Radtour durch Flandern | Meine Tour & Erfahrungen

Do things you love and do it often. Ich bin Feuer und Flamme als ich das Angebot bekomme Flandern in Belgien zu besuchen. Was ich denn gern tun würde, werde ich gefragt? Ich muss nicht lange überlegen: Radfahren ist meine simple Antwort und zwar wenn möglich alles.

Flandern ist die nördliche Region von Belgien – dort wo nicht französisch, sondern niederländisch bzw. flämisch gesprochen wird, größtenteils flach und durchzogen von Kanälen. Polderlandschaft heißt das. Das lerne ich während meiner Recherche. Polder sind Gebiete, die durch Teiche oder Kanäle vor Überschwemmungen geschützt werden. Ein perfektes Gebiet zum Radfahren. Das wissen auch die „Flandriens“ und haben ein hunderte kilometerlanges Fahrradwegenetz durch das gesamte Gebiet und vorbei an allen bekannten Städten wie z.B. Gent, Antwerpen oder Brügge geschaffen.

Es ist mein zweiter Besuch. Vor Jahren war ich schon einmal hier, lange vor der Gründung meines Reiseblogs und  lange bevor die mittelalterliche Altstadt von Brügge zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Meine älteren LeserInnen werden bei Flandern sicherlich auch an die herzzerreißende Drama-Kinderserie „Niklaas, der Junge aus Flandern“ denken. Die, bei der ein Junge mit seinen Großvater bei Antwerpen wohnte und Maler werden wollte, wie die aus Flandern stammenden berühmten Künstler Rubens oder Rembrant.

Tagelang studiere ich das umfangreiche Radwegenetz. Entlang der Nordsee auf der „Kustfietsroute“ oder doch ein Stück auf der Großen Flandernroute „Vlaanderen Fietroute“?, grüble ich herum bevor ich meinen Vorschlag an das Flandern Tourismusbüro schicke. Es wird ein Kompromiss – ein Gemisch aus Städtebesuchen, der Küste und dem Landesinneren. Es ist ein sehr ambitionierter Plan – wie ich beim Fahren feststelle.

Praktische Informationen zum Radfahren in Flandern, Tipps zur Routenplanung, Radverleih und der Anreise gibt es nach meinen Radreisebericht. Wenn du gleich nach unten springen willst – kein Problem: einfach anklicken!

 

Radtour durch Flandern | Meine Tour & Erfahrungen

Pilgerstatue, ein Rad und ich
Kurze Pause bei einer Pilgerstatue am Weg von Diskuide nach Ypern

Oder auf der Großen Flandernroute (Vlaanderen Fietsroute), entlang der Nordsee bzw. der Küstenroute (Kustfietsroute) & Abkürzungen von Gent über Brügge und Ostende, Nieuwpoort, Ypern nach Kortrijk

 

 

Radfahren in Flandern Tag 1: Gent über Brügge nach Ostende (rund 80km)

Ein aspaltierter Weg neben einem Kanal mit Wegschild
Am Weg von Gent nach Brügge

Mein Fahrrad für die nächsten Tage steht, als ich in Gent ankomme, inklusive gewünschter Radtaschen, Schloss, Pumpe und Werkzeug im fabelhaften B&B Abrahams Prinsendorf, wo ich die erste Nacht verbringe, bereits für mich bereit (Fotos gibt es in meinem Gent Beitrag!). Es wird mir von VOS Travel zur Verfügung gestellt, deren Service sehr einfach und unkompliziert ist: ich habe meine Größe bekannt gegeben. Das Rad wurde geliefert und wird von meinem Endpunkt in Kortrijk abgeholt. Sollte ich Hilfe am Weg benötigen, kann ich anrufen. Perfekt. Einen Helm habe ich im Gepäck.

Nach einen Nachmittag im Gent (alles nachzulesen in meiner Hommage an Gent: To Ghent with Love: Stadtspaziergang durch Gent gewürzt mit Tipps), geht es am nächsten Tag in der Früh los. Oder auch nicht.

Denn als ich die geschlossenen Flügeltüren meines feinen „Burgundischen Zimmers“ aufschlage, stelle ich fest: es regnet in Strömen. In der Hoffnung auf Besserung trödle ich beim Frühstücken herum, schreibe Mails, lade ein paar Fotos auf Facebook hoch, bevor ich endgültig beschließe im Regen loszufahren. Es ist höchste Zeit.

Mit Naviunterstützung kurve ich durch Gent bis ich die erste schnurgerade Passage des Radwegs erreiche. Der Regen ist inzwischen kein Regen mehr, sondern nur mehr ein Sprühregen – die Tropfen sind so klein und fein, dass ich beschließe keine Regenkleidung mehr zu benötigen. Ein Stopp, um mich auszuziehen und schon radle ich gemütlich weiter – ohne Zeitgefühl und Stress.

Ein Weg neben einem Kanal gesäumt von Bäumen
Der Weg neben einem von Bäumen gesäumten Kanal am Weg von Gent nach Brügge

Der Weg verläuft beinahe durchgehend entlang eines Kanals, meist gesäumt durch endlos wirkende Alleen und vorbei an wenigen, kleinen Häuseransammlungen. Ein Pferd mit Reiterin begegnet mir. Schiffe fahren sporadisch neben mir. Radgruppen treffe ich keine. Aber immer wieder werde ich von vorbei rasenden RennradfahrerInnen überholt.

Eine Straße am Kanal mit roten Backsteinhäusern
Kleines Dorf am Weg von Gent nach Brügge

Schon bei meinem zweiten kurzen Stopp bemerke ich, dass ich länger brauchen werde als erwartet. Statt den von Google Maps kalkulierten 2h 14 Minuten benötige ich schlussendlich knapp über drei Stunden für die Strecke Gent – Brügge inklusive drei kurzer Trink-/Kleidungswechselpausen und Gegenwind.

Erst beim Fahren wird mir der Grund bewusst: die RennradfahrerInnen, denen ich regelmäßig neidisch nachschaue, wenn sie – wie als ob es kein Morgen gäbe – an mir vorbeirasen.

Für die angegebene Wegzeit von Google werden die durchschnittlichen Wegzeiten von allen RadfahrerInnen miteinbezogen. Die hohe Anzahl an RennradfahrerInnen schrauben die Durchschnittswegzeiten natürlich nach unten,  welche für die angegebene Zeit nur bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h eingehalten werden könnte. Das hatte ich natürlich nicht nachgerechnet.

Ich schaffe gegen den Wind und mit am Lenker abgelegten Oberkörper, um eine bessere Trettposition auf meinem Tourenrad zu bekommen, gerade einmal 17 km/h. Beinahe jeder Windstoß lässt mich um 2 km/h langsamer werden wie mir der am Rad befestigte Tachometer jedes Mal grausam anzeigt.

Ein asphaltierter Weg durch eine Blumenwiese
Am Weg von Gent nach Brügge

 

Kurzbesuch in Brügge

Blick auf Brügge von oben mit drei herausragenden Türmen
Ausblick von der Dachterrasse des Konzertgebäudes in Brügge

Es ist zwei als ich Brügge erreiche und beschließe statt mein Gepäck am Hauptbahnhof in einem Spind einzusperren mit in die Stadt zu nehmen. In einer halben Stunde muss ich beim vereinbarten Treffpunkt bei der TouristInneninformation t´Zand im Konzertgebäude sein und ich will nicht zu spät kommen.

Die Stadtführung „Bruges by heart/Herzliches Brügge“, bei der ich angemeldet bin, startet pünktlich. Ausnahmsweise darf ich mein Gepäck in der TouristInneninformation zwischenlagern. Was es alles in Brügge bzw. der Tour zu sehen gibt, könnt ihr hier nachlesen: 3h in Brügge: Mein ultimativer Kurzbesuch mit der Stadtführung „Bruges by heart/Herzliches Brügge“.

Nach zwei Stunden ist die Tour zu Ende und Essen ist ab dann mein größter Wunsch. Schnell hole ich noch mein Gepäck und begebe mich in das nächstgelegene Burgerlokal.

Weitere 26 km liegen vor mir mit einer angegebenen Wegzeit von „nur“ rund 1h 11 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 20,8 km/h entsprechen würde. Dass ich eine solche Geschwindigkeit mit dem Tourenrad nicht fahren kann, ist mir inzwischen mehr als bewusst. Statt einem weiteren Stadtrundgang fahre ich deshalb los.

Mein Gesicht mit Sonnenbrille und Fahrradhelm
Ich am Weg von Brügge nach Ostende

Die Sonne steht schon tief am Himmel während ich die langen Kanäle entlang düse. Je näher ich dem Meer komme, desto kräftiger wird der Gegenwind. Erleichtert erreiche ich das Hotel De Hofkamers in Ostende, das sich höchstens 5 Gehminuten vom Strand entfernt befindet. Mein Rad darf ich im Speisesaal unterstellen.

Fotocollage vom Hotel de Hofkamers: Mein Zimmer, die Front des Hotels, das Frühstücksbuffet, das Bad
Das Hotel de Hofkamers in Ostende

Der traumhafte Sonnenuntergang an der Nordsee lässt mich alle Strapazen vergessen. Schon allein wegen dieses Ausblicks hat sich der Tag gelohnt. Mit einem kleinem Bier sitze ich am schon leicht feuchten Strand und atme frische Nordseeluft. Herrlich!!! Erst als die Sonne vollständig untergegangen ist, suche ich mir ein Lokal zum Abendessen.

Ein Steg führt durch den Sand zu einem Schild mit Schiff, dahinter das Meer
Am Nordseestrand in Ostende
Sonnenuntergang in strahlenden Orangetönen
Der atemberaubende Sonnenuntergang in Ostende

 

„Fahren nach Zahlen“ in Flandern von Gent über Brügge nach Ostende:

Gent – Leiestrekk 4/50 – Meetjesland 51/54/53/29/14/18/2//81/87/94/97/98 – Brugse Ommeland 62-/96/66/59/88/76/56/71/82//69/5/49 – Brügge (bis Brügge circa 45 km laut Routenplaner) – Brügse Ommeland 46/4/36/65/21/30/40/93/9/25/27/59 – Kust 26/95/10/4/85/74 – Ostende (Brügge bis Ostende circa 26km laut Routenplaner)

Gesamt: 71 km geplant gewesen /80 km gefahren

 

 

Radfahren in Flandern Tag 2: Ostende über Nieuwpoort, Frontzate und Ypern nach Kortrijk (rund 96 km)

Ein breiter Weg neben einer Bahntrasse am Meer
Rad-/Gehweg entlang der Nordsee von Ostende nach Middelkerke

Mein Tag startet mit einem riesen Frühstücksbuffet im Hotel de Hofkamers. Ein kurzer Radcheck und schon schwinge ich mich auf meinen treuen und zum Sitzen äußerst komfortablen Wegbegleiter. Das Wetter ist wunderschön und es ist herrlich direkt entlang der Nordsee zu fahren. Zügig geht es bis Middelkerke. In dem Moment bedaure ich sehr nicht ausschließlich entlang des Meeres zu fahren. Wenn ich gewusst hätte wie schön es hier ist…

Eine Abgrenzung des Strandes mit Blick auf die blaue Nordsee
Die Nordsee am Weg von Ostende nach Middlekerke

 

Parallel zur Küste, aber im Landesinneren, geht es auf asphaltierten kleinen Straßen bis Nieuwpoort. Das ist wohl der einzige Abschnitt, auf dem ich auf der offiziellen Küstenroute (Kustfietsroute) unterwegs bin. Die Strecke ist beliebt. Viele RadfahrerInnen mit Tourenrädern und natürlich Horden von RennradfahrerInnen begegnen mir.

 

Ein Wasserbecken und ein rundes Denkmal im Hintergrund
In Nieuwpoort mit dem Denkmal „Zu König Albert“

In Nieuwpoort mache ich meinen ersten Stopp und setzte mich in einen kleinen Imbiss für eine Kaffeepause. Vorbei am Hauptplatz fahre ich entlang des ehemaligen Eisenbahnweges Frontzate Richtung Diskuide. Während des 1. Weltkrieges fand hier eine große Schlacht statt. Immer wieder begegnen mir unterschiedliche Kriegsrelikte wie Bunker, Verteidigungsanlagen etc. nahe der Küste in Flandern. Ich kann mir Krieg nicht vorstellen. Es ist ein unheimlicher Gedanke, dass hier gekämpft wurde.

Mein Rad und ich am Weg Frontzate
Auf der ehemaligen Bahntrasse Frontzate

Auf kleinen Straßen und Feldwegen komme ich zu einer Brücke an der Yser. Knokkestraat heißt die Straße an dem Radwegknotenpunkt 28 bzw. 58. Ein sehr nett aussehendes Kaffeehaus ist auf der einen Seite der Yser, ein Rastplatz, der zum Pause machen einlädt auf der anderen.

Ein Rad angelehnt an einen Wegweiser mit Haus und Brücke im Hintergrund
An der Yser am Knotenpunkt 28

Mein Magen knurrt schon. Rund 38 km liegen bereits hinter mir, weitere 17 km vor mir bis Ypern. Die Entscheidung fällt zu Gunsten der längeren Pause in Ypern. Entlang einer weiteren schnurgeraden Straße an einem Kanal radle ich weiter.

 

Eine kleine, gerade Straße gesäumt von Bäumen
Gerade Straße am Weg nach Ypern
Großer Platz mit zwei Türmen (Kathedrale und Museum)
Am Hauptplatz in Ypern

Am Hauptplatz findet ein Fest statt. Aber ich bin zu hungrig, um es zu beachten. In einer Seitenstraße setze ich mich in ein Lokal – Kroketten und ein kleines Bier – das gönn ich mir.

Wie wichtig es ist bei den vielen Radwegen, die es in Flandern gibt, bei Kreuzungen gut aufzupassen, stelle ich gute 10 Kilometer nach Ypern fest. Denn statt einmal abzubiegen, bin ich vom geplanten Weg abgekommen. Die entscheidende Kreuzung liegt mindestens 5 km hinter mir. „Egal“, denke ich mir und fahre ab jetzt „querfeldein“, „1000 Wege führen nach Rom und sicherlich genauso viele nach Kortrijk“. Zum allersten Mal ist es leicht hügelig.

Wiese und zwei Krautfelder in unterschiedlichen Farben
Ein Feld mit Kraut im Landesinneren von Flandern

Vorbei an schwarz-weiß gefleckten Kuhherden, Krautfeldern, durch ganz kleine Dörfer und ein bisschen größere, über gelb markierte, rot markierte und mit einem weißen Streifen von der Straße abgetrennte Fahrradwege geht es bis Kortrijk. Als ich das noble Parkhotel am Bahnhofsplatz erreiche, zeigt mein Tachometer 96 Tageskilometer an.

Brückengeländer mit Stadt im Hintergrund in Kortrijk
Einfahrt nach Kortrijk über eine Brücke
Fotocollage vom Parkhotel in Kortrijk: das Bad, das Zimmer, der Hoteleingang mit Rad, das Gebäude
Das Parkhotel in Kortrijk

Duschen, Essen im besten Burgerlokal der Stadt (Jill´s Boutique – Es war so lecker. Es kann gar kein besseres geben!!!), ein ausgedehnter, gemütlicher Stadtspaziergang und ich falle ins Bett.

 

„Fahren nach Zahlen“ in Flandern von Gent über Brügge nach Ostende:

Ostende – Kust 74/57/52/80/60/81/73/64/82/67/7 – Nieuwpoort – Kust 57/89 – Westhoek 35/38/3/4/88/82/74/75/6 – vorbei an Diksmuide – /75/74/49/96/50/58/28/5/8/75/25/24/35/39/89 – Ypern – Westhoek 93/32/56 [ursprünglich weiter geplant gewesen: Westhoek 55/85/42/21 – Leiestreek 10/58/1/74/23/73/75/3/71/78/8/9/85/82/18/10/93/83 – ab 71 an der Leie entlang bis Kortrijk] – aber gefahren: Westhoek 80/18/41/49/76/66/70/4/72/6/48/8/18/10/93/83 – Kortrijk 

Gesamt: 89 km geplant gewesen /96 km gefahren

 

Kortrijk & Rückreise

Am nächsten Vormittag habe ich nach einem unglaublichen Frühstück noch Zeit die Stadt zu erkunden. Kotrijk ist klein, fein und nicht sehr touristisch. Genau das macht Kortrijk für mich extrem charmant. Trotzdem ist viel los. An meinem Abreisetag findet ein riesiger Markt statt. Und vereinzelt schlendern die letzten FestivalbesucherInnen herum, die das Hard Rock und Metal Festival mit dem klingenden Namen Alcatraz in der Nähe von Kortrijk besucht haben, herum.

Mit dem Zug reise ich direkt nach Brüssel. Von dort geht es mit Brussels Air zurück nach Wien. Mein Fahrrad wird von VOS Travels in Kortrijk abgeholt.

 

 

Praktische Informationen und Tipps zum Radfahren in Flandern

Radfahren nach Zahlen: Fietsnet, das Orientierungsystem für das Radwegenetz in Flandern/Belgien

Eine Absperrung mit roter Stopptafel und Knotenpunktschild
Am Weg von Ostende nach Ypern mit Knotenpunktschild

Statt Beschriftungen, die es natürlich auch dazwischen gibt, sind die Radwege in Belgien nummeriert. Jeder Knotenpunkt hat eine Nummer. An den Kreuzungen gibt die Beschilderung an, in welche Richtung gefahren werden muss, um den nächsten gewünschten Knotenpunkt zu erreichen.

Zum Orientieren brauchst du daher entweder:

  1. eine Straßenkarte und/oder
  2. Wissen der Nummerierung der Radwege im Vorfeld (Planung über Website Vlanderen-Fietsland für Flandern) und/oder
  3. zur Flandern Website dazugehörige Handyapp Vlanderen-Fietsnet, auf der die Radrouten geplant und gespeichert werden können. Das Abrufen von Offline-Karten ist nur in der Vollversion möglich, die um 3,99€ gekauft werden kann. Derzeit ist die App leider nur auf Niederländisch verfügbar, meinem Eindruck nach trotzdem ohne Problem verständlich. Interessant zu wissen ist, dass sich das Abonnement automatisch verlängert. Es sei denn, es wird mindestens 24 Stunden vor dem Ablaufdatum storniert. Die automatische Erneuerung kann auch in den Kontoeinstellungen abgewählt werden!

 

Radwege in Flandern: Von kurzen Strecken, Themenwegen bis zu Fernradwegen

In Flandern gibt es einfach alles: es gibt Fahrradwege in und um Städte, unzählige Verbindungswege zu allen Großstädten, spezielle Themenwege für Rundfahrten und natürlich auch Fernradwege mit Anschluss an das internationale Fahrradwegenetzwerk.

Rund 800 km werden zu den LF Fernradwegen in Flandern gezählt. Bekannt sind etwa die Vlananderen Fietsroute, die Große Flandernrunde, die wie der Name sagt wie ein Rundweg durch Flandern verläuft. Sie besteht aus den LF Fernradwegen 1, 5, 6 und 7. Die Kustfietsroute, die Küstenroute, mit der Nummer LF 1 verläuft im Hinterland parallel zum Meer. Die Fernradwege sind mit rechteckigen, weißen Schildern mit grüner Schrift gekennzeichnet.

Die Themenwege sind mit sechseckigen, weißen Schildern mit roter Schrift markiert. Ihre Längen sind unterschiedlich, liegen aber meist zwischen 30 und 60 km.

Die besten Infos zu den Radwegen gibt es auf:

 

Radfahren in Flandern: Für wen ist das was? Und ist es wirklich überall flach?

Wegen der äußerst gut ausgebauten Infrastruktur ist es ein Fahrradparadies für alle: für Familien mit Kindern, für Menschen von jung bis alt mit weniger oder mit ultraviel Kondition. Die zahlreichen Kanäle, die sich hinter der 65 km langen Flachmeerküste erstrecken und das fruchtbare Land vor Überschwemmungen schützen, haben flache, sehr breite und schnurgerade Radwege, meist gesäumt von einer Allee, oft sogar auf beiden Seiten. Im Landesinneren verlaufen die Radwege auf wenig befahrenen Straßen oder Feldwegen. Gemütlich dahin fahren oder auf Tempo: beides möglich.

Wer nicht nur flach, sondern auch steil will: in Flandern gibt es auch Steigungen zu bewältigen und zwar zum Teil auf Kopfsteinpflaster! Verrückt, was? Diese sind alle Teil der berühmten Flandern Rundfahrt, der „Vlaanderens mooiste“/“Ronde van Vlaanderen“, ein Radrennen von rund 250 km mit über 18 Anstiegen.

Der Kapelmuur oder auch „die Mauer“ van Geraardsbergen genannt ist dabei der berühmt berüchtigste Anstieg mit Steigungen von 9% bis 20%, der „nur“ 78m hohe Koppenberg gilt als anspruchsvollste Steigung mit ø 11,6% bis zu 22% Steigung. Als Klassiker zählen der Bosberg mit 105m, der Oude Kwaremont mit 111m oder der Paterberg mit 80m.

 

Die beste Jahreszeit für eine Radtour durch Flandern

Ich war Mitte August unterwegs und hatte während meiner kurzen Aufenthaltsdauer das gesamte Wetterspektrum: von Sonne, Regen und Bewölkung, mit und ohne Wind, allerdings für sportliche Tätigkeiten angenehmen Tagestemperaturen. Mit Ausnahme der Abende und dem Beginn meiner Radtour, wo es geregnet hat, war ich nur mit langärmeligen Funktionsshirts und kurzer Sporthose unterwegs.

Ein Blick auf die Klimatabelle zeigt sehr konstante Wetterbedingungen das ganze Jahr über. Mit der richtigen Kleidung wäre sogar eine Radtour in den Wintermonaten denkbar. Perfekt erscheint mir von der Tagestemperatur der Zeitraum von April bis Oktober. Mit Regentagen ist das ganze Jahr über zu rechnen. Die Mitnahme entsprechender Kleidung ist unumgänglich.

 

Meine persönlichen Überlegungen und Tipps

Ich mit Sonnebrille und Helm
Am Weg von Brügge nach Ostende
  • Rennrad oder Touren-/Trekkingrad? – Schnell oder gemütlich? Wer die Wahl hat, hat die Qual.
    Ich bekam ein Tourenrad zur Verfügung gestellt, das unglaublich bequem war. Jedoch kam ich mir super langsam vor (vielleicht lag das aber auch an mir!). Für meine gewählte Route und die mir zur Verfügung stehende Zeit hätte ich mir im Nachhinein ein Rennrad (mit Gepäckträger) gewünscht, um mich länger in den Orten, in denen ich einen Stopp einlegte aufhalten zu können.
    Alternativ bzw. meine Empfehlung: kürzere Etappen und generell länger Zeit nehmen!
  • Nach einer Trinkflaschenhalterung beim Radverleihservice fragen! Darauf hatte ich komplett vergessen und ich hatte leider keine. Eine solche wäre fein gewesen, um für Trinkpausen nicht extra stehen bleiben zu müssen.
  • Auf jeden Fall wetterfeste Kleidung einpacken!
  • Für die Orientierung an den Radwegen empfehle ich den Kauf einer Radwegenetzkarte oder den Kauf der App. Ich orientierte mich anhand meiner Notizen vorangegangener Streckenstudien, der App im Online-Modus (EU-Roaming Regeln sei Dank!) und Google Maps, das einen allerdings im Landesinneren immer auf der kürzesten Strecke zum Ziel leiten will und nicht unbedingt auf dem Radweg. Die Kombination war am Ende ein wenig kompliziert, da ich mich nicht mehr exakt an die vorher geplante Route hielt.

 

Rad mieten in Flandern

Ein Rad angelehnt an einen Wegweise mit Haus und Brücke im Hintergrund
An der Yser am Knotenpunkt 28

Es gibt unzählige LeihradanbieterInnen in Flandern. So viele, dass ich gar nicht versuche diese aufzulisten, sondern auf die äußerst informative Website von Flandern Tourismus und deren Informationen zum Fahrradverleih weiterleite.

Ich bekam ein Fahrrad von VOS Travel zur Verfügung gestellt, die Radreisen in ganz Europa und natürlich auch in Flandern anbieten. Das Service war sehr unkompliziert: ich gab nur meine Körpergröße an und bekam das Fahrrad in der richtigen Größe zu meiner Unterkunft geliefert. Radtaschen, Schloss & Pumpe wurden mir auf Nachfrage zur Verfügung gestellt. Einen Helm nahm ich selbst mit. Von meinem letzten Aufenthaltsort wurde es abgeholt. Für den Fall des Falles wurde mir zugesichert Hilfe bekommen zu können.

 

Anreise nach Flandern

Ich reiste von Wien über Brüssel per Flugzeug und weiter nach Gent mit dem Zug. Dabei nutzte ich das Hi Belgium“ Angebot von der Brussels Air, das ich sehr empfehlen kann. Es wird um 149€ angeboten.

Es beinhaltet Hin- & Rückflug, uneingeschränktes Zugfahren in ganz Belgien und City-Pässe für den Besuch von zwei auswählten Städten mit Sehenswürdigkeiten. Das „Hi Belgium“ Angebot wird als verlängertes Wochenende (oder kürzerer Aufenthaltsdauer angeboten) mit einem Hinflug am DO/FR oder Samstag und dem Rückflug am SO/MO oder DI. Längste Aufenthaltsdauer kann von Donnerstag bis Dienstag gewählt werden.

WICHTIG zu wissen ist: Das „Hi Belgium Angebot“ beinhaltet mit dem „Check&Go“-Tarif NUR HANDGEPÄCK! Das Zugticket muss unbedingt im Vorfeld ausgedruckt werden und die City Pässe müssen am Flughafen in Brüssel abgeholt werden. Eine Vorauswahl für die Städte ist zu treffen, jedoch kann diese bis zum Schluss verändert werden. Das Angebot berechtigt zu uneingeschränktem Zugfahren, was das Angebot so extrem attraktiv macht, beinhaltet aber nicht die öffentlichen Verkehrsmittel in den Städten!

 

Pin me! Flandern in Belgien: Fahrradtour durch Flandern | Meine Erfahrungen & Tipps
Pin me! Flandern in Belgien: Fahrradtour durch Flandern | Meine Erfahrungen & Tipps

 

Noch Fragen?  Dann wünsch ich: Happy biking in Flanders!

 

Lust bekommen mich auf weitere Radtouren zu begleiten z.B. am Donauradweg von Passau nach Wien? Oder einfach auf zukünftigen Abenteuern?

Dann folge mir auch auf Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest oder abonniere meinen Newsletter.

 


Mein Flandern Besuch fand vom 11. bis 14. August 2017 auf Einladung von Flandern-Tourismus statt (Vielen Dank für die Einladung und besonderen Dank an S. u. A.!). Die Einladung inkludierte alle Transportkosten, die Unterkunft, die Verpflegung sowie sämtliche Unternehmungen. Es wurden keine Vorgaben gemacht und kein Honorar bezahlt. Das Thema Radfahren und die gefahrene Radroute wählte ich selbst in Absprache mit dem Tourismusbüro, welche die Organisation des Rundherums übernahmen. Nochmals vielen Dank dafür!

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