9 praktische Tipps zum alleine Trekken & Wandern

Du reist allein? Du möchtest alleine Trekken oder Wandern? Du hast Angst? Ich sage dir: mit gutem Grund, denn alleine Trekken oder Wandern kann riskant sein, egal ob Mann oder Frau.

Es gibt Wanderwege und Trekkingrouten, wo ich weniger Bedenken habe und manche, vor allem alle, die in Zusammenhang mit Bergen oder ganz abgelegenen Gebieten stehen, wo ich zehnmal darüber nachdenke, ob ich mir das Zutrauen kann oder nicht. Wenn ich wieder heil und gesund am Ende ankomme, trau ich mich nie zu behaupten, dass es an meiner guten körperlichen Verfassung, an meiner Willensstärke, Kraft oder an meinem Vertrauen gelegen hat. Es ist immer ein Stück weit Glück dabei!

 

SICH DEM RISIKO BEWUSST SEIN

Wenn du alleine wanderst, löst das noch mehr Stirnrunzeln bei deinen Mitmenschen aus, als wenn du alleine reist – vor allem als Frau. Brave! Brave, girl! – Mutig! Mutiges Mädchen! Alleine unterwegs zu sein erfordert Mut und vor allem Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten. In abgelegenen Gebieten ist es ein Risiko allein unterwegs zu sein. Dem solltest du dir in jedem Fall bewusst sein.

Eine japanische Reisegruppe, der ich mit Portern (Trägern) im Himalaya in Nepal begegnet bin, fragte mich, was denn das schwerste beim Wandern für mich ist, eigentlich in Anspielung auf meinen scheinbar vollen und schweren Rucksack. Meine Antwort darauf war:

Das schwerste ist nicht mein Rucksack, sondern das 100% Achtgeben bei jedem einzelnen Schritt. Denn das ist das Um und Auf beim Alleine-Wandern.

Inzwischen war ich schon oft alleine wandernd unterwegs. Jedoch habe ich klein angefangen: nach dem belebten Jakobsweg, buchte ich in entfernten Ländern zuerst mehrtägige Wandertouren in Gruppen, Touren mit Guide oder fand erfolgreich andere Personen, die an derselben Wandertour interessiert war, um sie gemeinsam zu erkunden. Hier sind meine Tipps und Erfahrungen, die ich auf meinen Wanderungen gelernt habe.

 

1. KÖRPERLICHE VORBEREITUNG

Eine halbwegs gute körperliche Verfassung ist Grundvoraussetzung, um sich alleine auf eine Wander- oder Trekkingroute zu begeben. Wenn du schon nach 3 Stiegen keuchst, macht es wenig Sinn mit Gepäck zwischen geschätzten 5 und 15 kg (oder sogar mehr) eine Wanderung von mehreren Kilometern bergauf und bergab, möglicherweise über mehrere Tage zu machen. Sorry. Aber ich sehe eine gewisse körperliche Belastbarkeit als Voraussetzung. Überlege dir was du dir Zutrauen kannst.

 

2. PLANEN & AUSWÄHLEN

Überlege dir welche Bedingungen für dich maximal erträglich sind von Wegstrecke, Unterbringung, Verpflegung und Frequentierung.

Damit meine ich Fragen wie: Wie viele Menschen befinden sich voraussichtlich auf dem gleichen Weg (für punkto Sicherheit)? Gibt es Wegmarkierungen? Gibt es Kartenmaterial? Brauchst du ein Permit? Ist ein Guide vorgeschrieben? Gibt es Herbergen? Ist ein Zelt nötig? Gibt es Essen am Weg oder muss dieses mitgenommen werden? Gibt es in dieser Gegend Wasser? Was für Ausrüstung benötigst du? Was ist das maximale Gewicht, das du dir zum Tragen zumutest? Wie lang möchtest du unterwegs-sein? Wie viel Stunden/Tag traust du dir zu zu wandern? Gibt es Kommunikationsmittel am Weg (Festnetz, Internet, Mobilfunk)?

Für die Beantwortung der Fragen ist es wichtig zu reden und Erfahrungsberichte einzuholen!

Wenn du niemanden kennst, der die Route(n) begangen hat, gehe im Notfall in ein TouristInnenbüro, das solche Touren anbietet und lass dich beraten wie als würdest du diese Tour buchen wollen! Bei Langstreckenwanderwegen gibt es oft sehr gute Bücher! Wenn du genügend Informationen hast, entscheide dich für eine Route.

 

3. AUSRÜSTUNGSCHECK & ORGANISIEREN

Du hast eine geeignete Trekkingroute ausgewählt, die du dir zutraust? Besorg dir eine Wanderkarte. Finde heraus wie du dorthin anreist und auch abreist. Finde heraus, ob es ein Mobilfunknetz gibt, dass in dieser Gegend eine bessere Netzabdeckung hat und besorg dir gegebenenfalls eine extra Sim-Karte. Mach Essenseinkäufe. Besorg dir genügend Trinkbehälter (Wasserflasche/Thermoskanne) zum regelmäßigen Auffüllen und je nach Land unbedingt Wasseraufbereitungstabletten. Besorg dir Geld (Wo ist der letzte Bankomat?). Notiere dir Notfallnummern (z.B. von Bergrettung, Touristenpolizei, etc.) und speichere sie dir in dein Telefon ein. Kontrolliere deine Ausrüstung (Ist sie adäquat? Fehlt etwas?). Wenn du ein Permit brauchst, besorg es dir und mach gleich ein paar Kopien davon! Informiere dich über das Wetter und leg einen Startzeitpunkt fest. Packe minimal, aber ausreichend.

Informiere jemanden über deine geplante Route und vereinbare einen Zeitpunkt, an dem du dich spätestens wieder meldest.

 

4. AM WEG: KNÜPFE KONTAKTE & REDE MIT ALLEN MENSCHEN, DIE DU TRIFFST

Rede mit den Menschen, die du triffst über die Wegstrecke und Etappenziele (z.B. Ziel des heutigen Tages). Tausch dich aus über schwierige Passagen und Weggabelungen. Wenn ich in einer Unterkunft nächtige, hole ich mir immer möglichst viele Informationen über meine bevorstehende Wegstrecke ein (Gibt es diese Route überhaupt? Gibt es markante Punkte? Weggabelungen? Gibt es Wasser am Weg? Verpflegung? Gibt es (neue) Infos zum Wetter? Was ist die erwartete Gehzeit?)

Durch die Gespräche lernst du nicht nur die einheimische Bevölkerung kennen, sondern findest auch oftmals neue FreudInnen oder WeggefährtInnen.

 

5. HÖR AUF DEINEN KÖRPER & DEIN BAUCHGEFÜHL

Geh dein eigenes Tempo, mach Pausen, wenn du sie brauchst, iss regelmäßig und genügend. Trinke viel. Setzte dich keinen zusätzlichen Risiken aus! Bleib flexibel – manchmal kommt alles ganz anders als erwartet. Vertrau deinem Bauchgefühl und genieße.

 

6. LASS NICHTS ZURÜCK: DER UMWELT & DEN MENSCHEN ZU LIEBE

Leider ist es nicht für alle selbstverständlich den Müll mitzunehmen. Achte die Natur und pack alles ein, was du selbst nicht vorfinden willst! Auch wenn es mühsam ist: dazu zählt auch Toilettenpapier, wenn du es nicht eingräbst oder verbrennst! Nichts ist ärgerlicher als plötzlich einem weißen Toilettenpapiertrail folgen zu müssen. Taschentücher oder Feuchttücher sollten übrigens wegen ihrer Festigkeit und parfümierten Anteile immer in den Müllsack!

 

7. WENN ES WIRKLICH ANSTRENGEND WIRD

Bei allen meinen Wanderungen verzichte ich grundsätzlich auf Ablenkung. Ich genieße die Stille, die Natur, die Gleichförmigkeit. Aber wenn du mehrere Tage oder Wochen wanderst, gibt es Tage, wo es nicht so rund läuft, dein Körper müde ist, deine Stimmung am Boden und du dich fragst warum du dir das nur antust. Nur dann, packe ich meinen Mp3-Player aus und höre Musik. Bei mir wirkt das wirklich wie ein Wundermittel. Vielleicht hilft dir ein sporadischer Musikeinsatz so viel wie mir.

 

8. DREIBEIN ODER STATIV ZUM FOTO MACHEN

Ein Dreibein zum Fotografieren ist Gold wert, wenn du allein wanderst. Dann sind nicht immer nur dein Gesicht, sondern du in deiner vollen Größe und die Landschaft zu sehen. Ein Selfie Stick wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Ich persönlich bin aber nicht so ein großer Fan davon.

 

9. VERHALTEN & VORBEREITUNG, FALLS ETWAS PASSIERT

Ein gewisses Restrisiko ist nicht auszuschließen. Durchatmen. Ruhig bleiben. Jemanden informieren per Handy, durch Hilferufe und einer Notpfeife.

Denke positiv – Panik ist keine Lösung: Atme durch, bleibe ruhig und überlege mit größtmöglicher Gelassenheit Exitstrategien.

  • Hast du Handyempfang? – Informiere die Bergrettung oder die nächste Hütte.
  • Hast du keinen Handyempfang? – Gibt es einen höher gelegenen Punkt, wo du Empfang haben könntest? Kontrolliere, ob du vielleicht einen Notruf absenden könntest.
  • Kannst du dich noch fortbewegen? Wo ist die nächste Hütte?

Versuch jemanden im Umfeld zu informieren und/oder auf dich aufmerksam zu machen:

  • Um effektiv auf dich aufmerksam machen zu können, empfehle ich dir auf jede Wanderung für den Notfall eine Pfeife mitzunehmen. Schreien ermüdet und deine Stimmbänder werden es dir danken.

Wann hast du vereinbart, dich wieder zu melden?

  • Wieviel Zeit muss realistisch vergehen bis deine Abwesenheit bemerkt wird?
  • Wieviel Proviant und Wasser hast du zur Verfügung?

Rationiere deinen Proviant und Wasser und achte darauf, dass dein Körper nicht auskühlt.

 

REISEANEKDOTE VON MIR BEIM ALLEINE TREKKEN & WANDERN

Nun spreche ich aus Erfahrung und erzähl dir eine Reiseanekdote. Denn auch ich war schon einmal in einer unangenehmen Situation – alleine beim Wandern. Zum Glück war es kein Umknöcheln oder ein Zusammenbruch auf der Wegstrecke. Ich war schon in einer Herbergsanlage. Allein in einem Zimmer. In Peru. In einem Canyon. Ich konnte nicht mehr aufstehen. Ich konnte mich nicht bewegen. Mir war so schwindelig. Ich lag sicherlich eine gute halbe Stunde und versuchte meine Kräfte zu sammeln. Nur die plötzliche Übelkeit, die mich überkam, ließ mich auf allen Vieren Richtung Toilette, die sich außerhalb befand, kriechen. Gehen konnte ich nicht. Eine ausgiebige Entleerung folgte. Während ich mich halb auf und über der Toilette befand, klopfte es. Es war die Chefin der Herberge. Sie hatte nach mir geschaut, weil ich nicht zum Essen kam, das ich mir bestellt hatte. Die weiteren Details erspare ich euch. Es war ein Ende gut. Alles gut.

Dieser Tag zeigte mir, dass die Grenzen leicht überschritten werden. Unbewusst. Schon kleine Fehler reichen.

 

MEIN FAZIT

Überanstrengung, Sonne, Hitze, Höhe, Wasser oder Essen, das du nicht verträgst, zuviel Essen oder zu wenig Essen. Du kannst dich nicht darauf vorbereiten! Wenn etwas „passiert“, wird es dich immer überraschen. Das einzige was du tun kannst, ist dein Risiko zu minimieren, indem du sehr sorgsam auf deinen Körper achtest, auf das was du zu dir nimmst und indem du mit möglichst viel Menschen in Kontakt bist. Die, wenn du Glück hast, auch ohne dein Zutun, nach dir schauen. Nun ich möchte niemanden entmutigen alleine zu wandern. Es ist großartig. Es ist bereichernd. Ich würde es auf alle Fälle wieder tun. Solange mein Bauchgefühl sagt es ist ok.

Und wenn nicht, dann gibt es immer folgende Alternativen: eine 2te Person finden, einen Guide nehmen oder sich einer Gruppe anschließen. Ich hab schon jede Variante davon einmal oder mehrmals gewählt.

 

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Warst du auch schon alleine trekken? Oder Wandern? Oder beides? Was für Erfahrungen hast du dabei gemacht? Hast du weitere praktische Tipps? Ich freu mich über deine Kommentare.

 


Obwohl ich erst viel später darüber schreiben wollte, habe ich das Thema aus gegeben Anlass vorgezogen. Carina von Pink Compass hat in ihrem Newsletter auf den Gastartikel „7 Tipps, wie du auch als Frau entspannt alleine wandern kannst“ von Jana von A-Tasty-Hike aufmerksam gemacht. Meinen „Schmarrn“ und meine Erfahrungen zu diesem Thema wollte ich euch in keinem Fall vorenthalten.

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