Jakobsweg in Österreich: Pilgern durch die Wachau | Bericht

Kooperation mit Donau-Niederösterreich (Einladung)

Das Jakobswegenetzwerk zieht sich über ganz Europa und führt auf einer Strecke von circa 800km von Ost nach West durch Österreich. Auch wenn der Weg als Ziel gilt, bei dem viel Ausdauer, Gelassenheit und Geduld gefragt sind, ist der angestrebte Zielort für alle: Santiago de Compostela in Spanien.

In Österreich führt der Hauptweg des Jakobswegs von der Hainburger Pforte an der Grenze zur Slowakei, zuerst donauaufwärts nach Wien/Purkersdorf, durch das Weltkulturerbe der Wachau über Linz, Salzburg und Innsbruck bis nach Feldkirch in Vorarlberg. Rund 28 Tagesetappen werden für die gesamte Begehung des Jakobswegs durch Österreich veranschlagt.

Der Wachauer Jakobsweg, den ich auf Einladung von Donau-Niederösterreich Tourismus bewanderte (Offenlegung am Ende des Beitrags), führt in zwei Tagesetappen von Furth bei Krems an der Donau über Maria Langegg nach Melk. Von Donau-Niederösterreich wird dieser Abschnitt inklusive Gepäcktransport als Package mit kleineren Tagesetappen angeboten.

 

Jakobsweg in Österreich: Pilgern durch die Wachau | Bericht

Es war nicht mein erstes Mal am Jakobsweg, sondern mein drittes. Schon 2006 war ich den Camino Francés in Spanien in 28 Tagen von Pamplona über Santiago de Compostela nach Finisterre gewandert und 2014 einen kurzen Abschnitt in Österreich. Was die Faszination ist, sich in einem Stück oder immer wieder auf den 3.200km langen Weg von Wien weg nach Santiago de Compostela zu begeben, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Denn im spanischen Jakobsweg selbst liegt der Ursprung meiner Weitwanderleidenschaft begraben: er war meine erste lange Wanderung allein.

 

Pilgern ist in allen Religionen der Welt verankert.

Während früher religiöse und spirituelle Gründe im Vordergrund standen sich auf Pilgerschaft zu begeben, stehen heutzutage oft ein Abstandnehmen vom Alltag und/oder Lebenskrisen, ein Rückbesinnen auf das Wesentliche, ein Kräfte tanken in der Natur, bei dem nicht selten die Hoffnung besteht Antworten auf Fragen zu finden, wohin einen das Leben führen soll, im Vordergrund.

Wie beim Reisen ist auch Pilgern eine Reise zu sich selbst. Nicht umsonst werden Reisende gern als Suchende beschrieben. Beim Pilgern findet das Leben entschleunigt im Hier und Jetzt statt und ist wohl auch der Hauptgrund warum sich jährlich so viele Menschen am Weg machen.

Wer nicht gleich am Jakobsweg durch Spanien pilgern will, braucht gar nicht weit zu gehen. Der Jakobsweg beginnt im Grunde vor jeder Tür. Der Start eines offiziellen Weges liegt oftmals nur wenige Kilometer entfernt.

 

Wachauer Jakobsweg: Wandern am Südufer der Donau durch das Weltkulturerbe der Wachau

 

Etappe 1: Stift Göttweig bzw. Furth bis Maria Langegg

Das Benediktinerstift Göttweig & Nacht in Furth

Stift Göttweig in der Wachau
Stift Göttweig in der Wachau

Während „echte Pilger“ zu Fuß den Berg zum Stift Göttweig erklimmen müssen, ging es für mich mit dem Auto zum Benediktinnerstift, das als Startpunkt des Wachauer Jakobswegs gilt. Eine private Führung durch die Stiftsanlage führte mich vorbei an der zweitgrößten Barockstiege in Europa, der Kaiserstiege, mit dem von Paul Troger gestalteten Deckenfresko und durch die Räumlichkeiten des Museums, welches von der Geschichte der Benediktineranlage erzählt. Einer Brandkatastrophe zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist das heutige, einmalige Erscheinungsbild zu verdanken. Die eigenartige Form der Türme, die nie vollendet wurden oder die aufmalten Uhren und Fenster zeugen von der Zeit als in den Jahren des Wiederaufbaus das Geld ausging.

Doch vielmehr interessiert daran, bin ich heute herauszufinden, wie es ist als Pilgerin am Stift Göttweig vorbeizukommen. Eine Spontanübernachtung ist zwar hier nicht möglich, aber von April bis Oktober kann das Angebot „Zu Gast im Kloster“ gebucht werden.

Im Gegensatz dazu sind alle eingeladen am täglich stattfindenden Mittagsgebet um 12:00 oder der Vesper um 18:00 teilzunehmen. Wir kommen gerade recht zum Abendgebet an der Stiftskirche vorbei und lauschen den wechselseitigen Chorgesängen.

Statt in den klösterlich einfachen Zimmern des Stifts mit bestem Ausblick zu nächtigen, darf ich meine Nacht im schönen Gasthof Hotel Burger „Zur goldenen Krone“ in Furth am Fuße des Göttweiger Berges verbringen. Wegen der robusten Bauweise des ursprünglichen Haupthauses wird vermutet, dass es früher einmal Teil des Stiftes gewesen sein könnte. Sicher ist jedenfalls, dass es einmal ein Binderei und Sattlerei Handwerksbetrieb war.

Bildcollage: Gasthaus-Burger "Zur goldenen-Krone" in Furth
Bildcollage: Gasthaus-Burger „Zur goldenen-Krone“ in Furth

Im nahegelegenen Heurigen „Zum 13er Haus“ vom Weingut Zederbauer lasse ich bei leckeren Fleischknödeln mit Ei den Abend ausklingen. Um herauszufinden, welcher Heurige gerade offen hat, empfiehlt es sich, einen Blick auf den Heurigenkalender zu werfen.

 

Der Weg ist das Ziel

Bepackt mit einer ausgiebigen Wanderjause geht es nach dem Frühstück durch den Zellergraben los. Statt die Abkürzung von Furth am Welterbesteig bis zur Ferdinandwarte zu gehen, bleibe ich am Jakobsweg. Ich will nach Mautern. Der Grund: ich will eine herrliche leckere Schaumrolle kaufen. Diese werden in der Schaubackstube Krenn gebacken und im daneben liegenden Cafe Maria verkauft. Das weiß ich, weil ich schon mehrmals an beiden Uferseiten am Donauradweg unterwegs gewesen war.

Am Weg beobachte ich mehrere Weinbauern und -bäuerinnen bei der Lese der saftig grün oder violett leuchtenden Weinreben.

Bis Mauternbach verläuft der Weg entlang der Straße und biegt erst an dessen Ende wieder in Weinfelder, gefolgt von einem kleinen Wäldchen ab. Während ich den Wald nach oben wandere und eine Spruchtafel vom Schriftsteller Paulo Coehlo studiere, überholt mich ein Pilger. Keine 10 Minuten später habe ich ihn wieder eingeholt. Das Gespräch über unsere Startpunkte und Tagesziele lenkt uns so ab, dass wir sogleich die Abzweigung zur Ferdinandwarte verpassen. Kurz darauf holt uns ein weiterer Wanderer ein.

Wachauer Jakobsweg führt über Wiesen, Felder und durch Wälder.
Wachauer Jakobsweg führt über Wiesen, Felder und durch Wälder.

Ab dann gehts zu dritt entlang des Jakobs- und dem gleich verlaufenden Welterbesteig bis zum Roten Kreuz, weiter am Jakobsweg über Wiesen und Felder und über kleine Pfade durch Wälder bis Maria Langegg.

Während die beiden im Kloster schlafen, begebe ich mich zu meiner reservierten Unterkunft mit dem „Luxus für zwischendurch“, dem e2 Privatzimmer in Maria Langegg. Mein Zimmer ist aus Holz mit traumhaft schönem Ausblick auf die Kirche, die sich direkt gegenüber befindet.

Bildcollage: e2-Privatzimmer in Maria-Langegg
Bildcollage: e2-Privatzimmer in Maria-Langegg

 

Wallfahrtsort Maria Langegg

Maria Langegg entwickelte sich im 17. Jahrhundert zum beliebten Wallfahrtsort für Wunderheilungen. Vor allem in den Pestjahren in der Mitte des 17. Jhdts wurde „Maria, Heil der Kranken“ zu einem der bedeutendsten Pestwallfahrtsorte des Landes. Die Ursprungsgeschichte besagt, dass Matthäus Häring um die Genesung seiner totkranken Tochter Maria Clara bat und als Dank für diese eine Kapelle bauen ließ und ein Gnadenbild spendete. Als die Wunderheilungen vermehrt auftraten, florierte die Wallfahrt. Ihren Höhepunkt erreichte sie im Jahre 1739 mit 39.000 Menschen. Das ursprünglich von Serviten geführte Kloster wird heutzutage von der Gemeinschaft der Seligpreisungen geführt.

Seit 2008 gibt es ein Wallfahrtsmuseum neben der Kirche, das die Geschichte in Urkunden und Votivbildern zeigt. Besonders interessant sind die Bibliothek und die Dankesgaben der hilfesuchenden WallfahrerInnen. (Öffnungszeiten: Mai-Sept. Do-So & Feiertage 10:00-17:00; März/April/Okt. Sa/So & Feiertage 10:00-17:00; Eintritt: 2€, Führungen: Sa, So & Feiertag um 14:00 oder Voranmeldung – 6€ [Stand Sept. 2018] – Mehr Infos: Kultur im Kloster)

 

Zum Abendessen stehen in Maria Langegg nur zwei Optionen zur Wahl: das Kloster Stüberl und der Langegger Hof. Der Langegger Hof war das allererste Gebäude in Maria Langegg. Dessen Besitzer war der schon erwähnte Matthäus Häring. Heute beherbergt dieser ein Gasthaus, das von der reisefreudigen Familie Tastl herzlichst geführt wird. Neben regionalen Köstlichkeiten gibt es als Spezialangebot selbstgemachte „Tasti-Pasti“ Nudeln, die vor Ort oder im Onlineshop erworben werden können.

Zu Tisch werden hungrige PilgerInnen um 18:00 Uhr gebeten. Und um diese Uhrzeit versammeln sich – auch an diesem Tag – fast alle PilgerInnen. So schätzen wir gemeinsam, dass in etwa 8-10 Personen heute auf dem gleichen Abschnitt des Jakobsweges unterwegs waren.

Wegdetails des Jakobsweges:

  • rund 24km | Gehzeit: 6-7h
  • Mögliche Abkürzung am Weg: Von Furth bis Ferdinandwarte den Welteerbesteig nehmen!

 

Etappe 2: Maria Langegg bis Melk

Am Jakobsweg durch den Dunkelsteiner Wald

Während die meisten anderen Pilgerinnen und Pilger bereits früher aufgebrochen sind, genieße ich mein fein angerichtetes Frühstück und breche pünktlich um 8:30 auf. Ich bin verabredet mit einem meiner Weggefährten des Vortages. Durch den Dunkelsteiner Wald verläuft der Jakobsweg Richtung der Raubritterburg Aggstein. Diese bietet einen wunderbaren Blick auf das Donautal. Auf einen Besuch der Burgruine verzichte ich. Stattdessen genieße ich kurz den Ausblick und steige den steilen Weg ab nach Aggsbach-Dorf.

Eine Kaffeepause gibt es dann im Gasthaus Lechner. Vorbei an der imposanten Kartause Aggsbach, die ein ehemaliges Kloster der strengen Kartäuser war und jetzt ein Museum, einen Medititationsgarten und eine Schauschmiede beherbergt, führt der Jakobsweg einen Hügel nach oben an dessen Schulter der Weg bis Wolfstein führt. Die Landschaft beeindruckt: steile Abhänge und schmale Täler geschmückt mit hochgewachsenen Mischwäldern. Direkt neben dem Stein des Hl. Wolfgangs machen wir Mittagspause. Eine umfangreiche Wanderjause habe ich im Gepäck.

 

Viele Wege führen nach Melk

Wegmarkierungen am Jakobsweg in der Wachau

In Gerolding verlieren wir unbeachsichtigt den Jakobsweg und bemerken viel zu spät, dass wir schon seit längerem auf den Dunkelsteinerwaldweg unterwegs sind. An Umkehr ist nicht mehr zu denken. So ergeben wir uns unserem Schicksal und folgen dessen verwirrenden und schwierig zu erkennenden Markierungen. Der Wanderweg ist nicht zu empfehlen, da er sehr verwachsen und abschnittsweise sogar gesperrt ist.

Erleichtert erreichen wir daher das Ortsende von Schönbühel, wo sich die Dunkelsteinerwald-Runde, der Jakobsweg und der Welterbesteig wieder treffen. Statt der Steinwandleiten zu folgen, beschließen wir in Pielachmund eine Abkürzung entlang der Donau zu nehmen.

In Melk endet meine Wanderung mit Kaffee & Eis als Belohnung am Hauptplatz und einer Nacht mit exquisitem Abendessen und Frühstück im Hotel Post. Statt die Möglichkeit auch das Stift Melk am nächsten Morgen mit Führung genauer unter die Lupe zu nehmen, beschließe ich den Zug zurück nach Wien – nach Hause – zu nehmen.

Hotel Post und Stift Göttweig in Melk
Bildcollage: Hotel Post und Stift Göttweig in Melk

Etwas außer Form plagt mich ein kräfter Muskelkater in den Beinen. Vom Gehen habe ich daher vorläufig genug.

Wegdetails des Jakobsweges:

  • rund 28km | Gehzeit: 9h
  • In Gerolding unbedingt einen Blick auf die Wanderkarte werfen und nicht den Schildern nach Melk folgen (ich vermute, dass der Jakobsweg weiter geradeaus geführt hätte)
  • Abkürzungen wie ihn auch einige andere PilgerInnen gegangen sind: (1) direkt entlang der Donau; (2) Abkürzung dazwischen über den Welterbesteig; (3) kurz vor Melk den direkten Weg wählen

 

Anreise und Abreise

  • Anreise nach Furth: Furth erreicht man von Wien am besten mit dem Zug über St. Pölten und weiter mit der Regionalbahn Richtung Krems an der Donau (Das Stift Göttweig ist öffentlich schwer (wenige Verbindungen) zu erreichen. Daher reisen viele bis Furth an, machen von dort aus eine Wanderung zum Stift Göttweig und starten am nächsten Morgen mit der Wanderung am Jakobsweg nach Maria Langegg.)
    Alternativ: Anreise nach Mautern: mit dem Zug nach Krems an der Donau und weiter mit dem Bus WL1 bis zur Donaubrücke bzw. bis Mautern mit dem Bus WL2.
  • Abreise von Melk: Die Rückreise von Melk nach Furth erfolgt am besten mit der WL2 Wachau Linie. Diese fährt am rechten Donauufer entlang.
    Alternativ: Mit dem Zug Richtung Krems an der Donau mit Umsteigen in St. Pölten. Wer gleich nach Wien oder nach Westösterreich aufbrechen will, nimmt ebenso den Zug.

 

Mehr zum Jakobsweg in Österreich:

  • Pilgerpass bestellen: der Verein Jakobswege Österreich ist ein Bindeglied zwischen den einzelnen österreichischen Teilstrecken. Über diesen kann ein offizieler Pilgerpass bestellt werden.
  • Nachwandern: Donau-Niederösterreich bietet die beschriebene Wanderung auch als Package mit Gepäcktransport allerdings mit kleineren Tagesetappen an.
  • Buchempfehlung zum Jakobsweg Österreich: der Rother Wanderführer hat – wie so oft – ein empfehlenswertes Wanderbuch herausgebracht: Jakobswege Österreich mit 50 beschriebenen Etappen

 

Mehr zur Umgebung:

 

Happy pilgrimage!

Lust bekommen mich auf weitere Wanderungen zu begleiten z.B. am GR20 auf Korsika, am GR221 durch die Serra Tramuntana auf Mallorca oder am Fischerweg durch Portugal?! Besuch meinen Blog wieder und wieder und wieder oder folge mir auf Facebook, Twitter oder Instagram.

 


Mein Besuch des Wachauer Jakobsweges fand im Zuge einer Einladung von Donau-Niederösterreich Anfang September 2018 statt. Die Einladung inkludierte sämtliche Kosten der Reise beginnend von der An- & Abreise, allen Unterkünften, Gepäcktransport, Führungen sowie die gesamte Verpflegung. Es wurde kein Honorar bezahlt und keine Vorgaben gemacht. Meine Meinung ist meine eigene. Vielen Dank für die Einladung! Ein Dankeschön auch an meine fabelhafte Pilgergesellschaft R. und vor allem M.!

Written By
More from Theresa

Top 10 Tipps | Was du alles in Katalonien bzw. der Provinz Girona tun kannst

Katalonien ist die beliebteste Urlaubsregion Spaniens. Im Nordosten an der Grenze zu...
Read More

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.