Italien: 13 gute Gründe für einen Besuch im Piemont

[Werbung: Kooperation] Das Piemont liegt im Nordwesten Italiens, eingeklemmt zwischen Frankreich und der Schweiz. Am verständlichsten gesagt: am oberen linken Ende des Stiefelschachts. Wer ans Meer will, fährt weiter südlich oder nach Frankreich, wer in die Berge will, bleibt nördlich in Südtirol oder wählt die Schweiz. Und das Piemont? Das bleibt oft unbesucht.

Unbegründet wie ich bei meinem Besuch im September 2018 auf Einladung von der Tourismusorganisation Tu Langhe-Roero feststellen musste. Denn die Region Piemont, am Fuße der Berge („ad pedem montium“) ist flächenmäßig nicht nur die größte auf Italiens Festland, sondern wartet auch mit so einigen Superlativen auf. So ist es nicht verwunderlich, wenn das Piemont Platz 1 in der Kategorie „Best Regions 2019“ bei Lonely Planet einnimmt. Hier sind einige meiner Gründe gespickt mit ein wenig unützen Wissens und Fun Facts, warum das Piemont einen Besuch wert ist.

 

1. MOKA EXPRESS BZW. DIE ACHTECKIGE ESPRESSOKANNE

Ein guter Tag startet mit einem Kaffee. So ist das zumindest bei mir. Die achteckige Moka Express mit der Kaffee am Herd aufgekocht wird wurde vom aus dem Piemont stammenden Erfinder Alfonso Bialetti 1933 entwickelt. Sein Sohn vermarktete diese so grandios, sodass sie Bestandteil fast jeden italienischen Haushalts wurde. Die im deutschsprachigen Raum übliche Bezeichnung „Espressokanne“ ist übrigens irreführend. Denn die Moka Express macht zwar Kaffee, aber keinen Espresso. Dafür ist der aufgebaute Druck zu gering. Warum das Piemont nun noch nicht das Mekka für alle Kaffeejunkies ist, um den ehrenwerten Herrn Bialetti zu ehren, der mir und bestimmt auch vielen anderen täglich den Start in den Tag rettet, ist mir daher ein Rätsel.

Epizentrum der Pilgerbewegung müsste die Gemeinde Casale Corte Cerro sein, wo der Herr Bialleti in seiner geliebten Moka Express Kanne beigesetzt wurde. Und nein, hier ist mir kein Fehler unterlaufen: er hat seine letzte Ruhe wirklich in einer Moka Express als Urne gefunden.

 

2. NUTELLA

Piemont: Pralinen in Vicoforte
Piemont: Pralinen in Vicoforte

Was für mich der Kaffee ist, ist für andere vielleicht das Nutella. Die beliebte Nuss-Nougat-Creme ist ebenso eine Erfindung, die im Piemont ihren Ursprung hat. Der weltweite Exportschlager Nutella wurde vom Konditor Pietro Ferrero senior erfunden und wurde bereits in den 1940ern unter dem Namen „Pasta gianduja“ als Brotaufstrich in Alba verkauft. Das Unternehmen Ferrero zählt inzwischen zu den größten Süßwarenhersteller Italiens und hat nach wie vor seinen Sitz in Alba. Kinderschokolade, Raffaelo, Tic Tac oder auch die mit Branntwein und „Piemont Kirsche“ gefüllte Praline Mon Chérie sind Süßigkeiten des Unternehmens. Fun Fact dabei: die Piemont Kirsche gibt es gar nicht. Sie ist eine Marketingerfindung.

Wer statt großen Unternehmen lieber kleine Schokoherstellerbetriebe bevorzugt, wird im Piemont ebenso fündig: in Vicoforte gibt es die nachhaltige Schokoladenmanufaktur vom preisgekrönten Silvio Bessone, welcher als „der Schokoladenmeister“ Italiens gilt. Als einer der wenigen nimmt er  von der Auswahl der Kakaobohnen, der Verarbeitung bis zur Herstellung des Endprodukts alles in eine Hand.

 

3. HASELNÜSSE

Piemont: Hasselnußplantage in Rodde
Piemont: Haselnussplantage in Roddino

Nutella würde es gar nicht im Piemont geben, würde es dort nicht schon seit längerem die Tradition des Haselnuss-Anbaus geben. Das Piemont ist nach der Türkei der zweitgrößte Haselnussproduzent. Für deren Anbau benötigt man Geduld: denn wirklich ertragreich werden Haselnusssträucher erst nach 7-10 Jahren. Rund 10kg wirft dabei ein Strauch ab. Die Haupternte findet Mitte August statt, die Nachernte circa 20 Tage später.

Tipp: Wer eine richtige Haselnussplantage sehen und erleben will, dem sei Ra nissòra in Roddino empfohlen. Die Besitzerin Milena Carbone verarbeitet die Nüsse aus eigener Produktion in ihrer kleinen Manufaktur von Hand zu den besten Leckereien. Für ihre Baci di Dama hat sie sogar einen Preis gewonnen. Nebenbei hat sie als Agriturismo-Betrieb eine Zimmervermietung.

 

4. DIE GRÖßTE ELLIPTISCHE KUPPEL DER WELT IN VICOFORTE

Piemont: Kuppel in Vicoforte
Piemont: Kuppel in Vicoforte

Vicoforte beherbergt neben der schon erwähnten Bio-Schokoladenmanufaktur von Silvio Bessone, auch noch die größte elliptische Kuppel der Welt. Die Kuppel im Barockstil erbauten Marienheiligtum Santuario di Vicoforte hat einen Durchmesser von 35m in einer Höhe von 75 Metern. Wer die überdimensionalen Fresken der Kuppel aus nächster Nähe betrachten will, kann diese gesichert mit Klettergurten erklimmen. Während FußgeherInnen steile Stufen nach oben klettern müssen, werden RollstuhlfahrerInnen aus dem Inneren der Kirche mittels Stahlseil in die schwindelerregende Höhe gezogen.

Seit Ende 2017 ist die Wallfahrtskirche zudem Ruhestätte des dritten italienischen Königs Viktor Emanuel III. und seiner Ehefrau Elena von Montenegro.

Tipp: Wer im Hotel Portici nächtigt, hat direkten Blick auf die Wallfahrtskirche.

 

5. WÖLFE

Piemont: Wolf im Wildlife Centre
Piemont: Wolf im Wildlife Centre Uomini e Lupi

Der italienische Wolf wird auch als Apenninwolf bezeichnet und lebt auf der gesamten italienischen Halbinsel sowie in Teilen der französischen Alpen. Derzeit leben mindestens 2 Wolfsrudel im Piemont. Eins davon lebte lange Zeit so versteckt in den Bergen, dass es jahrelang unbemerkt blieb. Um über das Leben und Sozialverhalten von Wölfen zu informieren, entstand aus diesem Anlass in Entracque das erste Wolfszentrum Italiens, das „Wildlife Centre Uomini e Lupi„. Neben einem Besucherzentrum, das die fiktive Geschichte des einsamen Wolfes Ligabue erzählt, gibt es ein großes Areal mit zweistöckigem Aussichtsturm, in dem Wölfe, die nach Verletzungen oder Unfällen nicht mehr ausgewildert werden können, leben und beobachtet werden können.

Tipp: Besonders sehenswert ist das Wildlife Centre Uominin e Lupi mit Kindern!

 

6. PINOCCHIO DORF VERNANTE

Piemont: Pinocchio Dorf Vernante
Piemont: Pinocchio Dorf Vernante

Nur 25km weiter vom Wildlife Centre in Entracque befindet sich das kleine Dorf Vernante, das auch als „Pinocchio´s Dorf“ bekannt ist. Der piemontesische Maler Attilio Mussino, welcher die berühmten „Abenteuer von Pinocchio“ von Carlo Collodi illustrierte, lebte hier. Um ihn zu würdigen, wurden einige Zeichnungen von ihm auf den Hauswänden des Dorfes verewigt. Jahr für Jahr wurden es mehr. Inzwischen zieren mehr als 150 Illustrationen aller Charakteren von Pinocchio das Dorf, die bei einem Rundgang durch das Dorf entdeckt werden können.

 

7. SLOW FOOD STATT FAST FOOD

Piemont: Collage von regionale Köstlichkeiten des Piemont
Piemont: Regionale Köstlichkeiten des Piemont

Während der Ursprung von Fast Food bis auf die Antike zurückreicht und in der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend Verbreitung in Europa fand, entstand als Kontrapunkt 1986 die von Carlos Petrini gegründete Slow Food- Bewegung in Bra im Piemont. Slow Food bemüht sich um den Erhalt regionaler Esskultur und lokaler Produktion. Die geschützte Word-Bild-Marke mit dem Logo einer Weinbergschnecke ist inzwischen eine in 160 Ländern aktive Vereinigung, welche den Grundsatz „gut, sauber und fair“ hochhält.

Fun-Fact: Heute kaum mehr vorstellbar: Auslöser für die Gründung der Bewegung war eine Demonstration gegen ein McDonald´s Restaurant in Rom.

 

8. WEIßER TRÜFFEL & TRÜFFELHUND-UNI

Der Weiße Trüffel, auch „Tuber magnatum pico“ oder einfacher Piemont oder Alba-Trüffel genannt, zählt zu den teuersten Lebensmitteln der Welt. Die italienische Stadt Alba ist die Hochburg des weißen Goldes. Dort findet jedes Jahr zwischen Oktober und November die älteste „Messe der weißen Trüffel“ statt. Deren Höhepunkt ist die Weltauktion in der Burg von Grinzane, wo dank einer Satellitenverbindung Städte aus der ganzen Welt live teilnehmen. Rekordpreise werden für den piemontesischen Trüffel jährlich erzielt: zuletzt war einem Restaurantbesitzer aus Hongkong eine 850 Gramm schwere Knolle 85.000€ wert. Wegen des Trüffels hat das Piemont im eher ungewöhnlichen Zeitraum von Oktober bis November Hochsaison!

Wo Trüffel wachsen, muss es auch Trifolai und Trüffelhunde geben. Denn Trüffelschweine sind seit 1982 in Italien verboten. Obwohl im Prinzip jede Hunderasse mit ausgeprägten Stöbersinn dafür ausgebildet werden kann, ist als Trüffelhund die Wasserhundrasse Lagotto Romagnolo besonders beliebt. Um Amateur-Schatzsuchenden Einhalt zu gebieten, die durch ihr Unwissen Trüffel-Plätze zerstören, benötigt man für die Suche eine jährlich zu erneuernde Lizenz und einen ausgebildeten Trüffelsuchhund. Dessen Ausbildung kann an der Università dei Cani da Tartufo in Roddi absolviert werden und nimmt etwa 20 Tage in Anspruch.

Nice-to-Know: Wer sich im Restaurant echten weißen Trüffel über die Pasta reiben lassen will: eine Streichbewegung entspricht etwa 10€.

 

9. GROTTEN – DAS UNTERIRDISCHE HÖHLENSYSTEM IM PIEMONT

Piemont: Wasserfall in der Grotta di Bossea
Piemont: Wasserfall in der Grotta di Bossea

Die erste für Publikum geöffnete Grotte im Piemont ist die Grotta di Bossea im Val Corsaglia. Sie ist etwa 2km lang und hat an ihrem Ende einen Wasserfall. Rund 200 Höhenmeter müssen bei dem Rundgang über zahlreiche Treppen erklommen werden. Wird der lange Eingangskorridor passiert, eröffnet sich ein gigantisches Höhensystem mit ungewöhnlichen Felsformationen, Stalaktiten von oben und Stalagmiten von unten. Der durch sie fließende Fluss macht die Grotta di Bossea zu einer lebenden Grotte. Durch ihren stetigen Wandel dient sie deshalb auch als Forschungsstation. Eine Führung, die zu fixen Zeitpunkten beginnt, dauert circa 90 Minuten und kostet 11€/Person (Stand: 2018).

Neben der Grotta di Bossea gibt es noch die Grotta del Caudano und die Grotta dei Dossi im Piemont zu besichtigen. Alle Infos zu den Höhlen, die es im Piemont zu besichtigen gibt, es auf www.cavespiemonte.com. Egal welche Grotte besucht wird unbedingt warme Kleidung und rutschfeste Schuhe anziehen!

Tipp: Im Val Corsaglia lässt es sich im Refugio La Maddalena hervorragend Mittagessen!

 

10. WELTKULTURERBE LANGHE-ROERO & MONFERRATO

Piemont: Das Dorf Barbaresco von oben

Seit 2014 ist das Gebiet Langhe-Roero und Monferrato Teil des UNESCO Weltkulturerbes so wie die Wachau in Österreich. Weiche Hügellandschaften, mittelalterliche Ortschaften, pittoreske Burgen und ein Blick der bei klarem Wetter bis zu den Gipfeln der schneebedeckten Alpen reicht, zeichnen das ausgezeichnete Weinbaugebiet aus. Sechs Regionen werden dabei im Speziellen hervorgehoben:

  1. die Hügel des Barolo
  2. das Schloss von Grinzane Cavour
  3. Barbaresco mit seinem Turm
  4. Canelli mit seinen unterirdischen Kathedralen
  5. Nizza Monferrato und seine Barbera-Hügel
  6. Vignale und die Hügel des Monferrato mit seinen unterirdischen Kellern

 

11. DIE BERÜHMTEN WEINE BAROLO & BARBARESCO

Piemont: Weinverkostung in Barbaresco
Piemont: Weinverkostung in Barbaresco

Eben wegen dem Anbau der vorzüglichen Qualitätsweine im Piemont wurde das Gebiet Lange-Roero und Monferrato zum Weltkulturerbe. Der trockene Rotwein Barolo zählt zu den italienischen Rotweinen mit dem höchsten Renomee. Wie sein „kleiner Bruder“ Barbaresco wird er sortenrein aus der Nebbiolorebe hergestellt. Beide stammen aus der Gegend um die gleichnamigen, altertümlichen Ortschaften – Barolo und Barbaresco, die nur 20km voneinander entfernt liegen.

Tipp: In Barbaresco gibt es nicht nur einen Aussichtsturm zu besteigen, sondern auch eine entweihte Kirche, um eben diese Weine zu verkosten. Wer etwas kauft, für den ist die Verkostung gratis.

 

12. DIE ALPEN IM PIEMONT

Piemont: Seealpen in der Provinz Cuneo
Piemont: Seealpen in der Provinz Cuneo

Die Alpen durchziehen den gesamten westlichen Teil des Piemonts. Der höchste Punkt ist der 3841m hohe Monte Viso in den Cottischen Alpen in der Provinz Cuneo. Der zum Mittelmeer hin auslaufende Alpenbogen ermöglicht nicht nur spektakuläre Aussichten, sondern auch die Ausübung zahlreicher Outdooraktivitäten. Skifahren, Radfahren, Mountainbiken, Bergsteigen, Klettern oder auch Wandern – es ist alles möglich. Mehr Infos gibt es unter www.wowoutdoor.it oder in meinem Beitrag Wandern & E-Bike fahren im Piemont.

 

13. PROVINZ & STADT CUNEO

Piemont: Viadukt Soleri in Cuneo
Piemont: Viadukt Soleri in Cuneo

Das Piemont ist im Vergleich zu anderen Gegenden von Italien touristisch noch nicht sehr erschlossen. Ausnahme bildet der Norden mit dem Lago Maggiore und Langhe zur Trüffelzeit. Obwohl das Piemont an sich als Ganzes schon eine Empfehlung für sich ist, kann noch weiter differenziert werden. Ein eher unbemerktes Dasein hat die Stadt und Provinz Cuneo, die ich als absolute Empfehlung hervorheben möchte. Schon bei der Anfahrt beeindruckt der Blick auf das 858m lange und rund 47m hohe Viadukt Soleri, das sich über den Fluss Stura spannt. Die Altstadt von Cuneo hat  einen natürlichen Charme. Alte Gebäude, große Plätze, riesige Arkaden über breiten Gehwegen, dazwischen gibt es regionale Geschäfte und familiäre Trattorias und Osterias.

Lokaltipp: Die kleine Osteria Due Grappoli in der Altstadt von Cuneo.

 

NÜTZLICHES WISSEN FÜR DEINEN BESUCH IM PIEMONT

Die beste Reisezeit

Die beste Reisezeit für das Piemont gibt es meiner Meinung nach nicht. Eine unübliche Hochsaison im Vergleich zu anderen Regionen ist der Oktober und November wegen der Trüffelernte. Vom Wetter her ist das Piemont ganzjährig eher mild, die Temperaturen jedoch den Jahreszeiten entsprechend angepasst. Im Winter kann es ein paar Minusgrade (-2/3°C) und Schnee haben. Da es von Oktober bis Februar jedoch nicht diesig ist, hat man in dieser Zeit den besten Weitblick. Der Frühling und der Herbst haben die verträglichsten Temperaturen, im Sommer kann das Thermometer auf um die 30°C klettern.

 

An-/Abreise in das Piemont

Mit dem Flugzeug empfiehlt sich eine Anreise über Mailand (Flughafen Malpensa oder Linate) oder Turin. Die Anreise mit Zügen aus Österreich erfolgt von Wien mit einem Umstieg in Venedig, von Innsbruck über Verona und von Bregenz über die Schweiz. Die Anreise mit Auto ist den Zugstrecken ähnlich.

 

Wo wir genächtigt haben

 

Noch mehr über das Piemont

 


Mein Besuch des Piemonts fand im Zuge einer Bloggerreise auf Einladung der Tourismusregion Tu-Langhe-Roero im September 2018 statt. Es wurden sämtliche Kosten von An-& Abreise, Transport, Unterbringung, Verpflegung und allen Unternehmungen übernommen. Es wurde kein Honorar bezahlt und keine Vorgaben gemacht. Vielen Dank für die Einladung!

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