer (= bläuliches durch elektrische Ladungen hervorgerufenes Leuchten) z.B. von Gipfelkreuzen oder Wegweisern
  • Surren von metallenen Gegenständen

 

5. Jubeln oder lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten

Yeah, du hast es überstanden oder du schwebst in Lebensgefahr!? Beides sind mögliche Situationsausgänge. Wie unangenehm es sein kann, in einen plötzlichen Wetterumschwung zu kommen, habe ich im Juni am Karnischen Höhenweg erlebt. Es ist eine Erfahrung, die ich nicht gern wiederholen möchte.

Wer allein unterwegs ist, so wie ich es oft bin, kann nur hoffen im Falle des Falles, frühzeitig von anderen wandernden Personen entdeckt zu werden. Denn die Rettung zu rufen, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr möglich.

Wer in einer Gruppe unterwegs ist, hat bei Blitzschlag eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Bei Bewusstlosigkeit wird empfohlen die betreffende Person behutsam in die stabile Seitenlage zu bringen. Bei Atem-Kreislaufstillstand sollte sofort mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen begonnen werden: Herzdruckmassage und Beatmung (30/2).

Nicht vergessen: den Notruf wählen (Euronotruf: 112 – funktioniert in der ganzen EU).

 

Meine Erfahrung bei Gewitter am Berg

Gewitterwolken am Karnischen Höhenweg
Gewitterwolken am Karnischen Höhenweg

„Wie dämlich“, war der Gedanke, als ich allein hockend auf einer Wiese am Berg in den Karnischen Alpen ausharrte. Ansonsten war da nur noch ein seltsames Gefühl von Leere, während ich einen Blitz beobachtete wie er auf der gegenüberliegenden Bergseite einschlug, kaum eine Sekunde später folgte der ohrenbetäubende Donner. Es lag nicht mehr in meiner Hand.

Für Vorwürfe war es zu spät. Hätte ich nicht gehen sollen? Hätte ich früher aufbrechen müssen? Hätte ich schneller gehen müssen? Hätte ich eine kürzere Pause gemacht? Hätte ich genauer bei den HüttenwirtInnen nachfragen sollen? Hätte ich statt weg und weiterzulaufen, doch probieren sollen irgendwie über den steilen Berghang neben mir abzusteigen? Hätte, hätte, hätte.

Das Gewitter war direkt über mir. Deutlich spürte ich das beschriebene Kribbeln der Kopfhaut. Meinen Rucksack und alle elektronischen Geräte hatte ich beiseite gelegt, schnell einen für mich akzeptablen Platz ausfindig gemacht. Dort hockte ich nun, meine Beine so eng zusammengepresst, dass sich ein See vom Regen in meinem Körperknick bildete. Meine Beine waren längst eingeschlafen. Hätte ich nicht die Knie eisern mit meinen Armen umklammert, ich wäre längst umgefallen. Ein starkes Zittern überkam mich in Schüben. Wieviel Zeit schon vergangen war? Ich wusste es nicht. Ich hockte, wartete und harrte so lange unbewegt aus bis wieder klarer Himmel über mir war. Vorher traute ich mich nicht zu bewegen.

Im Nachhinein weiß ich. Es waren nur 20 grausame Minuten. Genauso viel Zeit wie mir blieb, als ich die sich auf der anderen Bergseite nach oben quellenden Wolken zum ersten Mal entdeckte. Es war nicht später Nachmittag, sondern es war kurz nach Mittag. Der strahlend blaue Himmel danach war wie ein Hohn. Es war eine unangenehme Erfahrung. Und ich war heilfroh, dass ich nur wenige Tage davor, nochmal mein Wissen zum richtigen Verhalten bei Gewitter in den Bergen aufgefrischt hatte.

Drei Tage später, an denen ich nur kurze Etappen gegangen war, brach ich meine Weitwanderung ab. Das Wetter war mir zu unbeständig, meine Stimmung noch immer am Boden.

Was mir ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird, ist die Aussage des Hüttenwirts vom Hochweißsteinhaus am Karnischen Höhenweg. Für mich persönlich ist das der unschlagbare Spruch des Jahres 2017. Er lautet:

Wenn es donnert, hat dich der Blitz verpasst.

 

Hat dich auch der Blitz verpasst? Oder hast du weitere lebensrettende Tipps? Dann schreib sie doch in die Kommentare.

 

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