Mein Spontantrip nach Prag

Schon vor dem ReisebloggerInnenSlam im Zuge des ReiseSalons in der Wiener Hofburg hatte es in mir gegärt: das Heimweh nach der Ferne war täglich größer geworden. Ein kleines Zeitfenster von ein paar Tagen lag vor mir. Ich wollte es auf keinen Fall ungenutzt verstreichen lassen. Prag, die Hauptstadt der Tschechischen Republik war schon einige Male als mögliche Kurztripdestination in meinem Kopf herumgeschwirrt. Auch wenn ich davor schon mehrmals dort gewesen war.

Denn Prag ist relativ nah und verkehrstechnisch schnell und günstig zu erreichen. Nachdem ich eine leistbare Unterkunft auf einer Buchungsplattform gesehen hatte, zögerte ich nicht lange und buchte Unterkunft und Transport. Schon am nächsten Morgen ging es los.

 

ANREISE NACH PRAG

Mein Ausflug startete schräg. Am Busterminal angelangt wurde ich von den äußerst netten und witzigen Busfahrern mit Namen gegrüßt. „Hallo Theresa!“, sagten sie. Ich war perplex. Warum um alles in der Welt wussten die bloß meinen Namen?, dachte ich innerlich. Der Witz des ersten Busfahrers ich solle beim nächsten Mal kein Foto zu meiner Fahrtbuchung hochladen, machte die Situation nur skurriler.
Die Erklärung für die Begrüßung lag jedoch auf der Hand. Ich war schlicht und ergreifend der letzte fehlende Fahrgast auf ihrer Checkliste, obwohl ich exakt 15 Minuten vor Abfahrt beim Bus ankam.
Kaum hatte ich Platz genommen, ging die Fahrt los. Trotz der Dauer von 4 Stunden war sie kurzweilig. Ich schlief die meiste Zeit. Am Vorabend war ich nicht allzu früh schlafen gegangen.

Obwohl der Busterminal in Prag direkt an die U-Bahn (Station Florenc) angebunden ist, beschloss ich zu Fuß zu meiner Unterkunft zu gehen. Die offline Routenplaner-App Maps.me zeigte nur rund 2km an.

Zu Fuß gehen ist eine häufige Strategie, die ich in fremden Städten gern bei Ankunft anwende. Es hat den Vorteil einen Eindruck von der Atmosphäre der Stadt abseits der TouristInnenviertel zu bekommen. Trotz leichten Regens ging ich los.

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MEINE ZEIT IN PRAG

Was mir gleich auffiel: Prag ist sehr hügelig und voll mit Pflastersteinen.

Keine gute Stadt zum Radfahren, war der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam. Tatsächlich sah ich die nächsten Tage nur wenige RadfahrerInnen. Vielleicht lag es aber auch am kalten und regnerischen Wetter. Statt Rädern ist die Stadt voll von „unbarmherzigen“ Segways. An touristischen Orten besteht Überrollungsgefahr.

Durch ein eher abgeranztes und zerfallenes Viertel mit vielen Graffitis, folgte ein Villenviertel am höchsten Punkt des Hügels und nach einem gemählichen Abstieg war ich auch schon in der Straße, in der sich mein Hostel befand. Es war in der Nähe des Friedensplatzes (Náměstí Míru) – quasi hinter dem Nationalmuseum gelegen.

Da ich es nicht empfehlen will, nenne ich keine Namen. Es war funktionell ausreichend, sehr klein, günstig, halbwegs sauber, das Personal aber unfreundlich und das Hostel ganz ohne Charme. Interessant fand ich den Aspekt, dass sich die Dusche jeweils im Zimmer befand und mit einem Vorhang von den Hochbetten abgetrennt werden konnte (hatte ich so davor noch nicht gesehen). Fast so ähnlich wie in den momentan mega modernen Hotelzimmern mit freistehender Badewanne und verglaster Badetür. Der Unterschied zum Nobelhotelzimmer liegt dabei fast nur in der Exklusivität der Nutzung. Den Hinweis (siehe Foto) in der Küche fand ich auch sehr cool.

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Nach einer kurzen Pause in meiner frisch bezogenen Luxussuite in der oberen Etage (ich wählte im Hochbett das obere Bett), schlenderte ich in Richtung und anschließend durch die Prager Altstadt. Überall gab es Weihnachtsmärkte mit heißem Glühwein und Essen. Doch statt den bei uns so häufig verkauften Maroni oder Bratkartoffeln gab es Langos (mit Knoblauch, Ketschup und Käse), spiralförmig frittierte Kartoffeln und Trdelnik. Ein Trdelnik ist ein traditionelles Süssgebäck (ursprünglich aus der Slowakei) in Form einer Rolle und wird auf sich drehenden Stöcken über glühenden Kohlen gebacken. Auf Deutsch wird diese Form des Gebäcks, meine Cousine hat mich gestern darüber aufgeklärt, Baumkuchen genannt.

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Obwohl ich schon mehrmals in Prag gewesen war, erinnerte ich mich bei meinem Rundgang an wenig. Vielleicht lag es auch am veränderten Straßenbild durch die vielen Weihnachtsmärkten. Nach gut 2 oder auch 3 Stunden durch die Kälte laufen, kehrte ich in mein Hostel zurück, nahm eine warme Dusche, studierte die TouristInnen-Info-Flyer, die ich mir im TouristInneninformationscenter geholt hatte und ließ den Abend gemütlich ausklingen.

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Nach einem einfachen Frühstück brach ich wieder in die Altstadt auf. Um 10 Uhr wollte ich an einer Free-Walking-Tour (auf Trinkgeldbasis) teilnehmen. Alle Infos dazu bei meinen „5 einhalb Tipps für deinen Prag Besuch„. Die Tour dauerte 2,5 Stunden, war amüsant und ist definitiv empfehlenswert.

Ich stärkte mich mit Langos und Kaffee und spazierte nach einem längeren, unterhaltsamen Gespräch mit einem Tourguide aus Venezuela Richtung Prager Burg. Statt direkt auf die Burg zu gehen, beschloss ich einen Umweg über den Park Letná zu machen. Dort fand ich den, meiner Meinung nach, besten Aussichtsplatz über die Prager Altstadt, die Moldau und die Brücken (alle Infos dazu bei meinen Prag Tipps).

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Über die Prager Burg gings zurück in die Altstadt. Es regnete wieder. Es war kalt. Ich fror. Ich erklärte meine Sightseeing Tour am heutigen Tag für beendet und kehrte auf ein Pivo (Bier) in ein kleines Lokal ein. Ein bisschen hoffend nochmal zufällig auf den gutausehenden, venezolanischen Guide zu treffen, der mich schon beinahe für eine weitere Tour „um den Finger gewickelt hatte“, schlenderte ich nach Hause.


Ich erlaubte mir einen gemütlichen Vormittag im Hostel, schrieb Mails, aktualisierte meinen Blog und kochte mir ein leckeres frühes Mittagessen, bevor ich in die U-Bahn direkt nach Mala Strana, der Prager Kleinseite, stieg. Links, rechts, rauf und runter, vorbei an den verschiedenen Sehenswürdigkeiten dieses Stadtviertels ließ ich mich durch die Straßen treiben.

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Einer der schönsten Momente war, wie ich plötzlich aus der Ferne den typischen Klang eines Hang Musikinstruments wahrnahm. Ein Hang ist ein Musikinstrument aus der Schweiz – ich hörte es jedoch das erste Mal auf der Isla del Sol in Bolivien in Mitten des Titicacasees. Zwei Chilenen, die dort mit mir in der Herberge wohnten, spielten das Instrument mit dem wirklich einzigartigen und unverkennbaren Sound immer am Abend, wenn alle beisammensaßen. Da kamen gleich Erinnerungen hoch. Hier gibt es ein You-Tube Video für alle, die es nicht kennen und gern eine Vorstellung dazu hätten.

Mein Weg führte mich ein weiteres Mal durch die Prager Burg und weiter in den jüdischen Stadtteil der Altstadt, die Josefstadt. Obwohl ich schon mal hier gewesen war (daran konnte ich mich noch erinnern), kaufte ich mir eine Eintrittkarte für den Jüdischen Friedhof und die Synagogen in der Nähe. Es ist ein geschichtsträchtiges Viertel und nur deshalb so gut erhalten, weil die NationalsozialistInnen es zu einem „Museum einer untergegangenen Rasse“ machen wollten.

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Nach einem weiteren Besuch der Karlsbrücke – ich wollte sie noch einmal bei Tageslicht sehen, einem leckeren Klobasa-Hotdog und mehreren Glühweinen als Abendessen, kehrte ich wieder in meine wunderbare Luxussuite von 100×200 zurück. Der Platz im Hostel war sehr begrenzt, sodass es am besten war, die Zeit im Bett zu verbringen, um niemanden im Weg zu sein.

Am nächsten Tag gings zurück nach Wien.

Obwohl ein Städtetrip keine Langzeitreise ist, tat mir der Ausflug sehr gut. Es war eine kurze Auszeit vom Alltag gewesen und das tat einfach gut. Einen Kurztrip nach Prag kann ich allen wärmstens empfehlen!!!


Meine Prag Reise war eine privat Unternehmung.

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