9 praktische Tipps zum alleine Trekken & Wandern

Du reist allein? Du möchtest alleine trekken oder wandern? Du hast Angst?

Ich sage dir:

Mit gutem Grund, denn alleine trekken oder wandern ist nicht ohne. Egal ob Mann oder Frau.

Es gibt Wanderwege und Trekkingrouten, wo ich weniger Bedenken habe und manche, vor allem alle, die in Zusammenhang mit Bergen oder ganz abgelegenen Gebieten stehen, wo ich zehnmal darüber nachdenke, ob ich mir das Zutrauen kann oder nicht.

Wenn ich wieder heil und gesund am Ende ankomme, trau ich mich nie zu behaupten, dass es an meiner guten körperlichen Verfassung, an meiner Willensstärke, Kraft oder an meinem Vertrauen gelegen hat.

Es ist immer ein Stück weit Glück dabei!

Im Folgenden werde ich die Wörter trekken und wandern gleichbedeutend verwenden, auch wenn unter Wandern eher Tagestouren, unter Trekken normalerweise Mehrtagestouren zu verstehen sind.

Wenn du alleine wanderst, löst das noch mehr Stirnrunzeln aus als wenn du alleine reist. Vor allem als Frau. Brave! Brave, girl! Mutig, mutiges Mädchen, habe ich dadurch schon sehr oft gehört. Du bekommst Anerkennung und Respekt. Manchmal wirst du als komische/r EigenbrötlerIn abgestempelt.

Aber auf die Anerkennung/Lob/Respekt oder sonstiges wollte ich gar nicht hinaus, sondern darauf, dass es auch ein wenig verrückt ist. Bei gewissen Rahmenbedingungen vielleicht sogar grenzwertig verantwortungslos – auch wenn ich das Wort am liebsten nicht benutzen würde. Aber rein die Fakten betrachtend, ist es ein wenig so. Dem solltest du dir in jedem Fall bewusst sein.

Eine japanische Reisegruppe, der ich mit Portern (Trägern) im Himalaya in Nepal begegnet bin, fragte mich, was denn das schwerste – eigentlich mit Anspielung auf meinen scheinbar vollen und schweren Rucksack – ist. Meine Antwort darauf war:

Das schwerste ist nicht mein Rucksack, sondern das 100% Achtgeben bei jedem einzelnen Schritt. Denn das ist das Um und Auf beim Alleine-Wandern.

Ich möchte es dir ja gar nicht ausreden – das Wandern und Trekken. Nur lese ich nicht gern Artikel, die nicht alle Aspekte, egal ob gut oder schlecht beleuchten. Über das Risiko zu schreiben, gehört deshalb auch dazu. Alleine-Wandern ist großartig. Für mich ist es ein grenzenloses Frei-fühlen! Wie als würdest du schweben! Ein Eins-sein mit der Natur. Mit Zufriedenheit und Klarheit! Eine Zeit zum Ordnen und Runterkommen. Ein ungestörtes Genießen der Natur mit einzigartigen Ausblicken auf Landschaften, die du ohne wandern nicht zu Gesicht bekommen würdest. Meist bist du dabei auch der einheimischen Bevölkerung viel näher, kommst leicht ins Gespräch und nimmst am „richtigen“ Leben des Landes teil.

Ich verstehe es zu gut, wenn du dich allein auf den Weg machst willst. Wenn du dich nicht davon abhalten lässt diese oder jene Landschaft zu erkunden, nur weil du keine andere Person findest, die dich begleitet.

Hier sind meine Tipps, die du auf jeden Fall beherzigen solltest, wenn du dich allein auf den Weg machst:

1. Körperliche Vorbereitung

Eine halbwegs gute körperliche Verfassung ist Grundvoraussetzung, um sich alleine auf eine Wander- oder Trekkingroute zu begeben. Wenn du schon nach 3 Stiegen keuchst, macht es wenig Sinn mit Gepäck zwischen geschätzten 5 und 15 kg (oder sogar mehr) eine Wanderung von mehreren Kilometern bergauf und bergab, möglicherweise über mehrere Tage zu machen. Sorry. Aber ich sehe eine gewisse körperliche Belastbarkeit als Voraussetzung. Überlege dir was du dir Zutrauen kannst.

2. Planen und Auswählen

Überlege dir welche Bedingungen für dich maximal erträglich sind von Wegstrecke, Unterbringung, Verpflegung und Frequentierung.

Damit meine ich Fragen wie: Wie viele Menschen befinden sich voraussichtlich auf dem gleichen Weg (für Punkto Sicherheit)? Gibt es Wegmarkierungen? Gibt es Kartenmaterial? Brauchst du ein Permit? Ist ein Guide vorgeschrieben? Gibt es Herbergen? Ist ein Zelt nötig? Gibt es Essen am Weg oder muss dieses mitgenommen werden? Gibt es in dieser Gegend Wasser? Was für Ausrüstung benötigst du? Was ist das maximale Gewicht, das du dir zum Tragen zumutest? Wie lang möchtest du unterwegs-sein? Wie viel Stunden/Tag traust du dir zu zu wandern? Gibt es Kommunikationsmittel am Weg (Festnetz, Internet, Mobilfunk)?

Für die Beantwortung der Fragen ist es wichtig zu reden und Erfahrungsberichte einzuholen!

Wenn du niemanden kennst, der die Route(n) begangen hat, gehe im Notfall in ein TouristInnenbüro, das solche Touren anbietet und lass dich beraten wie als würdest du diese Tour buchen wollen! Bei Langstreckenwanderwegen gibt es oft sehr gute Bücher! Wenn du genügend Informationen hast, entscheide dich für eine Route.

3. Ausrüstungscheck und Organisieren

Du hast eine geeignete Trekkingroute ausgewählt, die du dir zutraust? Besorg dir eine Wanderkarte. Finde heraus wie du dorthin anreist und auch abreist. Finde heraus, ob es ein Mobilfunknetz gibt, dass in dieser Gegend eine bessere Netzabdeckung hat und besorg dir gegebenenfalls eine extra Sim-Karte. Mach Essenseinkäufe. Besorg dir genügend Trinkbehälter (Wasserflasche/Thermoskanne) zum regelmäßigen Auffüllen und je nach Land unbedingt Wasseraufbereitungstabletten. Besorg dir Geld (Wo ist der letzte Bankomat?). Notiere dir Notfallnummern (z.B. von Bergrettung, Touristenpolizei, etc.) und speichere sie dir in dein Telefon ein. Kontrolliere deine Ausrüstung (Ist sie adäquat? Fehlt etwas?). Wenn du ein Permit brauchst, besorg es dir und mach gleich ein paar Kopien davon! Informiere dich über das Wetter und leg einen Startzeitpunkt fest. Packe minimal, aber ausreichend. Informiere jemanden über deine geplante Route und vereinbare einen Zeitpunkt, an dem du dich spätestens wieder meldest.

 

Los gehts… du bist am Weg!

 

4. Knüpfe Kontakte und rede mit allen Menschen, die du triffst!

Rede mit den Menschen, die du triffst über die Wegstrecke und Etappenziele (z.B. Ziel des heutigen Tages). Tausch dich aus über schwierige Passagen und Weggabelungen. Wenn ich in einer Unterkunft nächtige, hole ich mir immer möglichst viele Informationen über meine bevorstehende Wegstrecke ein (Gibt es diese Route überhaupt? Gibt es markante Punkte? Weggabelungen? Gibt es Wasser am Weg? Verpflegung? Gibt es (neue) Infos zum Wetter? Was ist die erwartete Gehzeit?)

Durch die Gespräche lernst du nicht nur die einheimische Bevölkerung kennen, sondern findest auch oftmals neue FreudInnen oder WeggefährtInnen.

5. Hör auf deinen Körper und dein Bauchgefühl!

Geh dein eigenes Tempo, mach Pausen, wenn du sie brauchst, iss regelmäßig und genügend. Trinke viel. Setzte dich keinen zusätzlichen Risiken aus! Bleib flexibel – manchmal kommt alles ganz anders als erwartet. Vertrau deinem Bauchgefühl und genieße.

6. Lass nichts zurück! Der Umwelt & den Menschen zuliebe.

Leider ist es nicht für alle selbstverständlich den Müll mitzunehmen. Achte die Natur und pack alles ein, was du selbst nicht vorfinden willst! Auch wenn es mühsam ist: dazu zählt auch Toilettenpapier, wenn du es nicht eingräbst oder verbrennst!

Nichts ist ärgerlicher als plötzlich einem weißen Toilettenpapiertrail folgen zu müssen.

Taschentücher oder Feuchttücher sollten übrigens wegen ihrer Festigkeit und parfümierten Anteile immer in den Müllsack!

7. Wenn es wirklich „zach“ wird…

Bei allen meinen Wanderungen verzichte ich grundsätzlich auf Ablenkung. Ich genieße die Stille, die Natur, die Gleichförmigkeit. Aber wenn du mehrere Tage oder Wochen wanderst, gibt es Tage, wo es nicht so rund läuft, dein Körper müde ist, deine Stimmung am Boden und du dich fragst warum du dir das nur antust. Nur dann, packe ich meinen Mp3-Player aus und höre Musik. Bei mir wirkt das wirklich wie ein Wundermittel. Vielleicht hilft dir ein sporadischer Musikeinsatz so viel wie mir.

8. Dreibein zum Foto machen

Ein Dreibein zum Fotografieren ist Gold wert, wenn du allein wanderst. Dann sind nicht immer nur dein Gesicht, sondern du in deiner vollen Größe und die Landschaft zu sehen. Ein Selfie Stick wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Ich persönlich bin aber nicht so ein großer Fan davon.

9. Was ist wenn nun wirklich was passiert?

Tja, ein gewisses Restrisiko ist nicht auszuschließen. Durchatmen. Ruhig bleiben. Jemanden informieren per Handy, durch Hilferufe und einer (Not-)Pfeife (oft am Rucksack oder extra mitnehmen).

Denke positiv – Panik ist keine Lösung.

Nun spreche ich aus Erfahrung und erzähl dir eine Reiseanekdote. Denn auch ich war schon einmal in einer unangenehmen Situation – alleine beim Wandern. Zum Glück war es kein Umknöcheln oder ein Zusammenbruch auf der Wegstrecke. Ich war schon in einer Herbergsanlage. Allein in einem Zimmer. In Peru. In einem Canyon. Ich konnte nicht mehr aufstehen. Ich konnte mich nicht bewegen. Mir war so schwindelig. Ich lag sicherlich eine gute halbe Stunde und versuchte meine Kräfte zu sammeln. Nur die plötzliche Übelkeit, die mich überkam, ließ mich auf allen vieren Richtung Toilette, die sich außerhalb befand, kriechen. Gehen konnte ich nicht. Eine ausgiebige Entleerung folgte. Während ich mich halb auf und über der Toilette befand, klopfte es. Es war die Chefin der Herberge. Sie hatte nach mir geschaut, weil ich nicht zum Essen kam, das ich mir bestellt hatte. Die weiteren Details erspare ich euch. Es war ein Ende gut. Alles gut.

Aber dieser Tag zeigte mir, dass die Grenzen leicht überschritten werden. Unbewusst. Schon kleine Fehler reichen.

Überanstrengung, Sonne, Hitze, Höhe, Wasser oder Essen, das du nicht verträgst, zuviel Essen oder zu wenig Essen. Du kannst dich nicht darauf vorbereiten! Wenn es „passiert“, wird es dich immer überraschen.

Das einzige was du tun kannst, ist dein Risiko zu minimieren, indem du sehr sorgsam auf deinen Körper achtest, auf das was du zu dir nimmst und indem du mit möglichst viel Menschen in Kontakt bist. Die, wenn du Glück hast, auch ohne dein Zutun, nach dir schauen.

Nun ich möchte niemanden entmutigen alleine zu wandern. Es ist großartig. Es ist bereichernd. Ich würde es auf alle Fälle wieder tun.

Solange mein Bauchgefühl sagt es ist ok.

Und wenn nicht, dann gibt es immer folgende Alternativen: eine 2te Person finden, einen Guide nehmen oder sich einer Gruppe anschließen. Ich hab schon jede Variante davon einmal oder mehrmals gewählt.

Obwohl ich erst viel später darüber schreiben wollte, habe ich das Thema aus gegeben Anlass vorgezogen. Carina von Pink Compass hat in ihrem Newsletter auf den Gastartikel „7 Tipps, wie du auch als Frau entspannt alleine wandern kannst“ von Jana von A-Tasty-Hike aufmerksam gemacht. Meinen „Schmarrn“ und meine Erfahrungen zu diesem Thema wollte ich euch in keinem Fall vorenthalten.

Warst du auch schon alleine trekken? Oder Wandern? Oder beides?

Was für Erfahrungen hast du dabei gemacht? Hast du weitere praktische Tipps?

Ich freu mich über deine Kommentare.
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