Von tiefen Schluchten, romantischen Städten, unzähligen Tapas & ungeplanten Hitchhiking

Im März war viel los. Zuerst gab es viel Aufregung in meinem Leben rund um die ITB in Berlin, die ich erstmals als akkreditierte Bloggerin besuchte. Kurz darauf folgte mein erster Pressetrip über ein verlängertes Wochenende nach Spanien. Von diesem Ausflug, der mich nach Malaga, zum Caminito del Rey, Antequera und Ronda führte, möchte ich euch nun erzählen.

Eins mal vorweg. Hätten sich die Menschen von Turespana und Costa del Sol, die diese Reise organisiert und unterstützt haben, nur halb so viel Mühe gegeben, ich hätte gleich von der Region geschwärmt. Seit ich mein anstrengendes, zähes, aber auch herausragendes Studienjahr in Spanien verbracht habe, liebe ich das Land mit all seinen Facetten.

Der spanische Werbeslogan des spanischen Tourismusverbands #ineedspain ist in meinem Fall beinahe so passend wie #ilovespain. Der Abstand – mein Auslandsjahr ist ja schon eine Weile her und die vielen, neuen Reisen, die ich seither gemacht haben – haben mich beinahe ein wenig meine Liebe für dieses wunderbare Land vergessen lassen. Aber wie es so schön heißt „Alte Liebe rostet nicht“.

 

Unterschätztes Malaga

Am Flughafen in Wien traf ich Viki vom Reiseblog Chronic Wanderlust. Unser Guide Alejandro Pérez-Malumbres Landa mit profunden archäologischen Wissen (Arqueoguia) holte uns vom Flughafen ab. Nachdem wir ins Hotel Barcelo mit wirklich großartigem Frühstücksbuffet (wie ich am nächsten Morgen bemerkte), gleich beim Hauptbahnhof gelegen, eingecheckt hatten, brachen wir zu einer Sightseeingtour durch Malaga auf.

El Barrio de las Artes (das Viertel der Kunst) faszinierte mich. Eine grenzgeniale EinwohnerInnen-Initiative zur Belebung des Hafenviertel verpasste dem sogenannten Soho ein attraktives, junges und dynamisches Flair. Bekannte StreetartkünstlerInnen durften an den Hauswänden ihre Werke anbringen. Voila! Ein hippes Viertel entstand.

Hungrig fielen wir danach über die Tapas Köstlichkeiten im El Palmeral an der Hafenpromenade „El Palmeral de las Sorpresas“ her.

Begleitet von Fátima, welche beim Fremdenverkehrsamt von Málaga arbeitet, besuchten wir das Museum Pompidou. Durch den auffälligen, bunten Plexiglas Würfel an der Hafenpromenade wird die kleine „Schwester“ vom Museum Pompidou in Paris auch „El Cubo“ genannt. Wir besichtigen die sehenswerte Dauerausstellung und beinahe genauso ausführlich den Museumsshop.

Museum Pompidou_Malaga

Vom Museum spazierten wir weiter zum Leuchtturm und zum Strand Malagueta. Es war eine gemütliche Atmosphäre. Wir plauderten viel… über Málaga, die Veränderungen der letzten Jahre, „Chiringuitos“ (Verkaufsbuden) am Strand, das Klima, die Landwirtschaft der Umgebung und nebenbei versuchte uns Alejandro historisches Wissen über die Stadt und die Provinz Málaga beizubringen. Mmmhh… ich befürchte ein wenig erfolglos.

Zurück in der Altstadt stoppten wird bei den Räumlichkeiten des Vereins Estudiantes. Die letzten Vorbereitungen für die pompösen Umzüge des Palmwochenendes (Semana Santa), die vor allem in Andalusien groß gefeiert werden, liefen auf Hochtouren.

Ein Jahr lang werden die Umzüge vorbereitet und geplant. Eine Ungewissheit, ob diese auch stattfinden, bleibt. Denn schlechtes Wetter, allen voran Regen, könnten jegliche Mühen zu nichte machen. Zu kostbar wären die riesigen Statuen des Jesus und der Maria und deren goldverzierten Umhänge, die auf Gestellen von hunderten von Männern durch Muskelkraft durch die Stadt getragen werden. Begleitet werden diese von Musikkapellen und BüßerInnen, welche sich unter langen Kutten und spitzen Hütten verstecken.

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Am Eingang zu der Festung Alcazaba und am Amphitheater Teatro Romano vorbei, schlängelten wir uns durch enge Gässchen hindurch bis wir bei der „einarmigen“ Kathedrale von Málaga ankamen. Sie trägt den Namen „Einarmige“, weil ein Turm von ihr nie fertiggebaut wurde.

Eine Pause gab es auf der Dachterrasse des AC Málaga Palacio (Marriott). Die schöne Aussicht auf die Kathedrale, den Hafen und die (Alt-)Stadt genossen wir bei Knabbereien und einem Gläschen leckeren Pedro Ximénez.

Hafen_Dachterrasse_Malaga
Blick über den Hafen von der Dachterrasse des AC Málaga Palacio

Ein spätes Abendessen im berühmten El Pimpi folgte, bevor wir noch später schon recht müde ins Bett fielen.

Es war mein vierter Besuch in Málaga. Neue und schon bekannte Sightseeing-Tipps für Málaga habe ich euch im Artikel „6 Dinge, die du an einem Tag in Malaga unternehmen kannst“ zusammengefasst.

 

Unterwegs durch die tiefen Schluchten des Caminito del Rey

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Am Caminito del Rey

Für den nächsten Tag war der Besuch des Caminito del Rey geplant. Er zählte bis vor seiner Renovierung zu einem der gefährlichsten Klettersteige der Welt. Nicht etwa, weil er eigentlich als Klettersteig gedacht war, sondern weil der Pfad, der damals für die ArbeiterInnen des Wasserkraftwerks an den rauen Felswänden in bis zu 200m Höhe angebracht wurde, so baufällig geworden war.

Die Ausblicke in die Höhen und Tiefen sind sehenswert und beeindruckend. Mir haben besonders die Viadukte der gegenüberliegenden Bahnstrecke gefallen und einfach der Anblick des schmalen Pfads am Fels. Er wirkt durch die massiven Felswände schon ein wenig winzig. Für Menschen mit Höhenangst gibt es dazu noch ein bisschen Nervenkitzel und Adrenalin.

Wir reisten mit unserem Mietauto gegen Mittag an. Wir hatten eine Zutrittsgenehmigung für den Nachmittag erhalten. Da es am Vormittag geregnet hatte und scheinbar einige Menschen nicht kamen, durften wir ein bisschen früher losgehen. Alles was du für einen Besuch wissen musst, gibt es hier zu lesen.

Wir waren langsam, schoßen viele Fotos und machten Videos. Ein riesiges, köstliches, spätes Mittagessen im La Garganta in El Chorro, das in Kletterkreisen als Winterklettergebiet sehr beliebt ist, folgte. Zusehends kam ich ein schlechtes Gewissen, weil es mir immer weniger gelang die servierten Speisen aufzuessen. So lecker es auch war, in meinem Magen ging nichts mehr hinein. Freiwillig verzichtete ich auf eine Nachspeise.

 

Kurzbesuch in Antequera und dem El Torcal – die größte Überraschung für mich in Andalusien!

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Felsformationen im Naturschutzgebiet El Torcal

Etwas verspätet brachen wir nach Antequera auf. In der Stadt holten wir zuerst einen lokalen Tourguide ab und fuhren zum Naturschutzgebiet El Torcal wo es fantastische Karststeinformationen zu sehen gibt. Wegen seiner beeindruckenden Landschaft (und Anfahrtsstraße) ist es als Drehort für Autowerbungen sehr beliebt. Vielleicht hast du es also schon im Fernsehen gesehen…? Insgesamt führen vier Wanderwege mit einer Länge zwischen 1,5km und 3,7 km durch das Gebiet.

Ich war absolut begeistert. Gern hätte ich hier länger Zeit verbracht. Doch das einzigartige Naturwunder, das es hier zu sehen gibt, hat auch sein eigenes Wetter. Nur am Berg begann es erst leicht zu nieseln und anschließend in Strömen zu schütten. Daher liefen wir nur schnell zu einer Aussichtsplattform nahe dem BesucherInnenzentrums und zu einem Fossilabdruck, sprangen wieder ins Auto und fuhren zurück ins trockene Antequera.

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Beindruckende Regenwolke über dem El Torcal, trockenes Antequera

Das Naturschutzgebiet El Torcal und das Städtchen Antequera verzauberten mich. Laut Berichten ist Antequera und das Naturschutzgebiet El Torcal innerhalb Spaniens sehr bekannt. Nur bei den ausländischen BesucherInnen hat sich die Schönheit beider verwunderlicherweise noch nicht so herumgesprochen.

Es dämmerte schon als wir Antequera im Highspeedtempo kurz durchliefen. Die Aussicht vom Stadtberg, wo sich eine Kirche und eine weitere Festung mit dem Namen Alcazaba befindet, ist großartig. Für den Besuch der Dolomiten „Dolmen de Menga“ und Dolmen de Viera“ (oder des sich in der Nähe befindlichen „Dolmen de El Romeral“ hatten wir leider keine Zeit. Sie zählen zu den bedeutendsten steinzeitlichen Bauten Europas und warten auf die Aufnahme in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

Besonders und sagenumwoben an Antequera ist der Berg in der Ferne, welche die Form eines menschlichen Gesichts hat.

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Ausblick auf Antequera vom Stadtberg

Das Arte de Cozina, das nach alten andalusischen Rezepten kocht, wurde beim Abendessen zu einem meiner Lieblingsrestaurants während meines Spanien Besuchs. Ein offenes Feuer wärmte uns im überdachten Hof. Zusätzlich wurde Kohle in einer Pfanne zum Wärmen unter den Tisch gestellt. Es war urig, traditionell und mega lecker. Die Rezepte nach denen gekocht wird, gibt es zum Mitnehmen.

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Orangensuppe im Arte de Cozina

In Antequera übernächtigten wir im Hotel Los Dólmenes, das wie der Name schon sagt, sich in der Nähe der Dolomiten befindet.

 

Romantisches Ronda, Palmsonntag-Zelebrationen und ein Ausflug, der im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel

Früh brachen wir nach Ronda auf, eine meiner Lieblingsstädte in Andalusien. Zweimal war ich davor schon hier gewesen. Ronda ist bekannt für die eindrucksvolle Puente Nuevo, welche die tiefe Schlucht, die sich mitten durch die Stadt zieht, überspannt.

Ronda_PuenteNuevo
Puente Nuevo in Ronda

Doch nicht die Stadt an sich war unserer erstes Ziel, sondern die Begehung der Etappe 24 von Ronda nach Estación de Benaoján des Gran Senada de Malaga. Es ist ein seit relativ kurzer Zeit angelegter Rundwanderweg mit insgesamt 35 Etappen durch die Provinz Málaga.

Es passierte wie es kommen musste. Nachdem Viki und ich schon zu Beginn der Wanderung Startschwierigkeiten hatten (wir waren uns über den Verlauf des Weges unsicher und fragten bei einer Herberge nach), kamen wir vom Wanderweg ab. Nach vielen Kilometern offenbarte uns eine GPS Ortung auf einer Offline Landkarte diese böse Wahrheit. Das schöne Wetter war längst in Regen umgeschlagen. Bis wir die Entscheidung trafen aufzugeben, war eine beträchtliche Zeit vergangen und wir nicht nass, sondern triefend nass. Unsere Versuche unseren Guide, der auf uns im Auto in Benaoján wartete, schlugen fehl (was jedoch daran lag, dass wir unabsichtlich die Festnetznummer angerufen hatten und nicht am Mobiltelefon).

Irgendwo am Straßenrand standen wir also, zwei bis auf die Unterhosen tropfnasse Frauen und hielten den Daumen hoch.

Viki_Ich_Wandern+
Verloren im Regen (da waren wir nur nass)

Unzählige Autos fuhren vorbei. Ich kann es ihnen fast nicht verübeln.

Eine Familie mit 2 Kindern und Hund aus Bilbao, die mit Campingbus unterwegs war, erbarmte sich. Sie nahmen uns bis Ronda mit, wo wir ohne Gepäck und wegen unseres Aussehens peinlich berührt ins noble 4 Sterne Hotel Catalonia Reina Victoria eincheckten.

Erst als wir im Hotel ankamen, fanden wir unseren Telefonnummernfehler und informierten unseren schon verzweifelt auf uns wartenden Guide Alejandro. Eine laaaaaange, brennheiße Dusche folgte.

Mit trockenem, frischen Gewand gings ins Lokal Pedro Romero, das sich gleich gegenüber der Stierkampfarena von Ronda befindet. Die Spezialität des Hauses „Stierschwanz“ schmeckte köstlich.

Stierschwanz
Stierschwanz im Lokal Pedro Romero

Aus zwei Gründen war ich besonders begeistert: denn dieses Menü hätte ich mir keinesfalls selbst bestellt und, weil ich unsicher gewesen war, um welches Körperteil es sich handelt – Geschlechtsteil oder Schweif (es ist der Schweif) hätte ich es von vornherein nicht probiert.  Nun kann ich eine Empfehlung aussprechen dieses Gericht im Pedro Romero unbedingt zu essen.

Die Stierkampfarena von Ronda besuchten wir als zusätzlichen Programmpunkt.

Danach postierten wir uns bei der Kirche Parroquia de Santa María La Mayor in der Altstadt, wo der erste Prozessionszug von Ronda anlässlich der Semana Santa starten sollte. Zwei Stunden warteten wir bis das Palmsonntagspektakel losging und die pompösen Statuen an uns vorbeigetragen wurden.

Für einen kurzen Eindruck habe ich euch ein kurzes Video zusammengeschnitten.

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Zum Abschluss gingen wir auf ein Tapas und ein Caña (kleines Bier) ins Lokal Hermanos Macias. Der Besuch war nicht geplant und wir hatten freie Essensauswahl. Die Albondigas (Fleischbällchen), eine meiner Lieblingstapas, waren dort besonders lecker!

Ich brauch, glaub ich, nicht erwähnen, dass es wieder spät wurde.

Nach einem riesigen Frühstück mit allem was das Herz begehrt (Frühstücksbuffet) startete ich meine Heimreise. Viki fuhr weiter nach Sevilla.


Meine Reise in die Provinz Málaga in Andalusien wurde vom Spanischen Fremdenverkehrsamt (Turespaña) Österreich und Costa del Sol Tourismus organisiert und unterstützt. Vielen Dank dafür! Muchas gracias! Meine Meinung ist davon natürlich nicht beeinflusst.

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